Harmlos oder gefährlich?

Wenn der Hund zittert: Diese Ursachen können dahinterstecken

Zittern beim Hund kann viele, oft harmlose Ursachen haben. Wir klären auf, wann der Gang zum Tierarzt notwendig ist.

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Hilfe, mein Hund zittert

Nahezu jeder Hundebesitzer hat seinen Hund schon einmal zittern sehen. Hierfür kommen viele verschiedene Ursachen infrage, oft handelt es sich um harmlose Gründe. Das Zittern kann jedoch auch schwerwiegendere Ursachen haben und zum Beispiel auf eine Hundekrankheit oder Schmerzen hindeuten. In jedem Fall sollten Sie bei langanhaltendem Zittern einen Tierarzt aufsuchen, besonders wenn sich ein Hecheln als weiteres Symptom dazugesellt. Was hinter dem Zittern stecken kann und mit welchen Maßnahmen Sie Ihrem Vierbeiner helfen können, erklären wir Ihnen hier. Dazu hat Liebenswert auch mit Hundetrainerin Thy Le gesprochen.

Hund zittert

Unsere Expertin

“Sei respektvoll und setze klare Grenzen. Lernt euch neu verstehen.” - So arbeitet Thy Le mit Hunden und ihren menschlichen Begleitern. Sie ist überzeugt, dass wir immer kommunizieren, auch wenn wir nichts sagen. Kommunikation zwischen Hund und Mensch sei der Schlüssel für ein harmonisches und konfliktfreies gemeinsames Leben.

Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich Medical Training und in der Arbeit mit Hunden aus dem Tierschutz.

Alle weiteren Informationen unter www.hundetraining-lieblingspfoten.de

Hund zittert und hechelt

Ein Hund, der beim Atmen zittert, vielleicht zusätzlich noch hechelt, gehört in jedem Fall tierärztlich untersucht! Das Zittern beim Einatmen oder auch Ausatmen kann viele Ursachen haben, die sich ferndiagnostisch nicht abklären lassen. Es kann sich um Kehlkopfkrämpfe, Atemwegsprobleme oder auch Schmerzen beim Atmen oder im Brustkorb handeln, um nur eine kleine Auswahl an möglichen Ursachen zu nennen. Der Tierarzt sollte das Tier gründlich untersuchen und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten, damit es Ihrem Vierbeiner schnell wieder bessergeht.

Körperliche Ursachen: Frieren, Anstrengung, Anspannung, Alter

Ähnlich wie bei uns Menschen, gibt es auch bei unseren Vierbeinern verschiedene körperliche Ursachen, die ein Zittern des Körpers hervorrufen. Zittert der Hund zum Beispiel beim Spaziergang, sollten Sie in jedem Fall überprüfen, ob Kälte der Auslöser ist und er friert. Insbesondere kleine Hunderassen mit dünnem Fell und ohne wärmende Unterwolle, wie Chihuahuas oder Rehpinscher, frieren im Winter sehr schnell.

Das Zittern lässt die Körpertemperatur ansteigen und soll den Hund so vor einer Unterkühlung schützen. Der Hund sollte daher mit einem wärmenden Hundemantel ausgestattet werden, wenn es im Winter oder bei nasskaltem Wetter vor die Tür geht. Ein Auslöser für Zittern kann auch körperliche Anstrengung sein. Ein ausgedehnter Spaziergang, das Toben im Garten oder auch Hundesport können zu einem temporären Zittern der Muskeln führen. Dies sollte jedoch nach wenigen Minuten wieder aufhören.

Wenn der Hund zittert können diese Ursachen dahinterstecken.
Kleine Hunderassen mit dünnem Fell neigen im Winter zum Frieren und benötigen in diesem Fall einen Hundemantel. Foto: K_Thalhofer / iStock

Hundekrankheiten: Epilepsie, Staupe und Co.

Leider können auch einige Hundekrankheiten dazu führen, dass ihr Hund vermehrt zittert. Beobachten Sie Ihren Vierbeiner also immer genau und überlegen Sie, ob eine der oben genannten harmlosen Ursachen infrage kommen könnte. Ist das nicht der Fall, ist der Gang zum Tierarzt sinnvoll.

Neurologische Krankheiten wie Epilepsie gibt es auch bei Hunden. Diese Erkrankung des Gehirns, die sich in epileptischen Anfällen zeigt, bei denen die Muskeln des Hundes verkrampfen, tritt bei rund zwei Prozent aller Hunde auf.

Das White Dog Shaker Syndrom

Auch das 'White Dog Shaker Syndrom' ist eine neurologische Krankheit, bei welcher der Hund am ganzen Körper zittert. Bisher ist die Krankheit noch nicht vollständig erforscht. Das Shaker Syndrom kommt jedoch nur bei weißen Hunden vor und geht mit schnellen Augenbewegungen einher. Beide Krankheiten lassen sich mit Medikamenten behandeln, jedoch nicht heilen.

Weitere Erkrankungen, die mit Zittern einhergehen sind, Parkinson, die Viruserkrankung Staupe oder eine Niereninsuffizienz, sowie akutes Nierenversagen. Auch eine Magendrehung kann ein Zittern auslösen, weil sie mit starken Schmerzen und einem Schock einhergeht. Große Hunde sind hier besonders gefährdet.

Bei dem Verdacht auf eine dieser Krankheiten sollten Sie mit Ihrem Hund umgehend den Tierarzt aufsuchen!

Zittern an den Hinterbeinen

Einige Hundebesitzer beobachten auch, dass Ihr Vierbeiner nach intensiver Bewegung nur an den Hinterbeinen zittert. Auch dieses kann harmlos sein und nach wenigen Minuten verschwinden. Hier sollten Sie aber in jedem Fall mit Ihrem Tierarzt des Vertrauens besprechen, ob auch diese Form des Zitterns normal ist oder möglicherweise eine ernstzunehmende Krankheit vorliegt. Beobachten Sie das Zittern und notieren Sie sich, wann es auftritt, wie lange es anhält und wann es Ihnen zum ersten Mal aufgefallen ist.

Muskelzuckungen im Traum

Ein ereignisreicher oder auch körperlich anstrengender Tag im Leben Ihres Hundes kann dazu führen, dass er im Schlaf zittert und zuckt. In dieser Ruhephase entspannen sich die Muskeln und der Hund verarbeitet, was er am Tag erlebt hat. Auch ein intensiver Traum kann ein Muskelzucken auslösen. Es dient zum Stressabbau und ist bereits bei Welpen zu beobachten. Wenn der Hund im Schlaf zittert ist das daher in der Regel kein Grund zur Sorge.

Einige Hunderassen neigen auch von Natur aus zum Zittern. So sind Jagdhunde, wie beispielsweise der Jack Russel Terrier mit einem sehr guten Jagdinstinkt ausgestattet, der für Aufregung und Anspannung sorgen kann. Dieser innere Trieb kann mit Zittern und oft auch mit Hecheln kompensiert werden, ist jedoch nicht immer leicht zu erkennen. Erkundigen Sie sich in jedem Fall bei Ihrem Tierarzt, wenn sich Ihr Vierbeiner anders als sonst verhält.

Im Alter kann auch das Zittern der Muskeln zunehmen. So ist ein alter Hund nicht mehr so belastbar, wie ein Jungtier und eine Überanstrengung kann sich in Form von Muskelzittern zeigen. Das Zittern oder Zucken der Muskeln kann außerdem auf eine Arthrose hindeuten, weshalb eine Untersuchung beim Tierarzt sinnvoll ist. Dieser kann Ihnen dann eine Empfehlung aussprechen, wie Sie Ihrem Vierbeiner die tägliche Gassirunde erleichtern können.

Emotionale Ursachen: Der Hund empfindet Freude oder Angst

Neben den körperlichen Ursachen können auch emotionale Ursachen ein Zittern in Ihrem Vierbeiner hervorrufen. Dies ist in der Regel temporär und ebenfalls harmlos.Große Freude kann den Vierbeiner zum Beispiel zum Zittern bringen. Dieses Zittern geht meist mit kräftigem Schwanzwedeln, Hüpfen, Hecheln oder auch Bellen einher. Besonders aufgeweckte und energiegeladene Hunde bauen so die positive Anspannung ab. Das Zittern beim Hund sollte jedoch zusammen mit den anderen Anzeichen für Freude abklingen, wenn er sich beruhigt hat. Dafür hat die Expertin Thy Le Tipps: "Achten Sie aber darauf, dass das Zittern nicht zu lange anhält und, dass der Hund nicht zu stark hoch fährt. Versuchen Sie Ruhe und Struktur für Ihren Hund zu schaffen. Rituale beim Nachhause kommen helfen: Erst die Jacke und Schuhe ausziehen, Tasche ablegen, währenddessen wartet der Hund ruhig und entspannt auf seinem Platz. Erst, wenn Sie so weit sind, begrüßen Sie den Hund. Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass wir als Hundehalter*In die Möglichkeit haben, die Freude von unserem Hund so zu regulieren, dass diese Freude nicht in starke Aufregung oder sogar Stress umschwingt. "

Weiter nennt die Hundetrainerin folgende Beispielsituationen im Alltag, wo Halter mehr Ruhe und Struktur einbringen können, auch wenn sich der Hund freut:

  • Freude/Aufregung vor einem Spaziergang

  • Freud/Aufregung vor dem Einsteigen ins Auto

  • Freude/Aufregung vor der Fütterung

  • Freude/Aufregung, wenn Besuch kommt

  • Freude/Aufregung vor einer Hundebegegnung

Konditioniertes Zittern

Die überschwängliche Freude des Hundes wird meist mit Streicheleinheiten oder auch einem Leckerli belohnt. Hier ist jedoch Vorsicht geboten! Hunde lernen sehr schnell und so kann eine Belohnung im falschen Moment dazu führen, dass der Hund das 'Freudenzittern' mit einer Belohnung verknüpft. Diese positive Verstärkung sorgt dann dafür, dass er sich ein künstliches Zittern angewöhnt, um Aufmerksamkeit oder Leckerli zu bekommen.

Auch andere, teilweise unerwünschte Anzeichen von großer Freude, wie beispielsweise Bellen oder Anspringen, können so unbeabsichtigt konditioniert werden. Die Expertin weiß: "Assoziationslernen ist einer der wichtigsten Wege, wie Hunde lernen. Dabei lernen Hunde über Verknüpfung (Assoziation): Wenn zwei Ereignisse kurz nacheinander stattfinden, werden sie im Gehirn des Hundes miteinander verknüpft. Häufig wird die instrumentelle Konditionierung im Hundetraining verwendet, um ein Verhalten beim Hund zu formen."

Doch wie wird man dieses Verhalten wieder los? Auch hier hat Thy Lee Tipps: "Es gibt viele Wege, um ein “konditioniertes Zittern” wieder loszuwerden. Am einfachsten ist es, das Zittern selbst zu ignorieren. Wird das Zittern oft genug mit dem richtigen Timing ignoriert, erfolgt beim Hund die Extinktion. Lernpsychologisch bedeutet eine Extinktion die Löschung einer Verknüpfung, die vorher verankert war. Eine Extinktion vermindert aber nur die Leistung, sodass ein Verhalten weniger häufig, gut oder intensiv gezeigt wird. Das Gelernte wird nicht vollständig gelöscht, sodass es wieder gezeigt werden kann, sobald das bereits Erlernte wiederholt wird. Man spricht dann von einer Spontanremission. Ist man als Hundehalter*In nicht konsequent und ignoriert nicht jedes Zittern, kann es jederzeit zur Spontanremission kommen."

Auch das 'Angstzittern' ist bei Hunden sehr verbreitet. Der emotionale Stress wird so abgebaut. Meist lösen unerwartete und ungewohnte Situationen Angst aus, die Tiere hecheln oft zusätzlich. Junge Hunde mögen beispielsweise das Autofahren im Kofferraum nicht und zeigen typische Angstsymptome zu denen auch das Hecheln gehört. Laute Geräusche können ebenfalls für Angst sorgen. Beste Beispiele hierfür sind Schüsse im Wald, Gewitter oder Silvester. Auch der Tierarztbesuch gehört zu den häufigsten Ursachen, weil der Hund beispielsweise den Geruch der Tierarztpraxis abschreckend findet oder eine Impfung negativ abgespeichert hat. Häufige Angstauslöser sind auch fremde oder deutlich größere Hundeandersartige Tiere oder fremde Menschen. Natürlich kennen Sie Ihr Tier selbst am besten und können in den meisten Fällen einschätzen, ob es Angst hat oder nicht. Sollten Sie dennoch unsicher sein, achten Sie darauf, ob weitere Angstanzeichen erkennbar sind.

Daran erkennen Sie, ob Ihr Hund Angst hat:

  • Eingeklemmte Rute

  • Angelegte Ohren

  • Knurren

  • Geduckte Haltung

  • Übermäßiges Hecheln

Wenn Sie feststellen, dass Ihr vierbeiniger Freund aus Angst zittert, sollten Sie versuchen, ihm die Angst zu nehmen. Strahlen Sie Gelassenheit aus und treten Sie positiv und selbstbewusst auf. Auf keinen Fall sollten Sie Ihren Vierbeiner trösten oder mit Futter und Streicheleinheiten beruhigen wollen. Der Hund sieht sich so schnell in seiner Angst und Unsicherheit bestätigt und hält sein Verhalten für berechtigt. Eine antrainierte Angst macht es für Sie enorm schwer zu unterscheiden, ob Ihr Hund wirklich Angst hat.

Vergiftung und Schmerzen

Langanhaltendes Muskelzittern kann auch auf eine lebensbedrohliche Erkrankung oder starke Schmerzen hindeuten. Der betroffene Hund könnte sich zum Beispiel mit Rattengift, einem Giftköder oder einer giftigen Pflanze eine Vergiftung zugezogen haben. Folgende weitere Symptome können parallel auftreten:

  • Erbrechen, teilweise blutig

  • Starker Durchfall

  • Apathie

  • Fieber

  • Bauchkrämpfe

  • Herzkreislaufbeschwerden

  • Atemnot

  • Unruhe

  • Jaulen

  • Erhöhter Speichelfluss

  • Hinken

  • Hecheln

Zeigt Ihr Hund mehrere der oben genannten Symptome, sollten Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen und keine Zeit verlieren!

Lesen Sie hierzu auch, welche Lebensmittel giftig für Ihren Hund sind: Was dürfen Hunde nicht essen? Vorsicht bei Pilzen & Co.​

Für den Tierarzt könnte es wichtig zu wissen sein, ob Ihr Hund am ganzen Körper gezittert oder gekrampft hat. Beim Zittern ist der Hund in der Regel ansprechbar und mit dem Blick bei Ihnen. Bei einem Krampf ist der Hund abwesend, nicht ansprechbar und hat keine Kontrolle über seinen Körper.

Achten Sie grundsätzlich immer darauf, ob das Zittern mit anderen Symptomen wie Hecheln oder Erbrechen einhergeht, um den Tierarzt bestmöglich bei der Diagnose zu unterstützen.