Was tun bei Depression Depression: Wie sollten sich Angehörige verhalten?

Erkranken Verwandte an Depression, sollten sich Angehörige an professionelle Ratschläge im Umgang mit Depressiven halten.
Wenn Familienmitglieder an Depression erkranken, ist das auch für Angehörige eine große Belastung. Einige professionelle Ratschläge können Ihnen allerdings im Umgang mit Depressiven helfen.
Inhalt
  1. Wie sich Angehörige von Depressiven verhalten sollten
  2. Lassen Sie sich und dem Betroffenen Zeit
  3. Depression: Angehörige sollten gut gemeinte Ratschläge vermeiden
  4. Denken Sie bei aller Fürsorge auch an sich
  5. Warten Sie ab, wenn wichtige Entscheidungen ausstehen
  6. Depression: Angehörige sollten stellvertretend einen Arzt suchen
  7. Gehen Sie auf Ihren depressiven Angehörigen zu
  8. Depression: Was Sie im Notfall tun können
  9. Wie Angehörige mit Altersdepression umgehen

Wenn ein geliebter Mensch an Depression erkrankt, wissen Angehörige oft nicht, was sie tun sollen. Wie Sie Depressiven am besten helfen können.

Plötzlich ist da dieser Moment, in dem Sie Ihre sonst so lebensbejahende Schwester, Ihren immer gut gelaunten Onkel oder Ihre unerschütterliche Mutter nicht mehr wiedererkennen. Ihre Lieben ziehen sich zurück und haben kaum noch Lebensmut. Spätestens wenn Ihnen klar wird, dass es sich dabei um etwas Ernsteres als eine kurze Phase der Niedergeschlagenheit handelt, fragen Sie sich besorgt: Was kann ich tun, um dieser Person zu helfen?

 

Wie sich Angehörige von Depressiven verhalten sollten

Dass ausgerechnet jemand aus dem nahen Umfeld an Depression erkrankt, ist für die meisten schwer zu ertragen – dieses Leid sehen zu müssen kann eine große Belastung sein. Um mit dieser besser umgehen zu können ist es zunächst wichtig, dass Sie die Depression als Krankheit anerkennen und verstehen, dass diese Erkrankung vielfältige Ursachen hat.

Informieren Sie sich deshalb so früh und so ausgiebig wie möglich über Depression. Darüber hinaus gibt es einige wertvolle Ratschläge, die Ihnen dabei helfen, Ihre Lieben zu unterstützen und selbst mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

 

Lassen Sie sich und dem Betroffenen Zeit

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe rät Angehörigen dazu, sich in Geduld zu üben und sich auf keinen Fall von dem Erkrankten abzuwenden – egal, wie abweisend er Ihnen gegenüber manchmal scheinen mag. Akzeptieren Sie, dass dieses Verhalten nicht Ihnen gilt, sondern der Krankheit geschuldet ist.

Außerdem sollten Sie sich und Ihren Verwandten kontinuierlich daran erinnern, dass die Depression in der Regel gut behandelbar ist und der akute Schmerz vorübergehen wird. Wichtig ist allerdings, sich die dafür nötige Zeit zu nehmen und den Betroffenen mit all seinen möglichen Schuldgefühlen und Ängsten ernst zu nehmen – ihm zu sagen, er solle sich doch mal zusammenreißen, ist deshalb genau der falsche Weg und kann dazu führen, dass sich die Person noch weiter zurückzieht.

Auch, wenn Ihr Angehöriger nur kleine Fortschritte macht oder er sogar gelegentlich zurückfallen sollte: Bleiben Sie geduldig und bedenken, dass der Heilungsprozess bei Depression sehr langwierig sein kann.

 

Depression: Angehörige sollten gut gemeinte Ratschläge vermeiden

Was in anderen Lebenslagen vielleicht beruhigend auf den jeweiligen Gesprächspartner wirkt, kann bei Depressiven ins Gegenteil umschlagen: Halten Sie sich deshalb mit oberflächlichen Versprechungen wie "Das wird schon wieder" zurück.

"Solche gut gemeinten, aber wenig hilfreichen Aufmunterungen verunsichern den Betroffenen noch eher", erklärt Dr. Claus Wächtler aus Hamburg, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie. Ebenso nutzlos sind seiner Meinung nach Versprechungen wie "Nächste Woche wird es dir sicher besser gehen", weil Sie nicht garantieren können, dass dieser Erfolg wirklich eintreten wird. Der Erkrankte verlässt sich aber auf Ihr Wort und könnte mit einem Rückschlag nicht gut umgehen, das Vertrauen in Sie würde gestört.

Nicht hilfreich ist außerdem der Rat, einfach mal abzuschalten oder zu verreisen: "Eine fremde Umgebung verstört den Patienten meist zusätzlich", erklärt die Deutsche Depressionshilfe. Viel besser sei es, die Eigeninitiative des Betroffenen zu stärken.

 

Denken Sie bei aller Fürsorge auch an sich

Lassen Sie sich nicht so stark von der Erkrankung Ihres Angehörigen vereinnahmen, dass Sie sich selbst darüber vergessen. Überfordern Sie sich mit der Pflege Ihres Verwandten oder der Übernahme vieler alltäglicher Aufgaben für diese Person, weil Sie über Monate hinweg nur sein Wohl im Blick haben, treten Sie an die Grenzen Ihrer eigenen Belastbarkeit.

Damit schaden Sie langfristig auch der Genesung Ihres Verwandten, weil Sie irgendwann vielleicht keine Kraft mehr haben um ihn zu stützen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie auch weiterhin Ihren Hobbys und Ihrem Freundeskreises nachgehen und Sie sich von der Depression abgrenzen. "Alles, was Sie entlastet, hilft auch Ihrem Angehörigen", rät die Bundesärztekammer.

Tun Sie sich also etwas Gutes und scheuen Sie nicht davor zurück, im Zweifel selbst Unterstützung in Selbsthilfegruppen für Angehörige zu suchen. Dadurch fühlen Sie sich im Umgang mit dem Betroffenen vielleicht weniger ratlos. Manchmal ist es auch eine gute Idee, an einer gemeinsamen Paar- oder Familientherapie teilzunehmen.

 

Warten Sie ab, wenn wichtige Entscheidungen ausstehen

Depressive Menschen nehmen die Realität verzerrt war und sollten Entscheidungen, die ihre persönliche oder berufliche Zukunft betreffen, deshalb lieber nicht treffen, da sie nach überstandener Krankheit vielleicht anders darüber denken.

Die Deutsche Depressionshilfe rät deshalb, dass Sie sich diesen Umstand immer wieder bewusst machen und Ihre Verwandten von solchen Entscheidungen fernhalten. Warten Sie lieber ab, bis es dem Betroffenen wieder besser geht.

 

Depression: Angehörige sollten stellvertretend einen Arzt suchen

Suchen Sie so früh wie möglich professionelle Hilfe für Ihren Verwandten und machen Sie am besten selbst einen Arzttermin für ihn. Die Betroffenen sehen Ihre Depression oft nicht als Krankheit, sondern glauben, sie allein seien schuld an ihrer seelischen Verfassung – deshalb schrecken Sie häufig davor zurück, sich behandeln zu lassen.

Außerdem sind viele nicht davon überzeugt, dass sie geheilt werden könnten oder sie fühlen sich einfach zu schwach, um zum Arzt zu gehen. Nehmen Sie Ihrem Angehörigen diese Last und unterstützen Sie ihn bei der Therapie so gut es geht.

 

Gehen Sie auf Ihren depressiven Angehörigen zu

Suchen Sie seine Nähe: Hören Sie Ihrem Verwandten aufmerksam zu und trauen Sie sich nachzufragen, wie es ihm geht, wie sich die Depression anfühlt oder was er gerade braucht. So können Sie die Scham überwinden, die viele Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung haben und zeigen, dass Sie wirklich Hilfe anbieten möchten.

Achten Sie allerdings darauf, wann und wie viel Ihr Angehöriger wirklich Unterstützung haben möchte – mischen Sie sich zu sehr ein oder bemuttern ihn geradezu, kann sich der Betroffene schnell als überflüssig empfinden. Geben Sie ihm nie das Gefühl, er könne allein nicht im Alltag bestehen.

 

Depression: Was Sie im Notfall tun können

Depressive Menschen empfinden Ihre Lage manchmal als so hoffnungslos, dass sie den Selbstmord als vermeintlich letzten Ausweg sehen. Sollte Ihr Partner oder Verwandter keinen Lebenswillen mehr haben, müssen Sie sich allerdings klar machen, dass Sie dafür keine Verantwortung tragen.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Angehöriger in ernster Suizidgefahr schwebt, rät die Bundesärztekammer dazu, im Notfall das Gespräch mit ihm aufrecht zu erhalten. Lassen Sie den Erkrankten nicht allein, beseitigen Sie gefährliche Gegenstände und rufen Sie den Notarzt und gegebenenfalls auch die Polizei.

 

Wie Angehörige mit Altersdepression umgehen

Durch den Verlust des Partners oder anderen Bezugspersonen, aber auch durch vermehrte körperliche Einschränkungen, sind Depressionen im Alter besonders häufig. "Etwa jeder zehnte ältere Mensch ist von einer Depression betroffen, in stationären Pflegeeinrichtungen liegt bei jedem Dritten eine Depression vor", sagt der Psychiater und Therapeut Dr. Claus Wächtler, der sich auf seelische Störungen im Alter spezialisiert hat.

Umso wichtiger ist es für Angehörige zu wissen, wie sie sich gegenüber Betroffenen verhalten sollen. Prinzipiell gelten hier die gleichen Grundsätze wie bei jüngeren Depressiven, doch einige Punkte sind gerade bei Altersdepression von großer Bedeutung.

  • Schaffen Sie klar definierte und strukturierte Tages- und Wochenabläufe

Sie sollten Aktivitäten, die der Erkrankte gern tut, fördern und ihm gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten bieten. "Der Betroffene sollte klar definierte Aufgaben erhalten wie die Mithilfe beim Tischdecken, bei der Blumenpflege, etc. Körperliche Aktivität stärkt das Selbstwertgefühl", sagt Dr. Wächtler.

  • Trauen Sie sich, nachzufragen

Körperliche und seelische Beschwerden im Alter können durch eine Depression verursacht werden, wenn die Symptome nicht anders zu erklären sind. Sie sollten deshalb nicht zögern, den Betroffenen darauf anzusprechen: "Wenn Ältere andeuten, keinen Sinn mehr im Leben zu sehen oder nichts mehr zu mögen, können Suizidgedanken dahinterstecken", erklärt Dr. Wächtler.

Umso wichtiger ist es, diese Gedanken genau zu hinterfragen und auch anzusprechen, um einen möglichen Selbstmord zu verhindern: Laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014 werden immerhin etwa ein Drittel der Suizide von Menschen verübt, die älter als 65 sind.

  • Seien Sie freundlich, ermutigend, „haltend“

Dr. Wächtler erklärt: "Gerade ältere depressive Menschen reagieren sensibel darauf, wie sie angesprochen werden." Achten Sie deshalb besonders darauf, dass Sie Ihrem Angehörigen positiv und unterstützend entgegentreten.

  • Verstärken Sie positive Verhaltensweisen und Wünsche

"Damit wird das Vertrauen in eigene Fähigkeiten auf- und ausgebaut", sagt Dr. Claus Wächtler. "Mit der Zeit erkennt der Betroffene verlorene positive Ressourcen wieder und versucht sie zu nutzen."

 
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