Vom Experten beantwortet Burnout: 13 Fragen zu Symptomen, Ursachen und Heilungschancen

Woran erkenne ich ein Burnout-Syndrom? Was kann ich selbst dagegen tun? Und warum sind immer mehr Menschen über 50 Jahren davon betroffen? Dr. Thorsten Bracher, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, klärt über die wichtigsten Fragen auf.

Ein Burnout ist ein Zustand völliger körperlicher und seelischer Erschöpfung.
Wer unter einem Burnout leidet, sollte sich in jedem Fall Hilfe suchen.
Inhalt
  1. Ist Burnout eine anerkannte Erkrankung?
  2. Ab wann spricht man von Burnout?
  3. Wie unterscheidet sich ein Burnout von einer Depression?
  4. Wie erkenne ich die Symptome eines Burnouts?
  5. Welche Phasen durchläuft ein Burnout-Patient?
  6. Wer ist besonders gefährdet?
  7. Kann man in jedem Alter ein Burnout erleben?
  8. Warum leiden immer mehr Menschen über 50 Jahren darunter?
  9. Wie viele Deutsche sind davon betroffen?
  10. Was können Betroffene selbst bei einem Burnout tun?
  11. Wann ist professionelle Hilfe nötig und wer ist der richtige Ansprechpartner?
  12. Ist es möglich, einen Burnout komplett zu heilen?
  13. Wie kann ich einem Burnout vorbeugen?

Sich ausgebrannt und leer zu fühlen, unter der Last des alltäglichen Stresses schier zusammenzubrechen - dieser als Burnout bezeichnete Zustand der Erschöpfung wird immer noch von vielen belächelt. Warum es allerdings sehr wichtig ist, dass dieses Syndrom ernst genommen wird, erklärt Dr. Thorsten Bracher, Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein in Rheinland-Pfalz und als Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie unter anderem spezialisiert auf Burnout-Erkrankungen und Depressionen.

 

Ist Burnout eine anerkannte Erkrankung?

Dr. Bracher: Es gibt keine einheitliche oder gar wissenschaftlich international anerkannte Definition. Burnout ist die Bezeichnung für einen tiefgreifenden körperlichen und emotionalen Erschöpfungszustand. Dieser ist Folge einer längerfristigen Überlastung und Überforderung. Meist sind besonders hohe berufliche Anforderungen der Auslöser. Aber natürlich kann auch die Kombination verschiedener Belastungen auf Dauer zur Überforderung führen (beispielsweise durch Beruf, Versorgung von Kindern und Haushalt oder die Pflege von Angehörigen). Begünstigt wird die Entwicklung eines Burnout-Syndroms, wenn Menschen ihre Situation als nicht veränderbar und aussichtslos erleben - sozusagen als Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlenflügel.

Menschen, die eine sehr hohe Leistungsorientierung und Verantwortungsbereitschaft aufweisen, laufen verstärkt Gefahr, ein Burnout-Syndrom zu entwickeln.

 

Ab wann spricht man von Burnout?

Symptome eines Burnout-Syndroms sind vor allem die zunehmende Unfähigkeit zur Entspannung und Regeneration. Da eine mehr oder minder ständige Anspannung besteht und die Betroffenen kaum noch zur Ruhe kommen können, reichen die üblichen Erholungszeiten (wie Wochenenden oder Urlaub) nicht mehr zur nachhaltigen Reduktion der Erschöpfung aus. Meist führt das auch zu Schlafstörungen. Die Leistungsfähigkeit sinkt. Es machen sich Gefühle der Resignation und Hoffnungslosigkeit breit. Die Stimmungslage kann sich verschlechtern und es können körperliche Beschwerden auftreten - beispielsweise Magen-Darm-Probleme oder Schmerzen im Bewegungsapparat. Das Burnout-Syndrom kann, muss aber nicht (!) zu einer behandlungsbedürftigen Depression führen.

 

Wie unterscheidet sich ein Burnout von einer Depression?

Eine Depression ist eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Diese kann sich auch ohne jegliche äußere Belastung entwickeln. In vielen Fällen finden sich (mit)auslösende Belastungsfaktoren wie Konflikte im zwischenmenschlichen oder beruflichen Bereich, Verlusterlebnisse oder große Enttäuschungen. Das Kernsymptom der Depression ist die anhaltend depressive Stimmung - überwiegend verbunden mit Freudlosigkeit, Antriebsmangel, kreisenden Gedanken mit vielen Sorgen und Befürchtungen, Ängsten bis hin zu Panikattacken, innerer Unruhe, Schlafstörungen. Viele Betroffene ziehen sich sehr zurück und meiden zunehmend soziale Kontakte und Aktivitäten. Zudem können eine Reihe von unspezifischen körperlichen Beschwerden auftreten, wie etwa Kopfschmerzen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Magen-Darm-Beschwerden, Druckgefühl auf der Brust und so weiter.

Manche Experten vertreten die Meinung, dass es sich bei einem Burnout im Grunde genommen ebenfalls um Depressionen oder andere psychische Erkrankungen handelt. Sie sprechen in diesen Fällen von einer Erschöpfungsdepression. Auf jeden Fall ist es schwierig, eine klare Trennlinie zwischen Burnout und Depression zu ziehen. Die Symptome sind komplex und der Forschungsbedarf ist noch riesig.

Testen Sie sich mithilfe dieses Videos selbst: Wie sehr leiden Sie tatsächlich unter Stress (Artikel geht unten weiter)?

 
 

Wie erkenne ich die Symptome eines Burnouts?

Meist zeigt sich ein chronischer Erschöpfungszustand erst, wenn die üblichen Erholungszeiten zum Regenerieren nicht mehr ausreichen. Die Betroffenen fühlen sich ausgebrannt, leer und antriebslos. Ihnen fällt es immer schwerer abzuschalten und innere Ruhe zu finden. Häufig klagen die Betroffenen aber auch über Schlaflosigkeit, Angstzustände, Hyperaktivität sowie Gefühle der Ohnmacht oder der inneren Leere. Hinzu kommen vor allem im späteren Verlauf mangelnde Empathie und Resignation bis hin zur schweren Depression.

 

Welche Phasen durchläuft ein Burnout-Patient?

In der Burnout-Therapie gibt es verschiedene Modelle, die den Verlauf der Erkrankung in unterschiedliche Phasen unterteilen. Weit verbreitet ist die Einordnung in fünf Schritte: Nach der Anfangsphase voller Enthusiasmus folgt eine Stagnation mit gebremstem Engagement. Anschließend macht sich in Stufe 3 die Frustration breit. Dem schließt sich die Apathie (Teilnahmslosigkeit) an und in Phase 5 kommt es schließlich zum Burnout, einer schweren Lebenskrise.

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Wer ist besonders gefährdet?

Grundsätzlich kann jeder ein Burnout bekommen. Hauptsächlich betroffen sind jedoch sehr leistungsorientierte Menschen. Wer es gelassener und weniger ehrgeizig angeht, der reduziert natürlich auch Erwartungshaltung und Leistungsdruck.

Früher galten in erster Linie Menschen aus Sozialberufen, also etwa Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern als gefährdet. Aufgrund des wachsenden wirtschaftlichen Drucks und des enormen Arbeitspensums gehören inzwischen aber auch beispielsweise Selbständige verstärkt zur Risikogruppe. Doch unabhängig davon ist das Ursachenspektrum ja weitaus vielfältiger und komplexer. Nicht selten geraten beispielsweise auch Menschen durch lange Arbeitslosigkeit, die intensive Pflege eines kranken Angehörigen oder andere familiäre Probleme so stark unter Druck, dass es zu seelischen Störungen kommt.

 

Kann man in jedem Alter ein Burnout erleben?

Ja, selbst Schüler leiden immer häufiger unter entsprechenden Symptomen, wie Berufsverbände bestätigen.

 

Warum leiden immer mehr Menschen über 50 Jahren darunter?

Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Die Angst, bei dem technischen Fortschritt nicht mithalten zu können, die Pflicht ständiger Erreichbarkeit und die Angst vor Kündigung sind nur einige wesentliche Punkte. Hinzu kommen weitere Faktoren wie steigender Produktivitätsdruck bei gleichzeitigem Motivationsverlust. Dies alles kann zu hohem Druck führen und löst oftmals die großen Sinnfragen und sogar Identitätskrisen aus, die das ganze Leben in Frage stellen. Dieser erhebliche Stress lässt sich mit maximaler Ausschöpfung der persönlichen Energieressourcen nur begrenzte Zeit auffangen. Ein Burnout ist vielfach nur eine Frage der Zeit.

Dr. Thorsten Bracher spricht über das Thema Burnout.
Dr. Thorsten Bracher, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie.
 

Wie viele Deutsche sind davon betroffen?

Immer mehr Menschen leiden unter einem Burnout - oder vermuten dies zumindest. Experten schätzen, dass in Deutschland bis zu 20 Prozent der Berufstätigen im Laufe ihres Arbeitslebens burnoutartige Phasen erleben. Doch längst nicht bei jedem Erschöpfungszustand handelt es sich auch um ein Burnout. Darunter verstehen wir einen tiefgreifenden, sowohl körperlichen als auch psychischen Erschöpfungszustand.

 

Was können Betroffene selbst bei einem Burnout tun?

Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe zu suchen. Dabei ist eine ärztliche oder psychologische Beratung, die den Beginn einer Therapie nahelegen kann, kein Zeichen von Schwäche oder Scheitern, sondern vom verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst. Wichtig ist es, dass den Betroffenen ihr Problem bewusst wird und sie entsprechende Schutzmechanismen beziehungsweise Strategien zur Stressbewältigung erlernen.

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Wann ist professionelle Hilfe nötig und wer ist der richtige Ansprechpartner?

Wurden organische Ursachen ausgeschlossen, so sind Experten für seelische Störungen kompetente Ansprechpartner (Fachärzte für Psychiatrie oder Psychosomatische Medizin, Psychotherapeuten). In vielen Fällen kann die Psychotherapie, insbesondere die Verhaltenstherapie, hilfreich sein. Standard-Lösungen gibt es aber nicht. Vielmehr sollte die medizinische Hilfe auf den jeweiligen Patienten und dessen Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Art der Beschwerden abgestimmt sein. Ziel ist es, mit dem Patienten einen möglichst optimalen persönlichen Weg zu finden, um künftig ohne gesundheitliche Probleme mit Druck und Stress umgehen zu können. Dazu gehört es auch, eigene Ansprüche an sich selbst genau zu überprüfen. Denn häufig kommt die Überforderung nicht nur von außen.

 

Ist es möglich, einen Burnout komplett zu heilen?

Ein Burnout ist heilbar, doch Rückfälle sind natürlich nicht ausgeschlossen. Über 90 Prozent der Betroffenen gelingt übrigens die Rückkehr in den Beruf. Zudem gilt: Jede Lebenskrise bietet auch die Chance eines Neubeginns.

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Wie kann ich einem Burnout vorbeugen?

Der zunehmende Stress und die Arbeitsverdichtung in vielen Branchen führen natürlich vielfach zu Überlastungen und Überforderungen. Deshalb ist es wichtig, im Job auch mal Nein sagen zu können und sich nicht ausschließlich über Beruf und Karriere zu definieren. Ausreichende Ruhe- und Erholungszeiten sowie Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training helfen ebenfalls dabei, ein hohes Stresslevel abzubauen.

Ganz wichtig ist es, sich die eigenen Belastungsgrenzen bewusst zu machen. Also darauf zu achten, diese Grenzen einzuhalten und nicht ständig darüber hinaus zu gehen. Immer erst die Pflicht, nie das Vergnügen - damit sollte Schluss sein. Ein Ausgleich zu hohen Belastungen, seien sie nun privater oder beruflicher Natur, ist wichtig - dazu zählen soziale Kontakte und Interessen außerhalb des Berufs, Bewegung sowie Sport. Und natürlich: ehrlich zu sich selbst zu sein, die eigenen Ansprüche zu überprüfen - und eventuell der persönlichen Belastbarkeit anzupassen. Wer versucht, immer alles 150-prozentig zu machen, ist langfristig hochgradig Burnout-gefährdet.

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist ein wesentlicher Faktor zur Prävention. Weitere Möglichkeiten einem Burnout entgegenzuwirken bieten professionelle Supervisionen (Beratungsmöglichkeiten für Mitarbeiter), psychologische Hotlines bei Problemen und spezielle Präventionsprogramme zur Konfliktbewältigung. Die Beherrschung erprobter Stressbewältigungsstrategien hilft, sich von belastenden Situationen zu befreien, der beruflichen Unzufriedenheit entgegenzusteuern und wieder aktiv entspannen zu können.

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