Für die private Sammlung

Orchideen vermehren durch Teilen oder Kindel-Ableger

Je nach Gattung gibt es verschiedene Möglichkeiten, Orchideen zu vermehren. Mit diesen Tipps gelingt es Ihnen.

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Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen in Deutschland – allen voran die Phalaenopsis, auch bekannt als Schmetterling- oder Nachtfalterorchidee. Kein Wunder! Sie sind mit ihren Blüten einfach herrlich anzusehen, auch wenn sie eine doch speziellere Pflege benötigen als andere Zimmerpflanzen oder Gewächse im Garten. Wenn Sie elegante Orchideen und ihre wunderschönen Blüten lieben, dann möchten Sie sicher auch Ihre Sammlung nach und nach erweitern. Natürlich liegt es dann nahe, immer wieder weitere Blumen zu kaufen, doch es gibt auch die Möglichkeit, bereits vorhandene Orchideen zu vermehren.

Mehr zum Thema: Darauf sollten Sie beim Kauf von Orchideen unbedingt achten

Dieser Vorgang ist nicht für alle Orchideenarten gleich, doch Sie müssen nicht verzagen: Wir erklären Ihnen, welche Methode bei welcher Orchidee neue Pflanzen hervorbringt. Eins haben diese übrigens gemeinsam: Es braucht immer einige Zeit, bis vermehrte Orchideen größer geworden sind und sie anfangen zu blühen.

Warum vermehren sich Orchideen überhaupt?

Die Orchideen-Vermehrung hat nicht nur den Vorteil, dass man am Ende eine prachtvolle Sammlung von wunderschönen Pflanzen hat. Natürlich ist das auch bei diesen besonderen Pflanzen mit den markanten Blüten auch ein toller Nebeneffekt. Doch wenn man die Pflanzen durch Ableger vermehrt, hält das die Pflanze jung und sogar blühfreudiger.

Ein weiterer Grund, warum Orchideen Ableger oder auch sogenannte Kindel bilden, ist für den eigenen Fortbestand. Wächst etwa ein Blütentrieb aus dem Herz der Mutterpflanze, beginnt diese sich zu vermehren, weil sie sonst keine neuen Blätter mehr bilden könnte. Auch wenn die Urpflanze dann zwar stirbt, bleiben ihre Nachkommen dem Pflanzenliebhaber erhalten.

Wie bekomme ich einen Ableger von einer Orchidee?

Wer zu Hause eine Orchideen-Sammlung anlegen möchte, kann sich entweder für den generativen Weg (über Samen) oder die einfachere, vegetative Vermehrung (über einen Ableger) entscheiden.

Wie lassen sich Orchideen vermehren?
Wir verraten, wie Sie Orchideen vermehren und eine eigene kleine Pflanzenfamilie heranwachsen lassen können. Foto: iStock / Mariia Demchenko

Die erste, geschlechtliche Variante ist deutlich aufwändiger: Sie trägt eventuell erst viele Jahre später Früchte und eignet sich vor allem für echte Profis, die eine Zucht aufbauen wollen. Hierbei werden die Gene der Elternpflanzen miteinander vermischt, sodass eine neue, sich von ihnen unterscheidende Orchidee entsteht.

Bei der ungeschlechtlichen, vegetativen Methode hingegen wird eine Orchidee genetisch geklont - hier geht es also nicht ums Züchten. Aus getrennt voneinander weiterwachsenden Pflanzenteilen entstehen neue Orchideen, die identisch zu ihren Eltern-, beziehungsweise Mutterpflanzen sind. Im Folgenden werden wir nur noch auf diese einfachere Variante eingehen, da sie für Anfänger und Hobbygärtner geeignet und besonders erfolgversprechend ist. Hier haben Sie mehrere Möglichkeiten, wie Sie Ihre Orchidee vermehren können: Einmal durch Teilen, mit Stecklingen oder die Vermehrung durch Kindel. Die einzelnen Methoden stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Was gibt es zu beachten?

Möchten Sie Ihre geliebte, hübsche Zimmerpflanze vermehren, gibt es ein paar kleine Dinge vorab zu beachten. Der beste Zeitpunkt, um Ihre Orchidee zu teilen, ist beim Umtopfen. Etwa alle zwei bis drei Jahre sollten Sie Ihrer Pflanze einen Umzug in ein größeres Gefäß gönnen, idealerweise im Frühjahr oder Herbst. Im Allgemeinen vermehren sich Orchideen besonders gerne und am besten entweder in diesen beiden Jahreszeiten, da beginnt auch ihre Wachstumsperiode. Im Frühling kann das Gewächs besonders schnell neue Wurzeln ausbilden, während im Herbst die Blütephase beendet ist und sie darum Energie hat, um wieder neue Wurzeln zu bilden.

Erfahren Sie mehr zu Orchideen umtopfen: Wann, wie oft und in welchen Topf?

Welche Pflanzen eignen sich zum Teilen?

Wer eine Orchidee vermehren will, die zu einer Gattung mit sympodialem, also mehrsprossigem Wachstum zählt, der kann diese Pflanze einfach teilen, um weitere Orchideen zu erhalten: Ihr Wurzelstock, das sogenannte Rhizom wächst in die Breite und lässt sich ohne größere Probleme in mehrere Ableger trennen. Das ist bei den Orchideenarten Frauenschuhen (Cypripedium und Paphiopedilum), Kahnorchideen (Cymbidium), Traubenorchidee (Dendrobium), Tigerorchideen (Oncidium) oder Spinnenorchideen (Brassia) der Fall.

Durch das Teilen wird das Wachstum der Pflanze immer wieder angeregt, sie verjüngt und erneuert sich stetig und es ist möglich, frische Orchideen aus den Ablegern entstehen zu lassen. Voraussetzung: Die Mutterpflanze hat schon mindestens zwei neue Triebe in verschiedene Wuchsrichtungen und sechs bis acht Pseudobulben ausgebildet. Letztere sind verdickte Triebteile, in denen Orchideen Wasser und Nährstoffe speichern und aus denen die Blätter sowie Blütenstängel austreiben.

Anleitung: So teilen Sie Orchideen, um sie zu vermehren

  1. Schon zwei Tage vor der Teilung die Mutterpflanze – etwa einer Dendrobium – am besten ausgiebig gießen.

  1. Entfernen Sie zunächst das alte Substrat von den Wurzeln der Orchidee. Lösen Sie dann die ineinander verwobenen Wurzeln, indem Sie die Pseudobulben/Blatttriebe leicht auseinanderziehen.

  2. Trennen Sie den Wurzelstock zwischen den Bulben (am besten in der Mitte der Pflanze) - und zwar so, dass jeder Ableger mindestens zwei bis drei Bulben mit Blättern aufweist. Gehen Sie dabei aber vorsichtig vor! Sie werden schnell merken, an welchen Stellen sich eine Teilung ergibt und wo Sie vielleicht nicht sinnvoll ist - seien Sie also nicht zu rabiat. Sollten trotzdem Wurzeln beschädigt werden, schneiden Sie diese mit einer sterilen Schere ab.

Sympodiale Orchideen lassen sich durch Teilung vermehren.
Sympodiale Orchideen lassen sich durch Teilung vermehren. Foto: iStock / DorukTR
  1. Entfernen Sie alte und eventuell abgestorbene Wurzelteile.

  2. Den, beziehungsweise die Ableger in neue Töpfe setzen. Die Gefäße sollten im Vergleich zum bisherigen Topf im Durchmesser nicht mehr als zwei Zentimeter größer sein.

  3. Neues Substrat locker einfüllen, ohne Hohlräume entstehen zu lassen. Achten Sie dabei darauf, dass die Ableger atmen können und das Wurzelwerk der Orchidee nicht erdrückt wird. Den Topf leicht schütteln, beziehungsweise mit dem Topf auf einen Tisch klopfen, damit sich das Substrat besser verteilt.

  4. Anschließend das Substrat gut durchfeuchten, am besten mit einer Sprühflasche. Die kommenden fünf bis acht Tage die Pflanze nicht wässern, damit ihre Wunden besser verheilen. Frühestens nach einem Monat damit beginnen, leicht zu düngen.

Lesen Sie auch: Orchideenerde: So machen Sie Orchideensubstrat selbst

Orchideen lassen sich auch mit Stecklingen vermehren

Monopodiale Orchideen können Sie in einigen Fällen über (Kopf-) Stecklinge vermehren. Diese Art der Vermehrung eignet sich besonders für terrestrisch wachsende Orchideen.

Orchideen kann man einfach durch Stecklinge vermehren
Um Stecklinge zu bekommen, schneidet man bei adelten Orchideen einfach Triebe ab. Foto: iStock/ Stanislav Sablin

Diese sind auch als Erdorchideen bekannt. So sollten Sie bei dieser Methode vorgehen:

  • Etwa im Frühsommer schneiden Sie die nicht blühenden Ranken ab.

  • Diese Triebe teilen Sie dann in Stecklinge mit einer Länge von etwa 10 bis 20 Zentimetern.

  • Anschließend setzen Sie die Stecklinge in Erde und befeuchten diese mit weichem, kalkfreien Wasser. Wichtig ist hierbei, dass der Ort für die Stecklinge immer feucht und möglichst hell ist. Allerdings sollten Sie aufpassen, dass sich keine Staunässe bildet. Die geeignete Temperatur beträgt 25 Grad Celsius, damit die jungen Orchideen gut gedeihen können.

  • Sie können Ihre kleinen Orchideen auch perfekt unter einer transparenten Haube halten. Diese sollte jedoch täglich gelüftet und entfernt werden.

Bei Vanda-Orchideen bilden sich im oberen Drittel der Pflanze häufig auch schon Luftwurzeln, die mit Moos (Sphagnum) bedeckt, nach einiger Zeit abgeschnitten und dann als Stecklinge eingepflanzt werden können.

Gängiger und meist erfolgversprechender bei der Vermehrung von Orchideen ist allerdings die Kindel-Methode. 

Wann Sie sich Kindel an Ihren Pflanzen zunutze machen können

Wer eine Orchidee aus der Gattung Phalaenopsis oder aber eine Vanda-Orchidee vermehren möchte, sollte anders vorgehen: Diese wachsen nämlich monopodial, das heißt einsprossig, und lassen sich (nicht so einfach) teilen. Dafür bilden diese sogenannte Kindel aus, die eine Vermehrung ermöglichen.

Einige Orchideen lassen sich über Kindel (Keiki) vermehren.
So sehen Kindel (Keiki) bei Phalaenopsis-Orchideen aus. Foto: iStock / aLittleSilhouetto

Bei Orchideen werden Kindel auch als Keiki bezeichnet. Diese kleinen, besonderen Ableger entstehen am Stamm oder den Blütentrieben der Mutterpflanze (Stamm-, beziehungsweise Stielkindel) und sind in der Regel bereits vollständige neue (Tochter-) Pflanzen. Sobald diese mindestens zwei Blattpaare und eigene, mindestens fünf Zentimeter lange Wurzeln gebildet haben, können Sie sie zur Vermehrung Ihrer Orchidee nutzen. Den richtigen Zeitpunkt dafür erkennen Sie in der Regel auch daran, dass der Stengel, an dem das Kindel hängt, gelb geworden ist.

Wichtig: Stammkindel von der Mutterpflanze abzutrennen ist häufig mit Risiken verbunden, weshalb Sie sich hier überlegen sollten, ob Sie sie tatsächlich ablösen möchten. Sie sind meist schon sehr mit der Mutterpflanze verbunden und es besteht die Gefahr, dass diese dabei verletzt wird.

Orchideen durch Kindel vermehren - so geht's

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und erfahren Sie, wie Sie Orchideen ganz einfach durch Kindel-Ableger vermehren können:

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Orchideen durch Kindel vermehren Stiefkinder trennen
Im ersten Schritt muss das Stielkindel getrennt werden. Foto: Liebenswert-Collage/ iStock: S-S-S, Mary Desy, Asantosg, Blazing Design
  1. Trennen Sie das Stielkindel von der Orchidee – etwa von einer Phalaenopsis – sofern es bereits kräftig genug ist und zuvor etwa ein Jahr lang an der Mutterpflanze wachsen konnten. Idealer Zeitpunkt dafür sind Frühjahr oder Herbst. Verwenden Sie ein desinfiziertes Messer oder eine Schere und lassen Sie am Ableger bestenfalls noch ein etwa zwei bis drei Zentimeter langes Stück des Blütenstiels stehen.

Orchideen vermehren durch Kindel: Schnittstellen mit Zimt betupfen
Schnittstellen mit Zimt betupfen. Foto: Liebenswert-Collage/ iStock: S-S-S, Mary Desy, Asantosg, Blazing Design

2. Betupfen Sie die Schnittstellen mit etwas Zimt oder Aktivkohle, was entzündungshemmend wirkt.

Orchideen-Kindel in Untertopf pflanzen
Orchideen-Kindel in Untertopf pflanzen. Foto: Liebenswert-Collage/ iStock: S-S-S, Mary Desy, Asantosg, Blazing Design

3. Pflanzen Sie das Kindel in einen kleinen (Unter-)Topf mit luftigem, etwas zerbröseltem Orchideensubstrat sowie idealerweise noch etwas Moos (Sphagnum) und wählen Sie für ihn einen hellen Standort. Achtung: Feuchten Sie die Erde etwas an, aber gießen Sie das Kindel in den ersten beiden Tagen nicht! So können sich die Schnittstellen in Ruhe schließen.

Das Orchideen-Kindel gut gießen
Das Orchideen-Kindel gießen. Foto: Liebenswert-Collage/ iStock: S-S-S, Mary Desy, Asantosg, Blazing Design

4. Gießen bzw. benetzen Sie das Orchideen-Kindel in der kommenden Zeit vorsichtig mit weichem Leitungswasser, destilliertem Wasser oder Regenwasser - aber nur so viel, dass das Substrat nicht austrocknet.

Orchideendünger auf Kindel-Ableger geben
Orchideendünger auf Kindel-Ableger geben. Foto: Liebenswert-Collage/ iStock: S-S-S, Mary Desy, Asantosg, Blazing Design

5. Nach einigen Wochen (frühestens ab Woche fünf) stark verdünnten Orchideendünger auf den Ableger geben.

Alternativ können Sie das Kindel auch noch einige Zeit an der Mutterpflanze belassen, bevor Sie ihn abtrennen - das stresst die Orchidee weniger. Stellen Sie den vorbereiteten Topf mit angefeuchtetem Substrat unter den noch am Stiel hängenden Ableger, sodass die Wurzeln locker aufliegen. Befestigen Sie ihn mithilfe eines Drahts. Durch diese Methode wird das Kindel dort besser Wurzeln schlagen und sich problemloser von der Mutter trennen lassen.

So pflegen Sie Ihr Orchideen-Kindel am besten

Besonders gut gedeiht das Kindel bei hoher Luftfeuchtigkeit. Sie können zur optimalen Pflege noch eine (mit Luftlöchern versehene) durchsichtige Plastiktüte/einen Gefrierbeutel oder einen größeren lichtdurchlässigen Topf über ihn stülpen – ähnlich wie bei der Vermehrungsvariante mit Stecklingen. Sorgen Sie allerdings auch hier für regelmäßiges, am besten tägliches Lüften! Dafür den entsprechenden Aufsatz für einige Zeit entfernen.

Sie können die Mini-Orchidee auch in einem Mini-Gewächshaus heranziehen. Ein solches Gewächshaus erhalten Sie unter anderem bei Amazon:

Bei dieser Anzucht sollte aber ebenfalls nicht die Pflege vernachlässigt und auf tägliches Lüften geachtet werden. 

Wieso bildet meine Orchidee keine Ableger?

Hat die Vermehrung nicht geklappt, kann das verschiedene Gründe haben. Womöglich haben Sie zur falschen Zeit gestartet oder die Orchidee hatte nicht genügend Licht oder Wärme. Ein weiterer Grund für eine gescheiterte Vermehrung kann auch sein, dass Sie die Triebe zu früh abgetrennt haben.

Achten Sie darauf, dass dies wirklich erst nach der Wurzelbildung passiert. Möglich ist auch, dass Sie die jungen Mini-Orchideen zu viel oder zu früh gegossen haben. Sie sollten sie erst nach etwa zwei bis drei Tagen gießen, erst wenn sich die Schnittwunde verschlossen hat. Sonst können Infektionen eindringen. Zuletzt sollten Sie kontrollieren, ob Sie die Kindel auch wirklich mit einem absoluten reinen und scharfen Messer abgeschnitten haben.

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