Schauspieler im Interview

'Rote Rosen'-Star Marcus Bluhm: "Malte Neumann musste erst mal eine Zeit lang untertauchen"

Seit Anfang Juli 2022 ist Marcus Bluhm alias Malte Neumann wieder bei 'Rote Rosen' zu sehen. Wieso der Kleinkriminelle zurückkehrte, was er jetzt in Lüneburg macht und ob der Pilot weiterhin mit dem Feuer spielt, erzählt der Schauspieler im Interview.

Ein bekannter Blick über die Sonnenbrille, ein verschmitztes Grinsen – Malte Neumann (Marcus Bluhm) ist zurück in Lüneburg.
Ein bekannter Blick über die Sonnenbrille, ein verschmitztes Grinsen – Malte Neumann (Marcus Bluhm) ist zurück in Lüneburg. Foto: ARD/Thorsten Jander
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Bereits in Staffel 10 von 'Rote Rosen' sorgte Marcus Bluhm (56) alias Malte Neumann für Aufsehen - mit nicht immer ganz gesetztestreuen Aktionen. Im Interview mit Liebenswert erzählt der Schauspieler, wie es nun zu seiner Rückkehr kam, wie sich der Plot um Malte Neumann weiterentwickelt und was er sich für ihn persönlich wünscht.

Zur Person:

Marcus Bluhm ist am 1. März 1966 in Flensburg geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er zunächst an verschiedenen Theatern engagiert - darunter am Schauspielhaus Hamburg, am Burgtheater Wien und am Residenztheater München. Im Fernsehen spielte er unter anderem in der ZDF-Serie ‚Samt und Seide‘ und war in ‚SOKO Kitzbühel‘,  ‚Tatort‘ und  ‚In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte‘ zu sehen. Bei ‚Rote Rosen‘ hatte er seinen ersten Auftritt als Malte Neumann in Folge 1611, seinen vorerst letzten in Folge 1780.

'Rote Rosen': Nach 10 Staffeln kehrte Malte Neumann zurück

Liebenswert: Herr Bluhm, Sie waren zuletzt in Staffel 10 bei 'Rote Rosen' zu sehen. Jetzt, in Staffel 20, sind Sie zurück – welche Story steckt dahinter?

Marcus Bluhm: Die Zuschauer*innen wissen ja, dass Malte immer ein paar krumme, nicht ganz legale Geschäfte gemacht hat und haben auch mitgekriegt, dass er den Petrov ans Messer geliefert hat, um seine eigene Haut zu retten. Aber auch da ist er nicht so ganz legal vorgegangen und hat sich von der Diebesbeute noch was abgezwackt. Kurz gesagt: Er musste erst mal eine Zeit lang untertauchen. Also ein bisschen weniger Aufhebens um sich machen und sich zurückhalten. Seine Fluglinie ging damals den Bach runter, weil er ohne Probleme die Zulassung als Berufspilot nicht mehr verlängern konnte, die dafür nötig gewesen ist. Ich glaube, die Fluglinie ging auch insolvent. Und somit hatte er dann auch eigentlich keinen wirklichen Grund mehr, in Lüneburg zu bleiben. Die Liebe ging in die Brüche damals. So hat er sich dann erst mal ein bisschen verdünnisiert. Dann hat er sich aber wohl doch noch diese acht oder zehn Jahre durchgekämpft und ist privat geflogen für Geschäftemacher, zum Beispiel für einen bestimmten Mister Miller, der war zumindest sein letzter Arbeitgeber. In einem Text sagt Malte: 'Ich habe versucht, wenig möglichst aufzufallen.' Und dann hat er auch seine Lizenz als Privatpilot nicht verlängert bekommen und musste sich nach einem anderen Wirkungsfeld umsehen. Da Fliegerei auch sehr viel mit Logistik zu tun hat, war es naheliegend, dass er dann auf ein Jobangebot bei einer Logistikfirma geantwortet hat und sich auf den Posten des Chefdisponenten bei der Firma Roth beworben hat. So ist er dann nach Lüneburg zurückgekommen. Ob es noch andere Gründe gibt, weiß ich noch nicht genau. Bis jetzt war diese Bewerbung erst einmal der Hauptgrund.

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Der Pilot Malte Neumann verliebt sich in die Chefin einer Logistikfirma

Wie geht es dann weiter in Lüneburg?

Dann verliebt er sich in die Chefin. Ich glaube, er sagt sowas wie: 'Lüneburg und Frauen, das war für mich keine glückliche Verbindung bisher.' Wahrscheinlich hofft er, dass es beim nächsten Mal besser klappt. Aber ich denke mal, dass da auch irgendwelche anderen geschäftlichen Dinge mit eine Rolle spielen werden, weil er dort schon eine Infrastruktur hat und die Leute kennt. So erkläre ich mir jedenfalls, dass er jetzt wieder da ist.

Seit wann sind Sie denn zurück am Set in Lüneburg?

Ich bin seit Anfang Mai wieder dabei.

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Marcus Bluhm: "Zuerst fühlte es sich kurz wie ein Neustart an."

Wie war es für Sie, nach acht Jahren ans Set von Rote Rosen zurückzukehren?

Schön war es! Ich hatte ehrlich gesagt schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass das noch kommt. Die ersten zwei Jahre danach dachte ich noch: 'Ja, jetzt können Sie sich ja mal melden…'  Denn wir haben das Ende ja extra so gebaut, dass ich auch wiederkommen könnte. Und dann nach acht Jahren plötzlich der Anruf: 'Hast du Lust? Kannst du dir vorstellen, das noch mal zu machen?' Wir leben ja in Wien, ich bin dort am Theater in der Josefstadt engagiert und fest im Ensemble. Nach Absprachen mit der Geschäftsführung haben wir gesagt, das kriegen wir irgendwie hin. Jetzt bin ich wahnsinnig viel unterwegs. Aber zurück zur Frage: Zuerst fühlte es sich kurz wie ein Neustart an. Aber ich habe immer mehr Leute getroffen, die damals auch schon dabei waren. Sowohl Kollegen*innen in der Technik, im Kamerateam oder in der Regie als auch Schauspielkollegen*innen haben mir sehr geholfen, schnell wieder Fuß zu fassen. Ich fühle mich sehr willkommen. Vor allem, dass so viele Leute sich freuten, dass diese Geschichte weitererzählt wird, ist ein sehr schönes Gefühl.

„Es war schon schön, eine Figur über so einen langen Zeitraum zu erfinden und zu erzählen - und auch sehr detailliert erzählen zu können.“
Marcus Bluhm

Als Norddeutscher freute es Bluhm, nach Lüneburg zurückzukehren

Was haben Sie besonders vermisst?

Es war schon schön, eine Figur über so einen langen Zeitraum zu erfinden und zu erzählen - und auch sehr detailliert erzählen zu können. Das waren ja damals, glaube ich, neun Monate, in denen ich an dem gleichen Charakter gearbeitet  und seine Höhen und Tiefen miterlebt und miterfunden habe - das hat mir schon viel Freude bereitet, und ich freue ich mich darauf, dass das weitergeht. Und da ich aus Schleswig-Holstein komme, bin ich sehr gerne in Norddeutschland. Da bin ich geboren und aufgewachsen und in Hamburg habe ich studiert und auch jahrelang Theater gespielt. Lüneburg fand ich immer faszinierend. Das hat mir auch damals schon sehr gut gefallen. Jetzt fällt mir noch mehr auf, was für eine faszinierende und geschichtsträchtige, schöne Stadt das eigentlich ist, wie alt diese Gebäude sind und wie geschwungen und gewellt teilweise die Straßenzüge - und dass das alles so herrlich erhalten ist, das ist, als würde man eine Zeitreise darstellen. Das finde ich ganz spannend.

Die Lüneburger erkannten den 'Rote Rosen'-Schauspieler Marcus Bluhm zum Teil wieder

Wurden Sie von den Lüneburgern wiedererkannt?

Ja, das ist schon vorgekommen. Aber nicht so häufig – auch, weil ich mich ziemlich verändert habe über die Jahre. Daher werde ich jetzt nicht sofort erkannt. Aber manche gucken dann zweimal und fragen: 'Waren Sie nicht schon mal dabei?'  Das wird hier in Lüneburg zum größten Teil recht unaufdringlich gehandhabt und ist ganz angenehm.

Wie sieht denn ein typischer Drehtag bei Ihnen aus?

Das ist unterschiedlich. Manchmal sind die Tage tatsächlich so voll, dass man vom ersten Bild bis zum letzten Bild da ist. Und manchmal ist es dann wie heute zum Beispiel: Ich werde erst gegen Mittag abgeholt. Da fängt man dann später an und dann ist das Pensum nicht ganz so groß. Ich habe eigentlich bisher ein ziemlich hohes Pensum an Szenen pro Tag, weil ich an den Wochenenden immer noch zum Theaterspielen nach Wien fliege. Da ich dann mal einen Tag fehle, sind meine Tage ziemlich voll. Man bereitet sich am Tag vorher meistens textlich vor, indem man die Texte und Szenen, die man zu spielen hat, lernt. Dann kommt man ins Studio, macht sich fertig, wird geschminkt und ins Kostüm gesteckt und dann geht es auch schon los. Man hat gar nicht so wahnsinnig viel Zeit nachzudenken, wie dieser Tag verlaufen wird, sondern der ist dann schon ziemlich strukturiert. Und dann trifft man sich, es gibt eine Mittagspause, es wird gegessen und dann geht's weiter.

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Am Theater in Wien ist Marcus Bluhm weiterhin aktiv

Sie sind jetzt Montag bis Freitag bei Rote Rosen und dann spielen Sie am Samstag und Sonntag in Wien?

Ja, genau und manchmal auch an Wochentagen.

Ist das nicht furchtbar stressig?

Es ist tatsächlich anstrengend und ich bin sehr, sehr viel unterwegs. Aber es ist auf der anderen Seite auch sehr schön.

Inwiefern?

Es ist schön, dass man das verbinden kann. Ich kann während der 'Rote Rosen'-Zeit auch noch Theater spielen und in Wien sein.

Und wie entspannen Sie sich da noch?

Ich glaube, ich entspanne mich mit Abschalten. Ich versuche, irgendwie den Tag hinter mir zu lassen und dann abends noch mal durch Lüneburg zu schlendern, mit dem Hund spazieren zu gehen und die Füße hochzulegen.

"Malte Neumann wird sich weiterhin in diesem illegalen Bereich bewegen"

Malte Neumann ist den Lüneburgern als Pilot mit Hang zu illegalen Geschäften in Erinnerung geblieben. Geht es so weiter?

Er wird sich schon weiterhin in diesem illegalen Bereich bewegen. Das kann man glaube ich ruhig schon mal sagen, ohne zu viel zu verraten.  Dadurch, dass er sich als Disponent in die Spedition setzt, hat er ja selbst ein bisschen den Bock zum Gärtner gemacht und ist da an einer guten Position, um so nicht ganz legale Transporte und so was zum Beispiel zu organisieren. Und das wird natürlich stattfinden.

 In Staffel 10 half Ihr Charakter dabei, den Kriminellen Juri Petrov zu fassen. Wird der wieder Thema in der 20. Staffel sein?

Absolut. Den Petrov hatte Malte ja damals ans Messer geliefert, also quasi dafür gesorgt, dass er ins Gefängnis kommt. Damit fängt jetzt auch mehr oder weniger diese Geschichte an, dass der immer noch wie ein großer Schatten über allem liegt und irgendwann hat er ja auch seine Zeit abgesessen und kann Malte sehr gefährlich werden. Und deswegen gibt es auch die Motivation, wieder in kurzer Zeit möglichst viel Geld auf die hohe Kante zu legen und sich eine sichere Existenz aufzubauen, damit man dann nachher gegebenenfalls auch einfach wieder verschwinden kann.

Sehen Sie den Kriminellen Malte Neumann hier in Aktion bei 'Rote Rosen':

Den Charakater Malte Neumann zu spielen, findet Marcus Bluhm sehr interessant

Wie sind Sie persönlich? Kamen Sie schon mal mit dem Gesetz in Berührung?

Nein. Also Fehler passieren mal, so was wie zu schnelles Fahren, aber das war es dann auch schon. Und ich glaube, wenn es nicht so wäre, würde ich das auch nicht an die große Glocke hängen.

Was wünschen Sie sich für Malte Neumann?

Gute Frage! Diesen Charakter zu spielen ist natürlich interessant: Diese Vielschichtigkeit, die man da zur Verfügung gestellt bekommt -  also dass man wirken muss wie eine total ehrliche Haut, die sich wirklich geändert, vom Ungesetzlichen abgewendet hat und sein Leben neu gestalten will und der mit seinem Charme die Leute um den Finger wickeln kann, aber in Wirklichkeit die Leute ausnutzt und betrügt und in seine kriminellen Geschäfte involviert. Als Schauspieler wünsche ich mir natürlich, dass das noch lange so weitergeht. Vom moralischen Standpunkt aus betrachtet, muss man wahrscheinlich irgendwann deutlich machen, dass Verbrechen sich nicht auszahlen.

Der Schauspieler liebt seine Familie und seinen Beruf

Was haben Sie und Ihr Charakter Malte Neumann gemeinsam?

Vieles, weil ich ihn ja spiele und gar nichts, weil ich ihn ja nur spiele. Oder anders gesagt: Da ich der Schauspieler bin, der Malte Neumann spielt, ist Malte Neumann genauso wie ich wäre, wenn ich er wäre. Im günstigsten Fall findet während des Drehs eine Verschmelzung des zu spielenden Charakters mit der Schauspielpersönlichkeit statt. Und so entsteht eine 'Figur'.

Was macht Ihr Leben liebenswert?

An ganz oberster Stelle natürlich meine Familie. Und dann die Möglichkeit, tatsächlich in diesem Beruf zu arbeiten. Dass es da viele verschiedene Möglichkeiten für mich gibt: Den Dreh von 'Rote Rosen', aber auch Theaterspielen und ab und zu auch Film und Fernsehen. Dass ich diesen Beruf so vielseitig erleben kann, ist sehr schön. Auch ansonsten lebe ich einfach gern, zurzeit leben wir ja in Wien und da haben wir auch eine Stadt gefunden, in der wir uns wahnsinnig wohlfühlen. Und das ist auch unser Lebensmittelpunkt. Darüber, in einer Stadt zu leben, die ich wirklich auch liebe und die mein Zuhause ist, bin ich sehr froh. Und auch, dass ich seit fast 40 Jahren in einem Beruf arbeite, der mir immer noch Spaß macht und den ich immer noch spannend finde, macht mein Leben liebenswert.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

TV-Tipp: 'Rote Rosen' läuft montags bis freitags um 14.10 Uhr im Ersten.

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