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Coronavirus

Corona-Spätfolgen: Diese Langzeitschäden kann Covid-19 verursachen

Auch nach einer Coronainfektion kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Welche Corona-Spätfolgen möglich sind, erklärt ein Experte im Interview.

Corona-Spätfolgen: Ein Experte klärt auf.
Corona-Spätfolgen können laut Experten nicht nur die Lunge betreffen. Foto: Ovidiu Dugulan / iStock

Fieber, Husten, Geschmacksverlust - das sind nur einige Symptome der neuartigen Covid-19-Erkrankung. Derzeit steigen laut Robert Koch-Institut die Zahl der Coronainfektionen in Deutschland wieder an. Strengere Maßnahmen wie eine Testpflicht und neue Corona-Regeln sollen laut Bundesregierung die Bevölkerung vor einer zweiten Welle der Pandemie im Herbst schützen und vor allem die Risikogruppen vor einem schweren Verlauf der Krankheit wie zum Beispiel Atemnot bewahren. Um endlich eine Lösung gegen das Virus zu finden, arbeitet die Forschung derzeit mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff.

Doch was passiert, wenn wir uns bereits mit dem Virus infiziert hatten und nun als genesen gelten? Kann das Coronavirus Folgeschäden in unseren Organen verursachen? Diese und noch weitere Fragen beantwort Prof. Dr. Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen-Ruhrlandklinik, im Gespräch mit Liebenswert.

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Liebenswert: Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand befällt das Coronavirus je nach Verlauf die oberen und unteren Atemwege in der Lunge. Welche Spätfolgen kann das Virus in den oberen Atemwegen verursachen?

Prof. Dr. Christian Taube: Was die oberen Atemwege anbelangt, kann der Riechverlust, eines der bekannten Symptome, länger anhalten. Aber es gib bisher keine Hinweise darauf, dass es zu schwerwiegenden Spätfolgen in den oberen Atemwegen kommen kann. Wir haben die Covid-19-Erkrankung in unterschiedlichen Formen gesehen, also leichte Verläufe mit vergleichsweise geringen Beschwerden und auch schwere Verläufe mit starken Entzündungen in der Lunge, die zum Tod führen können.

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Auch andere Organsysteme, wie zum Beispiel die Gefäße und das Gehirn, können betroffen sein. Das ist individuell sehr unterschiedlich und gilt übrigens nicht nur für die ganz schweren Verläufe, bei denen die Lunge maximal betroffen ist. Der Schwergrad hängt hier mit möglichen Vorerkrankungen zusammen. So hat sich gezeigt, dass es aufgrund eines nicht-kontrollierten Diabetes, einer Adipositas und Herzinsuffizienz schon zu Schädigungen der Gefäße kommen kann und diese Patienten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf einer Covid-19 Erkrankung haben. Cerebrale Beteiligungen bei Covid-19 hingegen stehen nicht unbedingt mit diesen Vorerkrankungen in Verbindung.

Prof. Dr. Christian Taube.
Prof. Dr. Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen-Ruhrlandklinik. Foto: Universitätsmedizin Essen

Corona-Spätfolgen können zu eingeschränkter Lungenfunktion führen

Der Befall der unteren Atemwege mit Covid-19 wird als besonders schwerer Krankheitsverlauf eingestuft. Welche Spätfolgen können in den unteren Atemwegen der Lunge zurückbleiben?

Prof. Dr. Christian Taube: Patienten mit nicht so schwerwiegenden Verläufen erholen sich häufig komplett. Bei einigen Patienten kann aber der Erholungsprozess lange dauern, so dass im Verlauf noch länger eine eingeschränkte Lungenfunktion vorhanden ist. Bei schweren Verläufen mit ausgeprägten Entzündungen kann es zu Vernarbungen in der Lunge kommen und dadurch zu einer bleibenden Reduktion des Lungenvolumens. Es ist aktuell aber noch zu früh, um zu sagen, ob dies auch ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Lungenfibrose ist, also einer chronischen Entzündung und Vernarbung des Lungenbindegewebes. Dafür gibt es noch keine Belege. In den nächsten Monaten und Jahren werden wir sehen, ob es noch weitere Spätfolgen gibt.

Können eventuell Spätfolgen wie zum Beispiel dauerhafte Atemnot auftreten, die ähnlich sind wie die bisherigen Symptome von Covid-19?

Prof. Dr. Christian Taube: Bei schweren Verläufen können die Patienten durch Atemnot und verminderte körperliche Belastungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Diese Beschwerden unterscheiden sich aber von einer akuten Erkrankung, bei der häufig Abgeschlagenheit, Husten und Schnupfen mit der Atemnot auftreten.

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Blutgerinnsel sollen als Corona-Spätfolge vermieden werden

Ist es möglich, dass Risikopatienten wie beispielsweise Asthmatiker stärker von den Spätfolgen des Virus in der Lunge betroffen sind?

Prof. Dr. Christian Taube: Asthma ist per se kein Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Covid-19 Erkrankung. Es gibt verschiedene Risikogruppen. Aktuelle Daten lassen vermuten, dass Asthmatiker nicht dazu gehören. Nichtsdestotrotz gilt es aber bei Patienten mit schwerem Asthma, dass die Schädigung der Lunge durch Covid-19 natürlich einen schlimmeren Effekt hat, wenn bereits zuvor eine schwere Lungenerkrankung vorliegt.

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Lassen sich die von Covid-19 verursachten Lungenschäden mit einer anderen Lungenerkrankung vergleichen?

Prof. Dr. Christian Taube: Wenn es schwere Entzündungen gibt, dann sind diese vergleichbar mit dem Akuten Lungenversagen, kurz ARDS, einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung. Bei Covid-19 treten insbesondere auch Schädigungen an Blutgefäßen auf, die zu einer erhöhten Neigung von Blutgerinnseln führen. Deshalb sollten Patienten blutverdünnende Medikamente bekommen, die Blutgerinnsel und eine Verstopfung von Blutgefäßen durch diese Gerinnsel als mögliche Folge verhindern.

Maschinelle Beatmung kann für Corona-Spätfolgen auch der Grund sein

Können für zurückbleibende Lungenschäden auch die Beatmungsgeräte verantwortlich sein?

Prof. Dr. Christian Taube: Gerade beim schweren Lungenversagen ist man stets bemüht um eine maschinelle Beatmung, bei der die Lunge möglichst wenig geschädigt wird. Aber es ist durchaus bekannt, dass Schädigungen auftreten können, insbesondere dann, wenn dabei hohe Beatmungsdrücke verwendet werden. Aber häufig gibt es da kaum Alternativen.

Mögliche Effekte einer Beatmung sind Barotraumen, also Druckverletzungen am Gewebe, und Schädigungen der Lunge wie Entzündungen und Vernarbungen. Bei ganz schweren Verläufen können auch neue Techniken der Sauerstoffzuführung und Kohlendioxidextraktion (ECMO) eingesetzt werden, wenn die Beatmung nicht mehr ausreicht.

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Herz und Gehirn können auch Corona-Spätfolgen aufweisen

Einige medizinische Studien gehen davon aus, dass durch die Folgeschäden des Coronavirus in Zukunft andere Krankheitsbilder generiert werden können. Wie ist Ihre Einschätzung?

Prof. Dr. Christian Taube: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt zu früh, dazu etwas zu sagen. Das Virus ist gerade mal seit Ende letzten Jahres bekannt, deshalb gibt es aktuell noch keine Langzeitverläufe über mehrere Jahre. Daher werden wir dazu erst in der Zukunft etwas sagen können.

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Welche Organe im Körper können neben der Lunge von Folgeschäden des Coronavirus betroffen sein?

Prof. Dr. Christian Taube: Aktuell weisen Daten darauf hin, dass Gefäßsystem, Herz und Gehirn von Folgeschäden betroffen sein können. Aber noch muss man hier Vorsicht walten lassen. Wir müssen aktuell theoretisch noch davon ausgehen, dass alles betroffen sein kann, bis wir entsprechende Langzeitdaten haben.