Brrr, eiskalt! Wie Kältetherapie gegen Rheuma, Neurodermitis und Co. hilft

Wie Kältetherapie gegen Rheuma, Neurodermitis und Co. hilft
Inhalt
  1. Frieren rettet das Gehirn
  2. Fett weg mit Frost
  3. Kälte lindert Rheuma
  4. Falten auf Eis legen
  5. Kryotherapie gegen Neurodermitis

Richtig angewendet hat Kältetherapie erstaunliche Effekte: Ob gegen Falten, bei Rheuma oder Schlaganfall - wo Doktor Frost überall hilft.

Sie könnte es durchaus mit jeder Schmerztablette aufnehmen: klirrende Kälte. Denn gezielt eingesetzt, können thermische Reize akute wie chronische Beschwerden deutlich lindern. Darüber hinaus helfen die eisigen Bedingungen dem Körper, sich zu regenerieren - sogar bei einem Schlaganfall. Und: Kalte Wassergüsse können die Abwehrkräfte deutlich stimulieren, so jedenfalls lautet das Fazit einer Studie der Universität Jena. Dabei behandelten Ärzte den Oberkörper von Patienten zehn Wochen lang mit Kälte - dreimal wöchentlich mit Güssen, zweimal pro Woche mit Waschungen. Das Ergebnis: Im Blut der Probanden stieg die Zahl der Immunzellen (Lymphozyten) um 13 Prozent. Auch die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte ließ sich wirksam senken. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt von extremen Minusgraden: Laut Untersuchungen schüttet unser Gehirn dabei vermehrt die Glückshormone Serotonin und Dopamin aus. Das schafft übrigens auch ein Winterspaziergang an der frischen, klaren Luft. Wie die gezielte Kältetherapie Ihrer Gesundheit Gutes tut:

 

Frieren rettet das Gehirn

Neurologen versetzen Patienten, die einen Schlaganfall hatten, neuerdings in eine Art Winterschlaf. Durch das "Einfrieren" des Gehirns wird dessen Sauerstoffverbrauch reduziert - so wird Folgeschäden wie dem Absterben von Gehirngewebe vorgebeugt. Die Methode: Die Körpertemperatur der Patienten wird von 37 Grad auf circa 34 Grad heruntergekühlt - zuerst mit vier Grad kalten Kochsalz-Infusionen, später per Katheter. An ihm hängen Kälteballons, die die Körpertemperatur regeln, während der Patient bei Bewusstsein ist. Meist wird die Temperatur nach 24 Stunden langsam wieder erhöht. Im Idealfall verschwinden dann Symptome wie Lähmungen und Sprachstörungen.

 

Fett weg mit Frost

Neuester Hollywood-Trick gegen Speckrollen: die Kryolipolyse. Bei dieser Kältebehandlung lassen Stars wie Demi Moore Fettpolster an Bauch, Hüfte oder Po einfach wegfrieren. So funktioniert's: Mit einem Applikator wird die Problemzone lokal auf vier Grad heruntergekühlt. Das wird oft als unangenehm empfunden, ist aber nicht schmerzhaft. Effekt: Die Fettzellen sterben ab, werden über das Stoffwechselsystem abtransportiert. Mit Ergebnissen ist nach vier bis zwölf Wochen zu rechnen: Die Patienten verlieren an der behandelten Stelle bis zu 40 Prozent Fett. Eignet sich jedoch nicht für eine massive Gewichtsreduktion. Preis: Eine Sitzung (35-45 Minuten) kostet pro Körperareal ab 200 Euro. Meist sind zwei Termine erforderlich. 

 

Kälte lindert Rheuma

Immer mehr Ärzte schicken Rheuma-Patienten in Kältekammern. Über zwei Vorkammern mit zunächst minus zehn, dann minus 60 Grad landet man schließlich in der kältesten Kammer mit minus 110 Grad Celsius. Dort dauert der Aufenthalt bis zu drei Minuten. Effekt: Der Kälteschock dämpft Entzündungsprozesse in den Gelenken, regt den Stoffwechsel und die Durchblutung an. Schon nach 30 Sekunden verspüren Patienten Schmerzlinderung, die Beweglichkeit verbessert sich. Nach mindestens zehn bis 30 Anwendungen erfahren 90 Prozent der Patienten eine deutliche Verminderung ihrer Schmerzen. Bundesweit gibt es etwa 80 Kältekammern. Kosten: etwa 30 Euro pro Sitzung.

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Falten auf Eis legen

Frotox statt Botox: Eine neue Kältespritze bügelt Stirn und Zornesfalten weg - ganz ohne Nervengift! Die Methode: Der Arzt setzt feine Nadeln mit flüssigem Stickstoff in den Stirnbereich. Dadurch kühlt der Nerv auf minus 70 Grad ab, sein Innerstes (das Nervenmark) wird vorübergehend zerstört. Das Ergebnis: Die Mimikmuskeln sind ruhig gestellt. Der Straff-Effekt tritt sofort ein und hält, bis der Nerv sich erneuert hat - das dauert vier bis sechs Monate. Vorteil gegenüber Botox: Die Stirn wirkt nicht maskenhaft. Kosten: circa 400 Euro. Wichtig: Eignet sich nicht für Falten, die auch im entspannten Zustand sichtbar sind.

Video: Auch Gesichtsübungen helfen gegen Falten (und das ungeliebte Doppelkinn) - Artikel wird unter dem Video fortgesetzt

 
 

Kryotherapie gegen Neurodermitis

Frostige Temperaturen erzielen auch bei Schuppenflechte und Neurodermitis erstaunliche Wirkungen. Die Patienten verharren spärlich bekleidet bis zu drei Minuten in einer Kältekammer. Möglichst zweimal täglich. Der Juckreiz bei Neurodermitis bessert sich schon nach wenigen "Expeditionen in die Kälte" und verschwindet oft völlig. Nach etwa 20 Kälte-Anwendungen gehen auch die entzündlichen Hautveränderungen zurück, die Patienten brauchen weniger Kortison-Medikamente. Einige Kassen beteiligen sich an den Kosten von circa 30 Euro pro Aufenthalt.

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