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Über Therapien und Entzug

Eloy de Jong: "Es sollte kein Tabu sein, sich helfen zu lassen"

Sänger Eloy de Jong (47) verrät im Interview zu seiner Autobiografie, warum es ihm wichtig ist, jetzt über die dunklen Kapitel seines Lebens zu sprechen.

Sänger Eloy de Jong bei einem Auftritt 2018.
Eloy de Jong hat bereits Therapien und einen Entzug hinter sich, was er nicht verschweigen möchte. imago images / nicepix.world

Seit 2018 ist Eloy de Jong, der als Teil der Gruppe 'Caught in the Act' weltberühmt wurde, auch als Sänger im Popschlager-Bereich sehr erfolgreich - und hat gerade seine neue Platte 'Auf das Leben – fertig – los!' (Telamo/Warner, 14 Euro)* veröffentlicht. Doch damit nicht genug, denn heute ist außerdem seine berührende Autobiografie 'Egal was andere sagen' (Edel Books, 17,95 Euro)* erschienen, in der der Künstler auf die Höhen und Tiefen seines bisherigen Lebens zurückblickt.

Mehr zu Eloy de Jong im ersten Teil unseres Interviews: "Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben"

Wir haben vorab mit Eloy telefoniert und von dem Vater der neunjährigen Indy, die in Co-Elternschaft großgezogen wird, erfahren, wie er heute mit dem Verlust seines Sohnes Milon umgeht, was er sich für seine Familie wünscht und warum er nun erstmals über seine psychischen Krisen spricht.

Für Eloy de Jong ist Indys und Milons Geschichte ein Schlüsselerlebnis

Liebenswert: Für dich und deinen Partner Ibo ist eure Tochter Indy das größte Glück. Von Anfang an habt ihr Indy ja auch von ihrem verstorbenen Bruder Milon erzählt – inwiefern ist er auch heute noch in eurem Alltag spürbar? Wie redet ihr über Milon?

Eloy de Jong: Er ist der Zwillingsbruder von Indy und wird deshalb natürlich immer ein Teil unseres Lebens sein. Wir haben unsere Trauer nie auf seine kleine Schwester projiziert, aber sie wusste immer schon, dass es Milon gegeben hat. Wir haben ihr von Anfang an von ihm erzählt. Wenn man sich die Ultraschallbilder von damals anschaut, sieht man ja auch zwei entstehende Babys, die sich scheinbar umarmen. Wie könnte man da später einfach das eine Leben verschweigen.

„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Milon denke.“
Eloy de Jong

Indy wurde neun Tage später geboren als Milon, der am 8. Juni 2011 vier Monate zu früh zur Welt kam. Indy hat es geschafft, ihm aber war kein Leben gegönnt. Wir besuchen ihn oft und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. Und an seinem Geburtstag gehen wir zusammen mit seiner Mutter jedes Jahr zu seinem Grab, bringen Blumen vorbei und lassen einen Luftballon mit einer Karte steigen. Dann gehen wir in ein schönes Restaurant und machen eine kleine, intime Geburtstags- oder vielmehr Lebensparty. Indy soll merken, dass wir auch das Leben ihres kleinen Sternen-Bruders feiern, der im Himmel auf sie aufpasst. Das finde ich total wichtig und deshalb sollte man auch offen darüber reden.

Deine Autobiografie startet mit dem dramatischen Kampf um Indys Leben nach ihrer Geburt, kurz nach dem Tod von Milon. Wie schwer war es für dich, dir speziell diese Tage und all den damit verbundenen Schmerz jetzt noch einmal im Detail vor Augen zu führen?

Ich beschreibe in meinem Buch natürlich viele schwierige Erlebnisse meiner Vergangenheit, die ich dann noch einmal erlebt habe – aber es ist nicht so, dass ich sonst nicht an diese Momente denke. All diese Momente und Menschen, wie natürlich auch Stephen [Anmerkung der Redaktion: sein früherer Lebensgefährte Stephen Gately, der 2009 starb], der immer einen Platz in meinem Herzen haben wird, gehören einfach zu mir. Ich sage immer: Ich laufe mit einem Rucksack herum, der voll ist mit Erinnerungen. Milon kommt auch jeden Tag in meinem Kopf vorbei – er gehört einfach zu meinem Leben. All das macht mich zu der Person, die ich heute bin. Trotzdem ist die Geschichte von Milon und Indy, die gleichzeitig von Geburt und Beerdigung erzählt und auch Indys monatelangen Überlebenskampf beinhaltet, natürlich ein besonderes Schlüsselerlebnis für mich. Als ich anfing über mein Leben zu schreiben, war das mein erster Gedanke, mein Einstieg und emotionaler Zugang.

„Warum sollte ich verschweigen, dass ich Hilfe gebraucht habe?“
Eloy de Jong

Eloy de Jong wurde psychologisch betreut und will anderen Mut machen

Zum ersten Mal sprichst du auch über deine Therapien, deinen Entzug, Burnout und Panikattacken. Warum ist es dir wichtig, dass die Menschen auch diese dunklen Kapitel deines Lebens kennenlernen?

Ich wollte ein ehrliches Buch schreiben, deshalb gehören natürlich auch diese Themen mit da rein. Warum sollte ich verschweigen, dass ich Hilfe gebraucht habe? Wenn man Kopfschmerzen hat, ist es völlig normal, eine Tablette zu nehmen, und wenn man es emotional nicht mehr schafft, sollte es auch kein Tabu sein, sich helfen zu lassen. Ich möchte da gern ein Beispiel für andere Menschen sein. Es sollte kein Buch werden, das sagt: 'Alles ist gut, guck dir an, wie schön mein Leben ist.' Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinem Buch auch Menschen erreichen kann, die vielleicht sagen: 'Die Musik von diesem Holländer mit dem schrecklichen Akzent mag ich nicht', aber die meine Geschichte beim Lesen berührt, weil sie sich selbst vielleicht darin wiederfinden. Das finde ich wichtig. Wenn meine Geschichte anderen helfen kann, bin ich gerne bereit, darüber zu reden.

Sehen Sie hier das emotionale Video zu Eloy de Jongs älterem Song 'An deiner Seite', den er Tochter Indy widmete (Artikel geht unten weiter):

Du schreibst in 'Egal was andere sagen', dass du schon einmal vorhattest, deine Autobiografie herauszubringen. Warum ist erst jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Als ich damals das Manuskript von meiner Co-Autorin und mir in einem braunen Umschlag bekam – 'Ich, Eloy' hieß das Buch damals – habe ich angefangen zu lesen und ich glaube, schon auf Seite eins war das so konfrontierend für mich, dass ich dachte: 'Nein, ich will das nicht. Ich will das nicht.' Zum Glück habe ich mich damals dann doch noch gegen das Buch entschieden. Es war einfach noch nicht so weit, meine Geschichte zu erzählen. Ich musste noch Abstand von meiner 'Caught in the Act'-Zeit und vielen traumatischen Erlebnissen nehmen, mich als Mensch neu aufbauen. Jetzt bin Mitte vierzig und das ist so ein Alter, in dem man zurückschaut. Vielleicht hab' ich noch die Hälfte meines Lebens vor mir, vielleicht aber auch nicht. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich vieles relativieren und in Balance sehen kann. Ich bin mit mir im Reinen, sonst hätte ich das Buch nicht geschrieben. Das war keine Therapie, aber spannend und auch sehr bewegend, all diese Gefühle nochmal wachzurufen und zu durchleben.

Würdest du sagen, dass du aktuell in der glücklichsten Phase deines Lebens bist? Hast du das Gefühl, angekommen zu sein?

Ja, und ich hoffe, dass es noch jahrelang so weitergehen wird. Mit Ibo bin ich seit dreizehn Jahren zusammen, wir haben eine gesunde Tochter und ich habe noch einmal die Chance bekommen, beruflich zu machen, was ich leidenschaftlich liebe – wie cool ist das denn!

Eines Tages werden Eloy und Ibo heiraten - das haben sie Indy versprochen

Ibo und du, ihr wolltet ja 2011 heiraten und habt aufgrund der tragischen Ereignisse um Milon und Indy dann alles abgesagt. Werdet ihr eure Hochzeitspläne irgendwann wieder aufnehmen oder seid ihr jetzt so zufrieden, wie es ist?

Wenn man als Paar so etwas erlebt und gemeinsam übersteht, sogar stärker daraus hervorgeht, dann zeigt das, dass man auch ohne Hochzeit zusammenhält und sich verbunden fühlt. Aber eines Tages, das haben wir Indy versprochen, wird es doch noch passieren – nur anders, als damals geplant. Wenn man so ein Trauma durchlebt, wird einem klar, dass man vielleicht nicht zweihundert Gäste bei einer Hochzeit braucht, sondern nur die engsten Freunde und die Familie.

Du zeigst deine Familie und zuletzt auch dein Zuhause gern in Videos oder bei Instagram. Hast du klare Regeln dafür, was du mit der Öffentlichkeit teilst und welche Bereiche du lieber privat hältst?

Aber natürlich, die habe ich! Wenn ich weiß, und Ibo weiß, und Indy weiß und Indys Mama weiß, wo diese Grenzen liegen, und wir diese Grenzen nicht überschreiten, dann ist alles gut. Aber wir sehen natürlich auch, wie wichtig es ist, anderen Menschen und Ländern Beispiele dafür zu geben, wie man auf eine etwas andere Weise eine Familie gründen und vor allem harmonisch und liebevoll miteinander leben kann, und deshalb erzähle ich auch offen von unserem Familienleben in meinem Buch.

„Wir versuchen, Indy dabei zu unterstützen, dass sie eine selbstbewusste, glückliche junge Frau wird.“
Eloy de Jong

Was sich Eloy de Jong von Herzen für die Zukunft wünscht

Hast du konkrete Pläne oder Ziele, die du aktuell – beruflich und privat – verfolgst, oder lässt du vieles einfach auf dich zukommen?

Ich bin kein Mensch, der alles auf sich zukommen lässt. Ich bin perfektionistisch – das ist meine Stärke, aber manchmal auch meine Schwäche, das macht es nicht immer leicht für mich. Mein großes Ziel war jetzt gerade, ein gutes zweites Album zu machen, das ich jetzt in die Hände der Hörerinnen und Hörer gebe und von denen ich hoffe, dass sie mich in meinem Gefühl bestätigen, dass wir da etwas Tolles geschaffen haben. Vor Kurzem habe ich außerdem die zweite Staffel der RTLplus-Sendung 'Ich find Schlager toll' mit Beatrice Egli aufgezeichnet und ich hoffe, weitere Schritte als Moderator machen zu können. Natürlich habe ich auch private Träume und Ziele, von denen mir eins besonders am Herzen liegt: Wir versuchen, Indy eine gute Basis mitzugeben und sie dabei zu unterstützen, dass sie eine selbstbewusste, glückliche junge Frau wird. Indy ist jetzt neun, in noch mal neun Jahren also schon achtzehn und damit erwachsen – unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht!

Was ist es, das dein Leben besonders liebenswert macht?

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich beruflich und auch privat das Glück gefunden habe – früher hatte ich entweder nur das eine oder das andere. Diese Mischung beider Facetten macht mein Leben perfekt.

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