Von der Brust bis zur Lende

Knackpunkt Wirbelsäule: Daher stammen die Schmerzen

Nacken verspannt? Oder ein Zwicken im Kreuz? Wie wir Schmerz-Ursachen im Rücken beheben und unsere Wirbelsäule stärken können.

Frau mit eingezeichneter Wirbelsäule, die sich den Rücken hält.
Leiden Sie unter Schmerzen an der Wirbelsäule? Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Foto: horillaz / iStock
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Zu schnell umgedreht, schon zwickt es im Kreuz! Verspannungen im Rücken gehören zu unserem Alltag wie der eine oder andere Schnupfen. Kein Wunder, die Region zwischen Nacken und Steißbein zählt zu unseren größten körperlichen Schwachstellen. Das Gute ist: Wir können optimal vorbeugen. Je nachdem, wo es uns an der Wirbelsäule öfter zwickt und zwackt. Dazu hat Liebenswert mit Dr. med dr. med Periklis Godolias gesprochen.

Wirbelsäule

Unser Experte

Dr. med dr. med Periklis Godolias ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Oberarzt am St. Josef Krankenhaus Werden der Universitätsmedizin Essen. Außerdem war er ein Jahr als Fellow über die AO (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese) im Spine Department der Seattle Science Foundation tätig.

 

Doch wie entstehen die Schmerzen überhaupt? Das lässt sich pauschal nicht sagen, wie der Experte erklärt: "Bei 'Rückenschmerzen' sollte immer zwischen spezifischen Schmerzen – also Schmerzen, denen eine unter Umständen behandlungspflichtige Ursache zugrunde liegt – und unspezifischen Rückenschmerzen unterschieden werden. Spezifische Rückenschmerzen sind deutlich seltener als unspezifische Kreuzschmerzen. Gründe für letztere können vor allem Verspannungen der Muskulatur sein, meist bedingt durch unvorteilhafte Körperhaltungen oder unvorteilhafte Belastungen der Bänder und Muskeln der Wirbelsäule. Im Verlaufe des Lebens verändert sich die Balance der Wirbelsäule gegebenenfalls zum Nachteil, weil nicht auf eine aufrechte Haltung geachtet wurde, keine Kräftigung der kleinen segmentalen Muskeln durchgeführt wurde und häufig Zwangshaltungen, gegebenenfalls auch beruflich bedingt, eingenommen wurden. Unser Körper versucht beim aufrechten Gang den Kopf immer in einem Lot mit dem oberen Anteil des Kreuzbeines (S1) zu balancieren. Die "Biegungen" (Lordosen/Kyphosen) unserer Wirbelsäule können sich dann im Laufe des Lebens zu unserem Nachteil anpassen. Das führt schließlich zu einem stärkeren Verschleiß der Gelenke zwischen den Wirbelkörpern und gegebenenfalls auch zu Veränderungen der Bandscheiben, die auch in einen Bandscheibenvorfall münden können."

Problemfall: steifer Nacken

Ob Probleme im Job oder in der Familie – Sorgen lasten schwer auf Schultern und Nacken. Experten bezeichnen sie sogar als Stressmuskeln, weil dieser Abschnitt der Wirbelsäule bei psychischen Belastungen schnell dauerhaft verkrampft. Häufige Quittung: ein steifer, schmerzender Nacken.

Was soll bei Schmerzen unbedingt vermieden werden?

Auch dafür hat der Experte einen Rat:"Selbstständige Manipulationsversuche (Knacken). Man sollte eher Bewegungsübungen machen. Wenn man selbst nicht weiß, was gut für einen ist, einen Experten zu Rate ziehen. Professionelle Manipulationen können komplementär hilfreich sein, lösen aber die eigentliche Problematik nicht."

Die allerbeste Vorbeugung ist: Abrupte Drehbewegungen mit dem Kopf vermeiden und eine gerade Haltung annehmen. Wir stellen uns vor, unser Kopf würde von einem Faden am Scheitelpunkt hochgezogen. Der Experte erklärt: "Haltungsschulungen. Stellen Sie sich mehrmals täglich vor, ein Faden sei an der höchsten Stelle Ihres Kopfes befestigt und zieht Sie in die Länge: Bauchmuskulatur anspannen/einziehen, Schultern locker nach hinten und unten fallen lassen, Kopf gerade halten, aber das Kinn in Richtung des Kehlkopfes ziehen, ohne dass sich die Mm.sterocleidomastoidei anspannen (seitliche Halsmuskelstränge). Täglich 5 Minuten gezieltes Training der segmentalen Muskulatur, sowie Dehnungsübungen, auch der Hüftbeuger, da diese durch Schlafen auf der Seite und langes Sitzen im Laufe des Lebens verkürzen. Wenn keine spezifische Ursache im Laufe des Lebens eintritt, kann man durch Schaffung eines Bewusstseins für die eigene Wirbelsäule, Schmerzen vorbeugen, oder auch wieder verringern –  bis hin zur Schmerzfreiheit. Mittlerweile wurde der erste Lehrstuhl für Komplemetärmedizin an der Universität Tübingen eingerichtet. Hier werden vor allem Studien rund um das Thema "Yoga" durchgeführt."

 

Lesen Sie auch: Nackenverspannungen: Diese Übungen lösen den Schmerz

Verspannungen in der Brust

Wir sitzen bis zu 14 Stunden am Tag – und belasten damit vor allem unsere Brustwirbelsäule. Durch das stundenlange Verharren – oft in vorgebeugter Haltung – ist der Druck auf die Bandscheiben fast doppelt so hoch wie im Stehen! Folgen können eine verkürzte Muskulatur und Schäden an den Bandscheiben sein.

Was dagegen hilft? Dynamik ist das Zauberwort. Denn ausreichend Bewegung verringert den Druck auf die Wirbel und beugt Verspannungen vor. Orthopäden raten: Sitz, wie du willst, aber beweg dich dabei. Schon ein 15-minütiger Spaziergang pro Tag entlastet die Brustwirbel nachhaltig.

Übungen mit der Faszienrolle können verspannte Rückenmuskulatur lösen: (Der Artikel geht unter dem Video weiter)

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Schmerzen in der Lendenwirbelsäule

Frühlingszeit ist Gartenzeit! Harken, Jäten, Pflanzen – alles im Bücken. Oft genügt eine Über- oder Fehlbelastung – und plötzlich jagt ein heftiger Schmerz durch die Lendenwirbelsäule. Gleiches kann uns beim falschen Heben oder Tragen passieren. Um die Schmerzen in diesem Teil der Wirbelsäule zu umgehen, nehmen wir gern eine Schonhaltung ein – und spannen weitere Muskeln falsch an! Dadurch sind neue Rückenprobleme programmiert.

Es entsteht ein Teufelskreis aus Muskelanspannung, Nervenreizung, Schmerz. Das ist leider oft auch der Beginn einer chronischen Schmerzkarriere. Damit es nicht so weit kommt, sollten wir beim Heben stets in die Hocke gehen und den unteren Rücken durch (Rücken-) Schwimmen oder Yoga stärken.

Weitere interessante Artikel zur Bandscheibe:

Welcher Wirbel gehört zu welchen Beschwerden?

Das Rückenmark bildet mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem. Mit dieser Schaltzentrale verständigen sich Immunsystem und sämtliche Organe. Weil jeder Wirbel in Verbindung mit ihnen steht, können Verspannungen oder Blockaden im Rücken auch Organe beeinträchtigen. Das hilft: Wärme, manuelle Therapie (zum Beispiel Osteopathie, Chiropraktik) und Krafttraining können die verkrampfte Muskulatur gezielt lockern und entspannen.

Das Diagramm einer Wirbelsäule
Das Diagramm einer Wirbelsäule Foto: wetcake / iStock

Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule (HWS) wird mit C1 bis C7 durchnummeriert, C1, auch Atlas-Wirbel genannt, beschreibt den ersten Wirbel oben. Auf C7 folgt dann TH1, der erste Wirbel der Brustwirbelsäule. C1 steht für Gedächtnisprobleme, Müdigkeit, Migräne und Schwindel. Verspannungen von C2, auch Axis genannt, können Augenleiden, Ohrenschmerzen, Ohnmachtsanfälle und Allergien auslösen. C3 wird mit Akne, Zahnproblemen und Ohrgeräuschen in Verbindung gebracht.

C4 kann Gehörverlust und Dauerschnupfen verursachen. C5 begünstigt Kehlkopfentzündungen, Heiserkeit, Halsschmerzen und chronische Erkältungen. C6 beeinflusst Mandelentzündungen, Schmerzen im Oberarm, Keuchhusten und Nackensteife. C7 kann Schilddrüsenerkrankungen, Tennisarm und Schleimbeutelentzündungen bewirken.

Welcher Wirbel für die Schmerzen verantwortlich ist

Wirbel

Beschwerden

Wirbelsäulenbereich

C1 (Atlas)

Gedächtnisprobleme, Müdigkeit, Schwindel, Migräne

Halswirbelsäule (HWS)

C2 (Axis)

Augenleiden, Ohrenschmerzen, Ohnmachtsanfälle, Allergien

HWS

C3

Akne, Ohrgeräusche, Zahnprobleme

HWS

C4

Gehörverlust, Dauerschnupfen

HWS

C5

Kehlkopfentzündung, Heiserkeit, Hallschmerzen, chron. Erkältung

HWS

C6

Mandelentzündung, Schmerzen im Oberarm, Keuchhusten, Nackensteife

HWS

C7

Schilddrüsenerkrankungen, Tennisarm, Schleimbeutelentzündung

HWS

Th1

Asthma, Atembeschwerden, Schmerzen in Händen, Unterarmen

Brustwirbelsäule (BWS)

Th2

funktionellen Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Ängsten

BWS

Th3

Bronchitis, Rippenfell- und Lungenentzündung

BWS

Th4

Gallenleiden, Gelbsucht, Gürtelrose, seitliches Kopfweh

BWS

Th5

Leberleiden, niedrigen Blutdruck, Kreislaufprobleme, sämtliche Magenprobleme

BWS

Th6

Verdauungsstörungen, Sodbrennen

BWS

Th7

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Diabetes) und des Magen-Darm-Trakts (Geschwüre, Gastritis)

BWS

Th8

Abwehrschwäche, Milzprobleme, Stoffwechselstörungen

BWS

Th9

Allergien, Ekzeme

BWS

Th10

Nierenprobleme, Arterienverkalkung, chronische Müdigkeit

BWS

Th11

Hautprobleme wie Akne, Furunkel, Ekzeme

BWS

Th12

Dünndarm-Beschwerden und Lymphsystem

BWS

L1

Verstopfung, Durchfall, Darmblutungen

Lendenwirbelsäule (LWS)

L2

Krämpfen, Übersäuerung, Venenproblemen

LWS

L3

Blasenleiden

LWS

L4

Hexenschuss, Ischiasbeschwerden

LWS

L5

Beschwerden in den Sprunggelenken, Wadenkrämpfe

LWS

Brustwirbelsäule

Die Wirbel der Brustwirbelsäule (BWS) werden mit TH1 (oben) bis TH12 (unten) benannt. (Die Abkürzung 'Th' stammt von Thorax (Brustkorb)) TH1 kann Asthma, Atembeschwerden, Schmerzen in Händen und Unterarmen auslösen. TH2 wird mit funktionellen Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und Ängsten in Verbindung gebracht. Ist TH3 verspannt, können Bronchitis, Rippenfell- und Lungenentzündung die Folge sein.

Bei TH4 geht es um Gallenleiden, Gelbsucht, Gürtelrose und seitliches Kopfweh. Der Wirbel TH5 steht für Leberleiden, niedrigen Blutdruck, Kreislaufprobleme und sämtliche Magenprobleme. TH6 steht für Verdauungsstörungen und Sodbrennen.

Der Wirbel TH7 wird mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Diabetes) und des Magen-Darm-Trakts (Geschwüre, Gastritis) in Verbindung gebracht. TH8 ist mitverantwortlich für Abwehrschwäche, Milzprobleme, Stoffwechselstörungen. TH9 kann Allergien und Ekzeme auslösen. TH10 steht für Nierenprobleme, Arterienverkalkung und chronische Müdigkeit. TH11 kann Hautprobleme wie Akne, Furunkel und Ekzeme auslösen. Zuständig für den Dünndarm und das gesamte Lymphsystem ist TH12.

Lendenwirbelsäule

Auch bei den Lendenwirbeln (LWS), also den Wirbeln über dem Kreuzbein, wird durchnummeriert von L1 bis L5: Der erste Lendenwirbel L1 ist mitverantwortlich für Verstopfung, Durchfall und Darmblutungen. L2 spielt eine Rolle bei Krämpfen, Übersäuerung und Venenproblemen. L3 kann Blasenleiden verursachen. L4 ist Auslöser für Hexenschuss und Ischiasbeschwerden. L5 steht in Verbindung mit unseren Füßen, den Sprunggelenken und mit Wadenkrämpfen.

Probleme in der Wirbelsäule können viele weitere Beschwerden auslösen. Holen Sie sich bei Schmerzen also unbedingt einen ärztlichen Rat ein. Neben Ihrer Hausarztpraxis kann eine Praxis für Orthopädie die Beschwerden meist noch besser einordnen. Außerdem kann Osteopathie, Chiropraktik oder Physiotherapie hilfreich sein. Erkundigen Sie sich zum Beispiel auch bei Ihrer Krankenkasse nach einer möglichen Kostenübernahme oder Zusatzleistungen.