Das rät der Facharzt

Osteoporose behandeln: Therapie bei Knochenschwund

Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, sorgt dafür, dass die Knochen an Festigkeit verlieren. Im Interview beantwortet Facharzt Dr. Martin Rinio die wichtigsten Fragen.

Osteoporose - Wenn die Knochen an Festigkeit verlieren
Wenn die Knochendichte abnimmt, spricht man ab einem Messwert von -2,6 von Osteoporose. Was das bedeutet, erklärt Dr. Rinio im Interview. Foto: wildpixel / iStock

Durch die Hormonumstellung und den sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren, sind Frauen ab der Lebensmitte besonders häufig von Osteoporose betroffen. Wie der Knochenabbau entsteht und wie man der Krankheit mit der richtigen Ernährung und einer passenden Vitaminzugabe entgegenwirken kann, erklärt Dr. Martin Rinio, Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sowie ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen im Experten-Interview.

Dr. Martin Rinio
Dr. Martin Rinio ist Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sowie ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Foto: Gelenk-Klinik Gundelfingen

Osteoporose: Definition und Ursachen

Liebenswert: Herr Dr. Rinio, wie entsteht eigentlich Osteoporose?

Dr. Martin Rinio: Ungefähr bis zum 30. Lebensjahr nehmen die Knochendichte und damit die Knochenmasse des Menschen zu. Danach beginnt der Körper, den Knochen langsam wieder abzubauen. Die Knochenstruktur verändert sich und die Tragfähigkeit des Knochens reduziert sich, was zu einer Instabilität des Skeletts führt. Dadurch sind Brüche (Frakturen) schon bei kleinsten Fehltritten möglich. Bereits ein Stolpern kann da zur Katastrophe, sprich einem Wirbelbruch führen. Betroffen sind meist Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

Wie erkenne ich Osteoporose?

Durch eine Knochendichtemessung erkennt der Facharzt den Knochenabbau. Besteht Verdacht auf eine Erkrankung, so lässt sich per Röntgenbild bei stark fortgeschrittener Osteoporose eine vermehrte Knochentransparenz im Vergleich zu gesunden Knochen feststellen.  

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Gut zu wissen:

Mediziner unterscheiden zwei Formen von Osteoporose: Die primäre Osteoporose, die, auch wenn bislang keine direkte Ursache bekannt ist, auf Veränderungen im Hormonhaushalt, das Alter, den Kalziumstoffwechsel sowie eine genetische Vorbelastung zurückzuführen sein soll und die sekundäre Osteoporose, die infolge einer Krankheit entsteht, zum Beispiel Kalziumstoffwechselstörungen, Neben-Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder Rheuma.

Osteopenie: Knochendichtemessung gibt Aufschluss

Ab welchem Alter und wie häufig sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden?

Männer sollten diese Vorsorgeuntersuchung ab 60 vornehmen lassen. Frauen hingegen bereits ab 50. Denn bei ihnen beschleunigt sich der natürliche Abbau durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren dramatisch. Fast 30 Prozent sind nach der Menopause betroffen. Empfehlenswert sind in der Regel weitere Messungen nach zwei bis fünf Jahren, je nach Lebensumständen des Patienten.

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Gut zu wissen:

Die Vorstufe von Osteoporose nennt sich Osteopenie. Weicht der T-Score um 1,0 - 2,5 vom Standardwert ab, liegt eine verminderte Knochendichte vor (Osteopenie). Weicht der Messwert um mehr als - 2,6 ab, handelt es sich um Osteoporose. Als Vergleichswert dient die durchschnittliche Knochendichte eines 3-jährigen Menschen gleichen Geschlechts, denn in diesem Alter ist sie am höchsten.

Im Video sehen Sie sechs Lebensmittel, die besonders viel Kalzium enthalten (Artikel wird darunter fortgesetzt):

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Knochenschwund mit Vitamin D3 und Vitamin K2 behandeln

Mediziner empfehlen neuerdings die kombinierte Gabe von Vitamin D3 mit Vitamin K2. Bringt das wirklich etwas?

Ja, diese Kombination ist äußerst sinnvoll. Denn Vitamin K2 sorgt maßgeblich dafür, dass Kalzium in den Knochen und nicht in anderem Gewebe eingelagert wird. Entsprechende Präparate sind in der Apotheke erhältlich.

Wie entscheidend ist Vitamin D3 generell beim Schutz gegen Osteoporose?

Eine ausreichende Vitamin D3-Versorgung ist Basis jeder effizienten Osteoporose-Prävention. Deshalb bitte möglichst viele Spaziergänge bei Sonnenlicht unternehmen. Durch das Licht im Freien bildet sich Vitamin D3 in der Haut, was die Einlagerung von Kalzium im Knochen fördert. 

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Osteoporose behandeln: Die richtige Ernährung

Wie sollte ich mich ernähren, wenn ich an Osteoporose leide?

Grundsätzlich empfiehlt sich eine ausgewogene, vitaminreiche Kost. Diese sollte möglichst sparsam mit Fleisch und Fett umgehen, dafür aber reichlich Obst und Gemüse enthalten. Wichtig für die Gesundheit der Knochen sind zudem Spurenelemente wie etwa Magnesium (enthalten unter anderem in Fisch und Hülsenfrüchten), Zink (enthalten unter anderem in Geflügel und Vollkornprodukten) sowie Carotinoide (enthalten zum Beispiel in Karotten und roter Paprika).

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Welche Lebensmittel sollte ich meiden, wenn ich unter Osteoporose leide?

Phosphatreiche Lebensmittel wie Wurst sollten vom Speiseplan weitgehend verbannt werden. Denn das sind wahre Kalziumräuber. Zurückhaltung ist auch beim Konsum von Alkohol und Tabak ratsam. Und auch Milch ist nur bedingt hilfreich: Wurde bisher im Zusammenhang mit Osteoporose stets die Zufuhr von Milch empfohlen, so stellen neue Studien diese Empfehlung infrage. Denn Milch enthält zwar tatsächlich reichlich Kalzium, aber auch Phosphor, das die Kalziumaufnahme im Darm hemmt.

Und wie kann ich durch meine Ernährung vorbeugen?

In nennenswerter Menge ist Vitamin D3 in Seefisch (etwa Hering oder Makrele), in Leber oder Eigelb enthalten. Um den Knochenstoffwechsel zu beeinflussen, ist zudem kalziumreiche Ernährung außerordentlich wichtig. Als wahre Kalziumspender gelten zum Beispiel grünes Gemüse (Broccoli), Nüsse, Kräuter und Hülsenfrüchte. Denn so lässt sich das Risiko von Knochenbrüchen senken. Auch wenn das Leitungswasser in Deutschland von hervorragender Qualität ist, so kann ein kalziumreiches Mineralwasser zusätzlich unterstützend wirken.

Osteoporose-Therapie: Diese Sportarten helfen

Was kann ich im Alltag noch tun und welche Sportarten können mir dabei helfen?

Ganz wichtig ist tägliche Bewegung. Egal ob ich gehe, laufe, Fahrradfahre oder Kraftsport betreibe: Hauptsache ist, ich mache es regemäßig. Denn dadurch fördere ich Durchblutung und basische Verhältnisse in den Knochen. Grundsätzlich wirkt sich körperliche Bewegung positiv auf den Knochenbau aus. So hat eine Studie in den USA mit über 10.000 Seniorinnen gezeigt, dass Muskelaufbau durch moderates Krafttraining einer medikamentösen Osteoporose-Behandlung deutlich überlegen ist. Empfehlenswert sind Sportarten wie WandernSchwimmen oder Skilanglauf. Nicht geeignet sind beispielsweise Tennis, Fußball (Sturzgefahr) oder Kampfsportarten.

Was tun bei leichter Osteoporose?

Die medikamentöse Zufuhr von Vitamin D 3 ist unverzichtbarer Bestandteil jeder Osteoporose-Therapie. Dabei sollte die Dosierung entsprechender Nahrungsergänzungsmittel bei 1000 bis 2000 i. E. (Internationale Einheiten) täglich liegen, ausgehend von einem durchschnittlichen Körpergewicht. Nach neuesten Erkenntnissen ist, wie erwähnt, ein Kombinationspräparat aus Vitamin D 3 und K 2 sehr förderlich für die zusätzliche Einlagerung von Kalzium im Knochen.

Wann sind spezielle Medikamente (Bisphosphonate) erforderlich?

In der Regel wird zunächst einmal wöchentlich hochdosiertes Vitamin D 3 (20.000 i.E.) gegeben. An den anderen Tagen der Woche Kalzium (1000 mg). Zeigt die Knochendichtemessung nach einem Jahr keine Verbesserung, so wird zu Bisphosphonat oder Alendronsäure gewechselt. Vorab muss jedoch der Zahnarzt konsultiert werden, um jedwede Entzündung und somit die Gefahr einer möglichen Knochennekrose (umgangssprachlich: Knocheninfarkt) auszuschließen.