'Wir sind doch Schwestern' Jutta Speidel & ihre Filmschwestern im Familien-Interview

Die 'Wir sind doch Schwestern'-Stars Jutta Speidel (64), Hildegard Schmahl (78) und Gertrud Roll (82) sprachen mit uns offen über ihre Kindheit und erzählten uns von ihrem Enkelglück.

Hildegard Schmahl, Jutta Speidel und Gertrud Roll sind die Hauptdarstellerinnen des TV-Films Wir sind doch Schwestern.
Für den TV-Film 'Wir sind doch Schwestern' standen Hildegard Schmahl, Jutta Speidel und Gertrud Roll gemeinsam vor der Kamera.

Schon vom ersten Moment des Interviews an ist zu spüren: Diese drei verstehen sich blendend! Als wir Jutta Speidel, Hildegard Schmahl und Gertrud Roll in einem Hotel in Hamburg treffen, sind sie untereinander bereits in ein lebhaftes Gespräch vertieft und haben offenbar einiges nachzuholen. Seit den Dreharbeiten zu 'Wir sind doch Schwestern' im Frühjahr 2017, frei verfilmt nach dem gleichnamigen Roman von Anne Gesthuysen (49), haben sich die viel beschäftigten Schauspielerinnen nicht mehr gesehen - umso leidenschaftlicher bringen sich die drei mittlerweile zu Freundinnen gewordenen Frauen nun darüber auf den neuesten Stand, was in all den Monaten in ihren Leben los war.

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Für unser Interview zum TV-Film, in dem die Seniorin Martha (Gertrud Roll) ihre zerstrittenen Schwestern Betty (Jutta Speidel) und Hiltrud (Hildegard Schmahl) nach jahrzehntelanger Kontaktpause wieder zusammenbringen will, ließen sich die drei dann aber doch noch etwas bremsen. In einem emotionalen Gespräch gewährten sie uns dabei einige private Einblicke in ihre ganz eigenen Familiengeschichten.

Liebenswert: Im Film sagt Hiltrud anfangs den sehr verletzenden Satz: "Wir sind Schwestern, weil wir zufällig die gleichen Gene haben - das ist alles." Was löst es in einem aus, so etwas zu lesen und zu spielen, wenn man selbst Geschwister hat? Und was hat das für die Figuren Betty und Martha bedeutet?

Jutta Speidel: Ich glaube, die drei Schwestern sind in einem Alter, wo es um ganz andere Dinge geht. Die eigentlichen Verletzungen sind alle schon vorher passiert. Wenn jetzt so ein Satz fällt, dann hat Hiltrud früher auch schon solche Dinge gesagt - der kommt nur noch obendrauf. Ich persönlich habe diese Aussage von außen zwar als schlimm empfunden, aber nicht aus Sicht der drei Frauen. Es geht ja auch darum, dass sie sich trotz der Verletzungen endlich wieder annähern.

Hildegard Schmahl: Ganz genau. Ein erstes Zeichen dafür ist doch - ebenfalls in der Szene - dass sich die drei nebeneinander aufs Bett legen, weil sie sich schon so lange kennen und trotz allem, was vorgefallen ist, eng miteinander verbunden sind.

Wir sind doch Schwestern: Gertrud Roll, Hildegard Schmahl und Jutta Speidel in ihren Rollen Martha, Hiltrud und Betty.
Martha (Gertrud Roll, links) und Betty (Jutta Speidel, rechts) feiern den 100. Geburtstag ihrer Schwester Hiltrud (Hildegard Schmahl, Mitte).

Jutta Speidel: Ich selbst bin ja Einzelkind, aber ich glaube, dass es unter Geschwistern so ist, dass unterschwellig solche Dinge wie Eifersucht oder Neid eine Rolle spielen. Wenn man später mal ganz alt ist, serviert man seiner Schwester einfach solch einen Satz wie den von Hiltrud. Weil du einfach weißt: Letztlich vergibt sie mir ja doch.

Gertrud Roll: Ich habe noch eine vier Jahre jüngere Schwester, die manchmal auch Unglaubliches von sich gibt und das hängt mir schon nach. Wenn ich sie später anrufe und sage "du hast mir wirklich wehgetan", dann entschuldigt sie sich und sagt, sie wollte das nicht. Es war früher einfach furchtbar für sie: meine Schwester fühlte sich nie genug geliebt und anerkannt. Vieles hat eben seinen Ursprung in der Kindheit. Ich wurde damals immer bevorzugt und sie kam zu kurz, das weiß ich jetzt. Aber sie war auch ein furchtbares Luder (lacht). Hat einfach meine Stöckelschuhe genommen und sie kaputt gemacht, weil sie teilweise so sauer auf mich war. In der Schule hat sie sich auch ganz schlimm aufgeführt und wurde oft aus dem Unterricht geschmissen. Aber das war eben eine Art der Rebellion, weil sie Anerkennung haben wollte.

Sie haben auch eine Schwester? Dann werden Sie sich im folgenden Video vielleicht wiederfinden (Artikel geht unten weiter):

 

Frau Speidel, haben Sie es denn je bedauert, keine Geschwister zu haben? Haben Sie sich mal einen Bruder oder eine Schwester gewünscht?

Jutta Speidel: Ich hätte wahnsinnig gern einen älteren Bruder gehabt, weil ich auf dem Schulweg manchmal ziemlich verdroschen worden bin. Ich hatte damals eine Schulkameradin, die ihrem Bruder gesagt hat, er solle mich verhauen - wahrscheinlich war sie eifersüchtig oder so. Ich hatte dadurch solche Angst vor dem Schulweg, dass ich immer gedacht habe: Wenn ich doch bloß auch einen großen Bruder hätte! Aber insgesamt hab ich in meiner Kindheit nichts vermisst. Meine Eltern hatten ein sehr offenes Haus, ich konnte immer Freundinnen einladen. Die durften sogar bei mir schlafen und bei mir war deshalb immer Remmidemmi. Das hab ich mit meinen Kindern auch so gemacht.

Und wie sah es bei Ihnen und Ihren Geschwistern zu Hause aus, Frau Schmahl?

Hildegard Schmahl: Wir waren vier Kinder - zwei größere, also meine ältere Schwester und ich, und die zwei Kleinen, also meine jüngere Schwester und mein kleinster Bruder. Meine Eltern haben beide gearbeitet und die Großen haben dann die Kleinen aufgezogen. Das hat sich später weiter fortgesetzt - auch, weil meine Mutter früh gestorben ist. Wir Älteren haben die Jüngeren immer mitgetragen.

Jutta Speidel: Wenn ich so etwas höre, finde ich es immer Wahnsinn, was ein Familienverbund gerade in den harten Kriegszeiten möglich gemacht hat. Auch, wenn man vielleicht Schwierigkeiten miteinander hatte, waren andere Dinge einfach wichtiger. Dann hat man zusammengehalten. Die jüngeren Generationen von heute sehen das oft nicht mehr so, die sind viel mehr auf sich selbst konzentriert. Ich rede mit meinen beiden Töchtern ganz oft darüber und auch die beiden machen manchmal ihr Ding, ohne immer zu fragen, wie es mir geht. Als meine Mami gestorben ist, habe ich mich schon ein wenig allein gefühlt, weil meine Töchter andere wichtige Sachen zu tun hatten - aber sie haben halt ihr eigenes Leben, da hat sich in der heutigen Zeit einiges verändert.

Sie drei haben ja mittlerweile auch schon Enkelkinder - wie sehr hat das ihr Leben bereichert?

Hildegard Schmahl: Ich wohne zurzeit mit meinem Sohn, meiner Schwiegertochter und meinem jüngsten Enkel, der jetzt 8 Jahre alt ist, zusammen in einem Haus. Das ist wirklich sehr schön.

Gertrud Roll: Ach, das würde ich mir auch wünschen. Meine Enkel sind so weit weg: Sie leben im Außenrand von Wien und da ich kein Auto mehr habe, ist das jetzt schon ein Weg von einer Stunde.

Hildegard Schmahl: Ich war eigentlich auch erst viel zu weit weg. Als mein dritter Enkel zur Welt kam, hatte ich das Gefühl, ihn gar nicht zu kennen, weil ich zu der Zeit so viel an den Münchner Kammerspielen gearbeitet habe. Dann hatte ich plötzlich die Nase voll und bin wieder zurück nach Hamburg gezogen, um mehr an seinem Leben teilhaben zu können. Ich finde es so wichtig, dass Kinder Zeit mit ihren Großeltern verbringen.

Gertrud Roll: Sie werden so schnell älter, das darf man wirklich nicht verpassen. Mein Großer ist jetzt 9 und war früher ein richtiges Schmusekind, aber heute darf ich nicht mehr ins Badezimmer kommen, wenn er in der Wanne sitzt. Er ist wohl in der ersten Pubertät, wie er das nennt. Verliebt hat er sich auch, in ein Mädchen aus seiner Klasse. Die hängen beide so aneinander, das ist wirklich süß. Mein Kleiner ist 5 und auch schon verliebt - in seine Kindergärtnerin! "Leider ist sie schon verheiratet", hat er zu mir gesagt (lacht). Ach, ich muss mich anstrengen, dass ich wenigstens einmal die Woche bei ihnen sein und das alles miterleben kann.

Jutta Speidel: Ich bin geradezu schockverliebt in meinen Enkel (lacht). Ich liebe es einfach, Zeit mit ihm zu verbringen und in sein lächelndes Gesicht zu sehen.

Wenn Sie das alles mal zusammenfassend betrachten: Was ist es, das Ihr Leben besonders liebenswert macht?

Gertrud Roll: Ich bin mit den Jahren viel wacher im Schauen geworden - das heißt, ich nehme viele Dinge stärker wahr als früher. Wenn ich jetzt bei mir in Wien in den Wald gehe oder ganz allein durch die Stadt, dann halte ich die Augen nach allem auf, was schön ist. Früher bin ich an vielem einfach vorbeimarschiert. Neben diesem bewussten Schauen ist es mir auch noch ganz besonders wichtig, von jemandem in den Arm genommen zu werden, den ich mag. Auch Kinder zu umarmen ist etwas ganz Tolles. Zusammengefasst könnte man sagen: Neugierig zu bleiben und Empathie zu haben.

Jutta Speidel: Ich finde es schön, die Momente im Hier und Jetzt zu leben und sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Dankbar dafür zu sein, dass man überhaupt die Chance dazu hat, zu sehen, zu spüren, zu riechen und zu fühlen. Mein Enkel spielt dabei natürlich auch eine große Rolle.

Hildegard Schmahl: Ich habe in meinem Leben viele schwere, düstere Zeiten durchlebt. So mit 60 Jahren dann klang das aber langsam ab und seitdem ist meine Seele hell - als hätte sich mein inneres Licht verändert. Ich bin so lachlustig geworden, lache wirklich gern und oft und bin neugierig, unternehme viel. Auch meine Enkel sind ein ganz großes Glück für mich.

Der Fernsehfilm 'Wir sind doch Schwestern' , in dem unter anderem auch Benjamin Sadler und Matthias Brenner zu sehen sind, läuft am Samstag, den 22. Dezember um 20:15 Uhr im Ersten.

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