Checkliste vom Chefarzt Wann sind Antibiotika wirklich sinnvoll?

Häufig werden Antibiotika angeordnet, obwohl sie gar nicht nötig wären. Chefarzt Prof. Dr. Michael Stimpel möchte dem entgegenwirken und erklärt, was Sie darüber wissen sollten, um sich besser zu schützen.

Antibiotika sollten nur verschrieben werden, wenn sie wirklich nötig sind.
Sprechen Sie Ihren Arzt an, wenn Sie Zweifel daran haben, ob das verschriebene Antibiotikum tatsächlich sinnvoll für Sie ist.

Durch den sorglosen Umgang mit Antibiotika sterben in Europa etwa 25.000 Menschen pro Jahr. Das zeigt eine neue Analyse der EU-Kommission. Die Betroffenen hatten sich mit Bakterien infiziert, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken konnten.

Dazu muss man wissen: Antibiotika helfen ausschließlich bei bakteriellen Infekten. "Bei Schnupfen, Husten oder grippalen Infekten sind Antibiotika definitiv nicht sinnvoll", erklärt Prof. Dr. Michael Stimpel, Chefarzt der Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg. Diese werden nämlich zu 80 Prozent durch Viren ausgelöst – gegen die Antibiotika nicht wirken. Und doch werden sie zu häufig verordnet. Dadurch wächst jedoch die Gefahr, dass sich Bakterien an den Wirkstoff anpassen und resistent werden.

Sehen Sie hier, wie Sie ein ganz natürliches Antibiotikum selbst machen können (Artikel geht unten weiter):

 
 

Warum zu häufig Antibiotika verschrieben werden

Laut DAK-Studie ist jeder dritte Antibiotika-Einsatz fragwürdig. Das Problem: Einige Ärzte scheuen den Aufwand, eine Blutuntersuchung oder einen Abstrich zu machen, um abzuklären, ob ein Antibiotikum überhaupt helfen kann. Sie verordnen das Medikament lieber gleich vorsorglich. Umso wichtiger ist es, dass auch Patienten wissen, wann ein Antibiotikum möglicherweise sinnvoll ist. Deshalb haben wir zusammen mit Prof. Stimpel die folgende Antibiotika-Checkliste entworfen.

 

In diesen Fällen sind Antibiotika sinnvoll

Trifft einer dieser Punkte oder mehrere auf Sie zu, sprechen Sie Ihren Arzt an. Bitten Sie ihn, einen Abstrich oder einen Bluttest zu machen.

1. Sie haben gelblichen, grünlichen oder rötlichen Auswurf, Ausfluss oder lästige Pusteln.

Eiter entsteht vor allem bei einer durch Bakterien hervorgerufenen Entzündung.

2. Die Erkrankung zieht sich über mehr als sieben Tage hin und die Symptome bessern sich nicht.

Bei einer Viruserkrankung geht es den meisten Patienten nach spätestens einer Woche besser.

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3. Ihr Fieber ist höher als 38,5 °C.

Auch bei Viruserkrankungen haben wir oft Fieber, allerdings steigt es dabei selten über 38,5 °C.

4. Ihre Symptome wurden zuerst besser, flammten dann aber wieder auf.

Das kann auf eine sogenannte Superinfektion hinweisen. Dabei nutzen Bakterien aus, dass unser Immunsystem durch Viren geschwächt ist, und es kommt zu einer zusätzlichen Infektion.

5. Sie gehören einer Risikogruppe an.

Menschen, die in einem Heim leben oder durch chronische Krankheiten unter einem stark geschwächten Immunsystem leiden, haben ein erhöhtes Risiko für eine Superinfektion. Womöglich ist eine vorsorgliche Antibiotika-Einnahme bei ihnen tatsächlich sinnvoll. Wichtig: Nur ein Arzt kann eindeutig bestimmen, ob Sie an einem viralen oder bakteriellen Infekt leiden – und entsprechend kann nur ein Arzt Antibiotika verordnen.

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