WHO-Jahrestagung

Angela Merkel warnt vor neuer Pandemie

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auf der WHO-Jahrestagung vor neuen Pandemien gewarnt und die Welt aufgerufen, sich besser dafür zu wappnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Kanzlerin Angela Merkel warnte auf der WHO-Jahrestagung vor weiteren Pandemien. Foto: Thierry Monasse/ Getty Images/ Bloomberg
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Es wirkt so, als ob die Corona-Pandemie schon bald überwunden wäre. Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) wünscht sich aber zumindest, dass die Menschen weiterhin vorsichtig sind.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht sich Pandemievertrag

"Diese Pandemie ist noch nicht bewältigt, und sie wird auch nicht die letzte sein", warnte Merkel am Montag in einer Videobotschaft. Weiter sagte die Kanzlerin: "Nach der Pandemie ist vor der Pandemie". Merkel hofft im Falle einer erneuten Pandemie auf eine bessere Zusammenarbeit der 194 Mitgliedstaaten. "Auf die nächste sollten wir möglichst gut vorbereitet sein". Sie wünscht sich einen internationalen Pandemievertrag. Im Ernstfall einer neuen globalen Pandemie könne dann früher gewarnt und schneller gehandelt werden.

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Deutschland ist aktuell größter WHO-Beitragszahler

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) hatte sich zuvor für einen Pandemievertrag stark gemacht. "Die Staaten müssen sich zur Kooperation und Umsetzung von gemeinsam gesetzten Vorschriften verpflichten", fordert er. Spahn rief außerdem andere Länder auf, der WHO mehr Geld zu zahlen. "Es kann nicht richtig sein, dass private Stiftungen teilweise mehr Geld geben als die großen Staaten der Welt", sagte der CDU-Politiker. Deutschland ist seit Beginn der Corona-Pandemie zum derzeit größten Beitragszahler der WHO aufgestiegen, vor der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung.

115.000 Pflegekräfte weltweit an COVID-19 gestorben

Noch bis zum 1. Juni geht die WHO-Tagung. Vorherrschendes Thema ist die Corona-Pandemie. Die Organisation schätzt, dass bereits mindestens 115.000 Pflegekräfte weltweit nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus ums Leben gekommen sind. Kritisiert wurde in dem Zuge, dass in einigen reichen Ländern zunächst junge, gesunde Menschen noch vor Risikopatienten oder Pflegepersonal geimpft wurden.

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Verteilung der Corona-Impfdosen wird bemängelt

Ein großes Streitthema ist auch die ungleiche Verteilung der Impfdosen. Viele Redner monierten bei der WHO-Tagung, dass die Impfstoffe weltweit sehr ungleichmäßig verteilt seien, unter ihnen der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa. Gaston Browne, Ministerpräsident von Antigua und Barbuda, bemängelte, dass sein Land - anders als andere - für Impfstoffe zahlen müsse.

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Die Kritik von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus galt klar den reichen Industrienationen: Sie hätten den Großteil der verfügbaren Corona-Impfdosen aufgekauft. 75 Prozent der Impfdosen seien in nur zehn Ländern zu verorten. Millionen Angehörige des Gesundheitspersonals in anderen Ländern In anderen Ländern müssten deshalb auf die wichtige Impfung warten. Der WHO-Chef appellierte an diese Länder, Impfdosen abzugeben. Er rief die Welt auf, dafür zu sorgen, dass bis September mindestens zehn Prozent der Menschen weltweit und bis Ende des Jahres 30 Prozent geimpft werden können.

Angela Merkel steht mit Befürchtung nicht allein da

Mit ihrer Befürchtung, dass es neue Pandemien geben könne, ist Kanzlerin Angela Merkel übrigens nicht allein. So warnte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im Interview mit dem 'Hamburger Abendblatt' unlängst vor weiteren globalen Pandemien. Man dürfe sich bei der Corona-Bekämpfung nicht nur auf Deutschland konzentrieren, vielmehr müsse das Virus global bekämpft werden. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, war Corona nur der Vorgeschmack auf das, was uns erwarten könnte, denken wir an Dengue, Zika, und Chikungunya", warnt der Hamburger Virologe.

"Wir zerstören nämlich die Lebensräume Tausender Arten. Dadurch schaffen wir erst die Bedingungen, unter denen Epidemien und Pandemien vermehrt entstehen können", erklärt er. Wie Kanzlerin Merkel ist auch Schmidt-Chanasit der Auffassung, dass es enorm wichtig sei, die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Dazu gehört für ihn auch, dass man an den Ausbau der Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern verbessert. Die Debatte, welche Berufs- oder Altersgruppe zuerst geimpft werde, stelle sich nämlich in anderen Ländern wie Somalia oder Afghanistan erst gar nicht: "Hier kann nicht mal ein Teil der Bevölkerung überhaupt geimpft werden", erklärt der Virologe.

Mehrere Virolog*innen warnen vor neuer Corona-Welle

Unterdessen warne zahlreiche Virologen davor, zu früh aufzuatmen. Zwar sinken die Fallzahlen der Corona-Infektionen, doch schon im Herbst könne es eine neue, vierte Welle geben. Die sei nur aufzuhalten, wenn die Kontaktketten sich nahtlos verfolgen lassen, für Reisende aus Risiko- und Mutationsgebieten eine Quarantäne-Pflicht gebe und das Tempo beim Impfen auf einem konstant starken Niveau bleibe.