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TV-Star Annette Frier: So nah ging ihr der Tod ihres Vaters

Schauspielerin Annette Frier (48) spricht offen über das Thema Organspende, den Verlust ihres Vaters und die heilenden Kräfte von Musik.

Annette Frier.
Schauspielerin Annette Frier hatte ihren Durchbruch 1997 mit 'Hinter Gittern – Der Frauenknast'. Ihren größten Erfolg hatte sie ab 2010 mit der Serie 'Danni Lowinski'. Foto: IMAGO / Horst Galuschka

Was ist man bereit zu geben, für die Menschen, die man am meisten liebt? Diese Frage stellt sich auch TV-Star Annette Frier (48). In ihrem neuen Film 'Leben über Kreuz' schlüpft sie in die Rolle der Ehefrau eines nierenkranken Mannes, der zum Überleben ein Spenderorgan braucht. Eine Rolle, die die Zwillingsmutter in Sachen Organspende zum Nachdenken bringt. Ihre Gedanken teilt sie mit 'Woche Heute' und verrät außerdem, was sie für ihre Gesundheit tut und wie sie trübe Gedanken vertreibt.

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Annette Frier: "Wir sprechen hier ja tatsächlich über Todesangst!"

Woche Heute: Wem würden Sie eine Niere spenden?

Annette Frier: Grundsätzlich muss natürlich eine körperliche Disposition übereinstimmen. Wenn die Werte passen, würde ich selbstverständlich meinen Kindern eine Niere spenden. Wie man in der Familie generell mit diesem Thema umgehen würde, ist in so einem theoretischen Gespräch nur schwer zu klären. Wir hatten so einen Fall gerade im Bekanntenkreis. Da wollten Söhne ihrem Vater eine Niere spenden, weil er dringend darauf angewiesen ist. Der Vater hat das aber abgelehnt. Und ich könnte mir vorstellen, dass meine Mutter das auch ablehnen würde. Sie würde vermutlich sagen: "Ich bin jetzt 76 Jahre alt, du bist 48. Und du hast zwei Kinder. Du brauchst die Niere länger als ich." So eine schwerwiegende Entscheidung beschließt man nicht mal eben so zwischen zwei Tassen Kaffee.

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Woche Heute: In dem Film fällt die Frage: 'Wovor haben Sie am meisten Angst bei dem Gedanken, eine Niere zu spenden?' Wie beantworten Sie diese Frage für sich?

Annette Frier: Die Frage, ein Organ zu spenden, triggert direkt das Angstzentrum in unserem Gehirn. Wir sprechen hier ja tatsächlich über Todesangst! Derjenige, der ein Spenderorgan braucht, könnte sterben. Und als Spender fragst du dich natürlich auch, ob du ohne dieses Organ wirklich zurechtkommst. Da steht automatisch eine akute Todesproblematik im Raum. Gleichzeitig ist damit aber auch eine große Hoffnung verknüpft. Die Hoffnung, dass man mit der Organspende natürlich etwas sehr Gutes bewirken kann. Diese Hoffnung kann sich aber auch binnen kürzester Zeit in tiefste Dunkelheit auflösen. Im schlechtesten Fall wird so eine Niere abgestoßen und landet dann im Mülleimer.

Schauspielerin Annette Frier: Mit dem Tod ihres Vaters änderte sich alles

Woche Heute: Mit dem Thema Gesundheit, aber auch Tod mussten Sie sich bereits an anderer Stelle auseinandersetzen. Ihr Vater Jörg starb mit 58 Jahren an Krebs. Wie groß ist die Sorge um Ihre eigene Gesundheit? Gehen Sie regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen?

Annette Frier: Ja, das mache ich. Kann schon mal vorkommen, dass ich auch mal verspätet hingehe. Aber gerade bei Krebs ist es so offensichtlich, dass Früherkennung unglaublich helfen kann.

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Woche Heute: Sie haben nach dem Tod Ihres Vaters eine Familientherapie gemacht. Wie kann man sich das vorstellen?

Annette Frier: Das möchte ich gar nicht so ausbreiten, weil es ja auch meine Schwestern und meine Mutter betrifft. Aber ich bin ja immer dafür, dass man sich Lebenshilfe holt, wenn man sie braucht. Und als mein Vater starb, ist in unserer Familienstruktur plötzlich eine ganz elementare Säule weggebrochen. Das war wie bei der Statik eines Hauses, die ins Wanken gerät, wenn eine tragende Mauer eingerissen wird. Dann ist es ratsam, einen Architekten heranzuziehen, der hilft, die Statik wieder irgendwie in Ordnung zu bringen. In einer Familienstruktur kann das ganz ähnlich sein.

Annette Frier: "Wer singt, hat keine Sorgen!"

Woche Heute: 2020 gründeten Sie einen Chor für Demenzkranke. Wie kamen Sie darauf?

Annette Frier: Ich fand die Idee ziemlich schlicht und ergreifend, ehrlich gesagt. Ein sehr sinnstiftendes Projekt, das es natürlich bereits hier und da gab, aber durch eine vierteilige Dokumentation im ZDF extreme öffentliche Aufmerksamkeit erlangte und dadurch beispielgebend für ähnliche Projekte sein konnte.

Woche Heute: Ihre Oma hatte Demenz. Haben Sie mit ihr auch gesungen?

Annette Frier: Meine Großmutter hatte eine andere Diagnose, in ihrem Verhalten war sie aber durchaus mit Demenzerkrankten vergleichbar. Und ja: Das Einzige, was wir immer und mit großem Spaß gemeinsam gemacht haben, war singen.

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Woche Heute: Inwiefern hilft Singen bei Demenz?

Annette Frier: Natürlich kann Singen keine Demenz heilen, aber das subjektive Wohlempfinden in unserem Chor ging dadurch steil nach oben, und zwar messbar.

Woche Heute: Singen Sie selber auch, wenn Sie Sorgen haben oder irgendetwas nicht so gut läuft?

Annette Frier: Wer singt, hat keine Sorgen! Es ist tatsächlich fast unmöglich, gleichzeitig schwermütig zu sein und zu musizieren.