Großes Interview

'Rote Rosen'-Star Theresa Hübchen: "Meine Figur handelt ganz anders als ich privat handeln würde"

Schauspielerin Theresa Hübchen spielt die neue Rose in der Telenovela 'Rote Rosen'. Im Interview erzählt sie, mit welchen Erwartungen sie an diese Rolle herangegangen ist und was sie an ihrer Figur faszinierend findet.

Die neue Heldin bei 'Rote Rosen': Sandra Reichard, gespielt von Theresa Hübchen.
Die neue Heldin bei 'Rote Rosen': Sandra Reichard, gespielt von Theresa Hübchen. Foto: ARD/Nicole Manthey

In der 20. Staffel von 'Rote Rosen' spielt Theresa Hübchen (51) alias Sandra Reichard die neue Heldin: Die Mutter einer transsexuellen Tochter möchte mit ihrem Partner Bernd einen Neuanfang in Lüneburg wagen - und wird dann von ihrer Vergangenheit eingeholt. Im Interview erzählt Theresa Hübchen, was sie am Mitwirken an einer Telenovela besonders spannend findet und was sie privat mit ihrer Figur verbindet

Theresa Hübchen gefällt die Komplexität ihrer Figur Sandra Reichard

Liebenswert: Frau Hübchen, was reizt Sie besonders an der Rolle der neuen Rose?

Theresa Hübchen: Spannend finde ich, dass die Figur sehr komplex ist: Auf der einen Seite ist die Frau als Polizistin und Pastorinnentochter sehr konservativ.  Auf der anderen Seite hat sie diesen Mut, dass sie ihr Kind von klein auf als Tochter großzieht, obwohl das Kind als biologischer Junge geboren wurde. Das finde ich interessant. Es handelt sich nicht um eine überdrehte Künstlerin oder Sozialpädagogin, sondern eine aufgeräumte, konservative Frau. Das hat mir gefallen.

Kannten Sie 'Rote Rosen' vorher?

Natürlich war mir 'Rote Rosen' ein Begriff. Aber ich muss leider gestehen, dass ich nicht fernsehe, dazu komme ich leider selten. Aber im Vorfeld habe ich natürlich reingeschaut. 

Erfahren Sie in dem Video alles Wissenswerte zur 20. Staffel von 'Rote Rosen'. Der Artikel geht unten weiter.

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Zur Person

Theresa Hübchen war erstmals 1993 im deutschen Fernsehen zu sehen. In der 20. Staffel von 'Rote Rosen' spielt sie die Hauptfigur Sandra Reichard. Sie lebt mit ihrem Mann Marcus Bluhm und der gemeinsamen Tochter in Wien.

Sie findet es toll, ihre Figur über einen langen Zeitraum zu entwickeln

Mit welchen Erwartungen sind Sie an eine Rolle in einer Daily Soap herangegangen?

Eigentlich hatte ich keine bestimmten Erwartungen. Ich habe mich einfach darauf eingelassen und wollte mich überraschen lassen. Ich finde es interessant, dass man in einer Daily Novela eine Figur über einen langen Zeitraum entwickeln kann. Dazu hat man ja sonst nicht die Chance.

Es hat sich bei 'Rote Rosen' ziemlich viel verändert – das Logo, ein junges Paar, moderne Themen. Was ändert sich für die Fans?

Das ist für mich schwer zu sagen, dafür kenne ich die anderen Staffeln zu wenig. Was ich interessant finde, ist etwas, das ich hier von einer Maskenbildnerin erfahren habe und das ich vorher noch gar nicht wusste: Telenovela kommt aus Brasilien und hat eine aufklärerische Aufgabe. Die Telenovela soll zwar leicht sein, aber auch Themen anfassen, die manchen Leuten unbequem oder fremd sind. Ich glaube, dass wir da ein paar Sachen wagen. Da sind wir wirklich sehr aufklärerisch im besten Sinne.

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Es findet ein Austausch zwischen Schauspielern und Autoren statt

Gab es etwas, das Sie am Drehbuch für die 20. Staffel besonders überrascht oder gefreut hat?

Für mich ist das ganz ungewöhnlich. Ich war noch nie in der Situation, dass ich nicht das fertige Drehbuch hatte. Wenn man einen Film macht oder in einer Serienepisode oder in einem Mehrteiler mitspielt, dann hat man immer fertige Drehbücher. Jetzt habe ich das Drehbuch nur für eine bestimmte Zeit und weiß manchmal nicht, wohin sich die Figur entwickelt. Mein Mini-Team im großen Team, meine Frauen, die ticken alle gleich und wir haben eine gleiche Haltung. Lucy Hellenbrecht, die meine Tochter spielt, hat schon oft gesagt: 'Ach, das gibt's doch nicht, dass wir so oft das Gleiche denken', wenn wir im Drehbuch auf Sachen stoßen, die wir lieber anders erzählen würden. Toll ist, dass die Autorinnen ganz offen sind und wir mit ihnen über Änderungswünsche sprechen können.

Für wie lange im Voraus kennen Sie die Drehbücher denn?

Ich persönlich kenne die Drehbücher einen Monat im Voraus. Ich kenne natürlich  einen groben Strang, den man bespricht. Aber manche Dinge sind auch noch gar nicht geklärt. Was ja auch eine Chance ist, weil Dynamiken und Energien am Set entstehen und wir selbst noch gar nicht so genau wissen, was passieren wird.

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Sandra begegnet in 'Rote Rosen' einer alten Liebe

Sandra in 'Rote Rosen' will eigentlich einen Neuanfang mit ihrem Partner Bernd in Lüneburg starten und wird dann von ihrer Vergangenheit eingeholt: Sie trifft dort auf eine Liebe von vor 22 Jahren. Wie entwickelt sich Ihre Figur in dieser schwierigen Situation?

Da muss ich ganz ehrlich sagen, das weiß ich noch nicht. Ich kenne zwar die grobe Storyline, wie es sich entwickelt, aber die Begegnung hat noch nicht stattgefunden. Also falls das dann tatsächlich etwas mit ihr macht, muss ich das erst mal rausfinden.

Sind Sie selbst ein Freund von Kostümpartys?

Ja, wenn es sich ergibt, bin ich das. Ich fiebere nicht auf die Karnevalszeit hin, aber meine beste Freundin ist Kölnerin und sie hat mich schon ein paar Mal wirklich mitgerissen. Dann fand ich es immer faszinierend, dass alle so mitmachen. Also wenn es sich ergibt, finde ich das ganz lustig und würde jederzeit mitmachen.

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Theresa Hübchen kann von ihrer Rolle der Sandra noch etwas lernen

Der Partner von Sandra, Bernd, hat Probleme mit der Transsexualität der Tochter von Sandra beziehungsweise ist der Liaison von Nici mit seinem Sohn nicht wohlgesonnen. Was bedeutet dies für die Beziehung von Sandra und Bernd?

Es bringt natürlich einen großen Konflikt hervor, das ist gar keine Frage. Aber ich möchte nicht zu viel verraten. Für mich als Schauspielerin ist dieser Konflikt ganz spannend, weil meine Figur absolut anders handelt, als ich privat handeln würde. Das begegnet einem ja öfter in dem Beruf. Und es gab schon oft Momente am Set, da dachte ich: 'Ah, da kann ich jetzt aber tatsächlich auch was lernen von der Sandra.'

Können Sie es verstehen, wenn man einer früheren Liebe eine zweite Chance gibt?

Warum nicht? Für mich ist es sehr theoretisch. Aber wenn das jemand so empfindet, würde ich das natürlich verstehen. Man muss natürlich immer in den Parametern der Telenovela denken. Auf dieses Konzept lässt man sich ja auch ein. Menschen stehen sich gegenüber, blicken sich in die Augen und wissen: Das ist die große Liebe! Das ist das Versprechen der Telenovela. Das muss ich im wahren Leben nicht glauben. Da darf man jetzt nicht mit den Parametern der Realität rangehen.

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Zu ihren Kindern hat Theresa Hübchen ein inniges Verhältnis

Haben Sie auch Kinder?

Ja, ich habe drei Kinder. Meine Söhne sind schon erwachsen und meine Tochter ist im Teenageralter.

Welche Parallelen gibt es zwischen Ihnen als Mutter und Sandra als Mutter?

Das kann ich schwer sagen, da Sandra im Gegensatz zu mir aus einem konservativen Elternhaus kommt. Sandra trifft Entscheidungen aus anderen Gründen oder mit einem anderen Background als ich. Aber sie hat ein sehr enges, herzliches und liebevolles Verhältnis zu ihrer Tochter, das habe ich auch.

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"Fehler passieren, das ist menschlich"

Sind Sie als Mutter streng? Was ist Ihnen wichtig, ihren Kindern mit auf den Weg zu geben?

Als ich mein erstes Kind bekommen habe, dachte ich, ich muss perfekt sein. Ich darf mir keinen Fehler erlauben und habe mich wahnsinnig gestresst. Aber das Wichtigste, was ich in meiner Rolle als Mutter gelernt habe und meinen Kindern gleichzeitig auch versuche mitzugeben, ist, immer lernend zu sein und offen zu bleiben. Fehler passieren, das ist menschlich.  

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Welche Eigenschaften Ihrer Figur Sandra gefallen Ihnen, welche eher nicht?

Was mir gefällt, ist, dass sie wenig impulsiv handelt, dass sie über Dinge nachdenkt, sich dafür Zeit nimmt und nicht sofort losagiert. Das ist natürlich auf der anderen Seite ihre Schwäche, wenn sie zu lange über irgendwas nachdenkt. Was mir an Sandra nicht gefällt, weiß ich, aber verrate ich nicht. Ich hoffe, dass das niemand merkt.

"Es ist toll, einiges von sich selbst in der Figur wiederzuentdecken"

Auf welche Handlung rund um Sandra freuen Sie sich am meisten?

Dazu kann ich ja nicht so viel sagen. In den nächsten Wochen werden einige Szenen gedreht, auf die ich mich freue, weil es meiner persönlichen Art näher kommt. Bisher habe ich in der Handlung eher von mir weggespielt. Das macht auch Spaß, aber es ist auch toll, einiges von sich selbst in der Figur wiederzuentdecken. 

Was wünschen Sie sich für Sandra?

Ich wünsche mir, dass sie das, was auch das Motto ist dieser Staffel ist - also 'Mehr Liebe. Mehr Drama. Mehr Ich' – mehr verwirklicht. ‚Mehr Ich‘ bedeutet, dass Sandra mit sich glücklich wird und selber bestimmt, was sie dafür braucht. Ich wünsche mir sehr, dass sich das ‚Mehr Ich‘ nicht durch einen Mann definiert, sondern wirklich über diese Frau.

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Mit Lucy Hellenbrecht versteht Theresa Hübchen sich super

In welchen Eigenschaften von Sandra finden Sie sich selbst wieder?

Es gibt einiges, wo ich auch genauso handeln würde und wo sie mir sehr nahe ist. Das mit Nici wäre für mich zum Beispiel gar keine Frage gewesen. Also keines meiner Kinder hätte sich outen müssen, egal ob lesbisch, schwul oder trans. Sie hätten leben können, hätten immer so leben sollen und dürfen, wie sie sich selber empfinden. Deswegen ist für mich auch dieser Kampf, den sie kämpft für ihre Tochter, ganz selbstverständlich. Mit Lucy Hellenbrecht zu spielen ist wahnsinnig schön, weil wir uns wirklich sehr nahe sind und ich schon gesagt habe, ich adoptiere sie dann einfach, wenn das vorbei ist. Aber in Beziehungen bin ich nicht so naiv - gar nicht böse gemeint. Meine Figur ist nie durch eine Beziehung mit Höhen und Tiefen gegangen. Und das kenne ich natürlich, ich hab‘ Beziehungen gelebt, richtig, mit Höhen und Tiefen und mit allem, was dazugehört.

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Sind Sie denn noch mit dem Vater Ihrer Kinder zusammen?

Ja.

Theresa Hübchen und Ehemann Marcus Bluhm spielen gemeinsam bei 'Rote Rosen'

Ihr Mann, Marcus Bluhm, ist auch zu 'Rote Rosen' zurückgekehrt. Haben Sie zusammen entschlossen, dass Sie beide nach Lüneburg gehen?

Ja, das war tatsächlich eine bewusste, gemeinsame Entscheidung.

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Wie gefällt Ihnen die Stadt Lüneburg?

Ich kannte Lüneburg nicht. Ich war wirklich für 'Rote Rosen'  das erste Mal hier und es ist eine wahnsinnig interessante Stadt. Ich war schon im Museum und habe mir ein bisschen die Stadtgeschichte angeguckt. Es fühlt sich an, als würde man durch ein Freilichtmuseum gehen, ganz spannend. Ich finde, Lüneburg ist wie eine Stadt aus einer Kika-Kinderserie, in der nur Verbrechen passieren, die von Kinderdetektiven gelöst werden .

Die Schauspielerin lebt mit ihrer Familie in Wien

Wohnen Sie dort?

Ja, temporär. Die Produktion von 'Rote Rosen' stellt uns Wohnungen zur Verfügung. Mein Hauptwohnsitz ist weiter in Wien.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Ich bin wahnsinnig viel umgezogen und habe in verschiedenen Ländern gelebt. Es gibt für mich einmal so eine sentimentale Heimat, das sind Erinnerungen, Menschen und Orte. Ich habe keinen einzelnen Ort, der Heimat bedeutet. Das sind eigentlich die Stationen und Erinnerungsstücke auf meinem Lebensweg. Und natürlich auch die Menschen, also meine Familie.

Schauspieler Henry Hübchen ist ihr Vater

Apropos Familie. Ihr Vater ist auch berühmter Schauspieler, wie ist das für Sie als Tochter, eher vorteilhaft oder nachteilhaft?

Ich glaube, das war für mich eigentlich gar nicht so ausschlaggebend, weil ich mit dem Beruf gestartet habe und dann relativ schnell nach Wien gegangen bin. So konnte ich mich als Schauspielerin selber finden. In einem anderen Land, in einer anderen Stadt, wo mein Vater nicht so präsent und bekannt war. Das wäre sicher anders gewesen, wenn wir zur gleichen Zeit in Deutschland gearbeitet hätten. Aber so war das nie ein Thema für mich.

Und gab es vielleicht mal eine Situation, wo Sie sich Rat gesucht haben von Ihrem Vater?

Ja, es gab Gespräche, über den Beruf oder meine Fragen, klar.

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Um abzuschalten, verbringt sie Zeit mit ihrer Tochter

Für welche Lehre sind Sie Ihren Eltern besonders dankbar?

Dass man eine Haltung hat. Das ist auch etwas, was ich versuche, meinen Kindern weiterzugeben. Dass man versucht, den Dingen gegenüber eine Haltung zu haben, dass man Dingen nicht so verwaschen und larifari gegenübersteht. Was aber auch nicht heißt, dass man seine Haltung nicht ändern kann.

Wie entspannen Sie sich am besten nach einem langen Drehtag?

Tatsächlich ist mir das in der ersten Zeit ein bisschen schwergefallen. Was mir hilft, ist mich ganz auf meine Tochter einzulassen – weil ich dann ganz bewusst abschalte. Dann denke ich weder an den Drehtag, der zurückliegt, noch an den nächsten. Dann geht es um meine Tochter und dann bin ich bei ihr. Dann bin ich in der realen Welt und das finde ich wichtig.

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"Was mir immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, sind Kinder und Hunde"

Was macht Ihr Leben liebenswert?

Da bin ich ganz einfach gestrickt: Was mir immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, sind Kinder und Hunde – allen voran natürlich die eigenen. Aber auch wenn ich zum Beispiel die Kinder unserer Nachbarn in der Wohnung über uns herumtoben höre, macht mich das glücklich. All das liebe ich, das macht mich glücklich und fröhlich. Und eigentlich macht mich jeder Hund, den ich treffe, glücklich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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