Ohne Chemie

Natürliche Unkrautvernichter mit Natron und Co.

Im Beet nehmen Sie unseren Zier- und Nutzpflanzen wichtige Nährstoffe weg und auf Terrasse und Einfahrten sehen Sie übel aus: Unkräuter sind einfach lästig. Um ihnen beizukommen, gibt es im Gartenbedarf zahlreiche Unkrautvernichter. Dabei können Sie das Unkraut auch mit natürlichen Mitteln nachhaltig vernichten. Wir zeigen die gängigsten und effektivsten Mittel und Methoden.

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Wenn die Pflastersteine in der Einfahrt vor lauter überwucherndem Grün kaum mehr zu sehen sind und die schönen Beete und Rabatte von Disteln, Löwenzahn und Co übervölkert werden, ist der Griff zur chemischen Keule ein naheliegender Gedanke. Sie sollten Sie sich jedoch bewusst sein, dass Unkrautvernichter aus dem Handel nur als letztes Mittel in Betracht zu ziehen sind und nur in Ausnahmefällen die beste Wahl darstellen.

Unkrautvernichter aus der Flasche? Das muss nicht sein.
Unkrautvernichter aus der Flasche? Das muss nicht sein. Probieren Sie doch auch mal natürliche Mittel. Foto: Wega52 / iStock

Denn viele der Inhaltsstoffe schaden nicht nur den Unkräutern, sondern auch vielen nützlichen Insekten, Zier- und Nutzpflanzen. Auch Haus- und Wildtiere sowie Kinder, die mit den Mitteln in Berührung kommen, können gefährdet werden. Zudem belasten sie den Boden und das Grundwasser. 

Keine Gute Idee: Salz und Essig

Noch immer kursieren im Internet verschiedenste Rezepturen und Anleitungen, um sich aus Salz und Essig "natürliche" Unkrautvernichter herzustellen. Zwar ist die Nutzung von Salz und Essig in Beeten und Grünflächen wie Rasen grundsätzlich erlaubt, "natürlich" sind diese Hausmittel jedoch nicht. Sie haben gegenüber industriell hergestellten Unkrautvernichtern den Nachteil, dass ihre Zusammensetzung schwankt und die Wirksamkeit nicht verlässlich getestet ist. Salz und Essig belasten den Boden jedoch ähnlich stark wie chemische Unkrautvernichter. 

Wollen Sie Ihr Unkraut auf Bürgersteigen, Gehwegen, Einfahrten, Terrassen und anderen versiegelten Flächen mit Salz und Essig bekämpfen, ist das nicht nur schädlich sondern auch nicht rechtens.  Denn auch ein selbst hergestellter Unkrautvernichter ist gesetzlich ein Herbizid und die Nutzung von Herbiziden ist auf versiegelten und gepflasterten Flächen verboten. Mehr Informationen zum Pflanzenschutzgesetz finden Sie im Internet auf der Homepage des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Allzweckwaffe Natron

Natron, in der Küche auch als Backpulver bekannt, belastet die Böden und das Grundwasser nicht und darf ganz legal als natürlicher Unkrautvernichter zum Einsatz kommen. Denn das Mittel, das wir eigentlich zum Aufgehen unserer Backspeisen nutzen, macht sich nicht nur gut als Beauty-Helferlein, und Reinigungswunder sondern auch als Hausmittel gegen unliebsames Unkraut.  

Der Wirkstoff von Natron ist Stärke. Was für Menschen, Tiere, Boden und Grundwasser ungefährlich ist, schadet den Pflanzen. Denn die Stärke verstopft die Poren der Unkräuter. Die Pflanze kann nicht weiter wachsen und geht ein. Noch schneller wirkt Natron, wenn es mit Wasser ausgebracht wird, so können die Pflanzen die Stärke schneller aufnehmen. 

Um selbst eine Lösung herzustellen brauchen Sie:

  1. Etwa 1 Liter Wasser

  2. 10 g Natron

Außerdem benötigen Sie einen Topf, Herd und eine Sprühflasche. Gehen Sie dann so vor:

1. Kochen Sie den Liter Wasser auf

2. Lösen sie 10 g Natron unter Rühren darin auf

3. Lassen Sie das Wasser abkühlen. Regelmäßiges Umrühren verhindert, dass sich die Stärke am Grund absetzt. 

4. Füllen Sie die abgekühlte Mischung in eine Sprühflasche um

5. Besprühen Sie unliebsame Pflanzen in geringem Abstand mit der Mischung. Halten Sie etwa 10 cm Abstand zu Ihren Zier- und Nutzpflanzen, um diese nicht zu schädigen. 

Wenn Sie nur einzelne, sehr hartnäckige Unkräuter loswerden wollen, können Sie die Pflanze auch zunächst nur wässern und Ihre Blätter dann mit Natron bestäuben. Jedoch ist davon auszugehen, dass beide Methoden im Abstand von einigen Tagen oder Wochen mindestens drei mal wiederholt werden müssen, ehe eine langfristige Wirkung eintritt. 

Stärke aus Nudeln und Reis

Noch unkomplizierter als die selbstgemachte Natron-Wasser-Mischung ist ein ganz alltägliche Alternative: Das Nebenprodukt, das beim täglichen Kochen anfällt. Das stärkehaltige Wasser, dass beim Reis- und Nudeln kochen übrig bleibt ist ein effektives Hausmittel gegen Unkraut! Denn sowohl Reis als auch Nudeln enthalten Stärke, die beim Kochen in das Wasser abgegeben wird. 

Anstatt das Nudelwasser in den Abfluss zu gießen, sollten Sie es auffangen und - gerne noch kochend heiß - über unliebsame Beikräuter gießen. Dieses Hausmittel so einzusetzen hat gleich zwei vernichtende Effekte: 

  1. Die enthaltene Stärke verstopft, wie bei Natron, die Poren der Pflanzen und sie stirbt mit der Zeit ab.

  2. Das kochende Wasser verbrennt die oberen Pflanzenteile und lässt diese Absterben. 

Natürlich können Sie auch eigens für diesen Zweck aufgekochtes Wasser nutzen. Allerdings ist das eine weniger nachhaltige Möglichkeit. Sowohl das Wasser selbst als auch die Energie, die benötigt wird, um es aufzuheizen, sind beim Essen kochen deutlich besser genutzt, als wenn Sie das Wasser nur kochen, um damit Ihr Unkraut zu vernichten. 

Brennnesseljauche

Sie ist ein wahres Wundermittel im Garten: Richtig auf- und eingesetzt kann Brennesseljauche sowohl als Dünger, zur Schädlingsbekämpfung oder auch zur Unkrautvernichtung genutzt werden. Letzteres gleich in zweifacher Hinsicht, denn Brennesseln gelten in vielen Gärten als unliebsames Unkraut. Um eine Jauche zur Bekämpfung der nervigsten Unkräuter herzustellen, gehen Sie wie folgt vor: 

  1. Ernten Sie etwa ein Kilo gesunde, kräftige Brennnesseln. Tragen Sie dafür dicke Gartenhandschuhe. Junge Pflanzen eignen sich am Besten. Haben Sie keine Brennnesseln im Garten, können Sie auch an Wegesrändern sammeln. Soll Ihre Jauche auch als Dünger dienen, achten Sie darauf, dass die Pflanzen nicht unmittelbar an starkbefahrenen Straßen wachsen, dort ist die Schadstoffbelastung sehr hoch. 

  2. Zerkleinern Sie Blätter und Stiele grob mit einer Küchenschere. Dadurch wird der Prozess der Fermentation beschleunigt.

  3. Geben Sie die zerkleinerten Brennnesseln in einen verschließbaren Plastikeimer und geben Sie 10 Liter Regenwasser hinzu. Haben Sie kein Regenwasser aufgefangen, können Sie auch kalkarmes Leitungswasser nutzen. Schließen Sie den Deckel.

  4. Rühren Sie die Jauche täglich um. Während die Jauche fermentiert, wird sie stark zu riechen beginnen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Fermentation richtig abläuft. 

  5. Nach 10 bis 14 Tagen ist die Brennnesseljauche bereit für ihren Einsatz. Seihen Sie die Brühe über einem weiteren Eimer ab. Grobe Bestandteile, die im Sieb oder Tuch übrig bleiben, können Sie auf den Kompost geben.

  6. Die übrige Brühe hat nun eine sehr hohe Konzentration. Nutzen Sie zum Ausbringen eine Gießkanne mit schmaler Tülle oder eine Sprühflasche. So stellen Sie sicher,  dass die hochkonzentrierte Brennesseljauche als Herbizid gezielt auf die unerwünschten Pflanzen gelangen und keine erwünschten Pflanzen zu schädigen.

Mein Tipp:

Brennesseljauche ist ein hervorragender Dünger! Verdünnen Sie die Jauche im Verhältnis 1:10 mit Gießwasser und verwöhne deine Zier- und Nutzpflanzen etwa alle 2 Wochen mit der stärkenden Mixtur. So setzen sie sich auch besser gegen Unkräuter durch.

Die Jauche stört die empfindlichen Prozesse innerhalb der Pflanze und hemmt das Wachstum. Bei hartnäckigen Unkräutern sind mehrere Behandlungen nötig. Je jünger die Pflanze, desto erfolgsversprechender ist die Behandlung mit dem natürlichen Hausmittel. In jedem Fall sollten Sie das Unkraut noch vor der Blüte behandeln, damit es sich nicht weiter versamen kann. 

Schlaue Helfer für die Unkrautvernichtung

Neben Hausmitteln und den gängigen Unkrautvernichtungsmitteln gibt es diverse Geräte, die ebenfalls unliebsame Pflanzen zwischen Steinplatten entfernen – ohne, dass Sie das Unkraut mit der Hand jäten müssen. 

Hochdruckreiniger

Mit einem Hochdruckreiniger lassen sich vermooste Oberflächen und verunkrautete Fugen kinderleicht reinigen. Achten Sie darauf, dass der Wasserstrahl die Fugen etwa im 45 Grad-Winkel treffen. So werden Moos und Unkräuter ausgeschwemmt, aber die Erde oder das Fugenmaterial spritzt nicht mehr als nötig umher. Durch das Wasser wird der Boden aufgeweicht und durch den Druck reißen das Unkraut samt Wurzel heraus.

Haben Sie einen Heißwasser-Hochdruckreiniger sollten Sie die Temperatur hochregeln, so werden eventuell zurückbleibende Wurzeln durch das heiße Wasser so weit geschädigt, dass Sie absterben und kein Unkraut nachwächst. 

Während die Vorteile klar auf der Hand liegen: Diese Methode ist effektiv und schnell - gibt es auch ein paar Nachteile: Das Fugenmaterial wird beschädigt oder ausgespült und es wird Wasser verschwendet. Nachhaltigere Alternativen sind Unkrautjäten und die richtige Vorbeugemaßnahmen. 

Unsere Kollegen von selbst.de haben Hochdruckreiniger ausführlich getestet, erfahren Sie mehr im Artikel:

Abflammgerät

Beim Abflammen setzt man eine Flamme ein, die die Zellen der Pflanzen zum platzen bringen. Diese Methode ist schnell und für den Anwender beinahe mühelos. Sie sollten ein Abflammgerät jedoch nur auf Oberflächen anwenden, die sehr stark hitzebeständig sind. Andernfalls können Terrassenbeläge und Pflastersteine Schaden nehmen. 

Wenn Sie sich für das Abflammgerät entscheiden, müssen Sie vermutlich öfter anrücken: Die Pflanze wird nur oberflächlich absterben und die Wurzeln verbleiben in der Erde. Daraus wachsen nach einiger Zeit wieder neue Pflanzen empor. 

Fugenbürste und Fugenkratzer

Der Klassiker unter den Gartengeräten ist und bleibt die Fugenbürste. Sie hat gleich mehrere Vorteile: Sie ist in der Anschaffung deutlich günstiger als Hochdruckreiniger und Abflammgeräte, in der Handhabung weniger gefährlich und zudem sehr nachhaltig: Wird sie richtig angewendet, werden Wurzeln mitentfernt und die Untkräuter komme nicht so schnell zurück. 

Fugenkratzer und -bürste unterscheiden sich in der Anwendung nicht: Mit beiden Geräten entfernen Sie die Unkräuter aus den Fugen mechanisch. Ein Fugenkratzer ist oft schmaler als die Bürste und eignet sich für sehr schmale Fugen besser. Die Bürste schont die Platten und Steine.

Beide Geräte sind sehr effektiv und halten die Fugen lange sauber und Unkrautfrei, da die Wurzeln mit entfernt werden.

Unkraut-Unterdrücker: So beugen Sie effektiv vor

Wie immer ist die beste Methode der Unkrautbekämpfung das Vorbeugen! Sie können sowohl in Ihren Beeten, als auch in den Fugen Materialien ausbringen, die das Wachsen von Unkraut stark hemmen. 

Fugensand

Füllen Sie Ihre Fugen mit Fugensand auf! Dieser Sand ist so fein, dass er Fugen perfekt ausfüllt und Unkräutern keinen Raum bietet. Außerdem werden nur Stoffe verwendet, die sehr nährstoffarm sind und so keine gute Lebensgrundlage für Pflanzen stellen. 

Achten Sie bei der Produktwahl darauf, ob der gewählte Fugensand für Ihre Platten und Steine geeignet ist und wie breit und tief die Fugen sind, die Sie mit dem Sand füllen wollen. Die Hersteller geben genau an, welcher Fugensand für welche Fuge passend ist. 

Rindenmulch

Als vorbeugende Maßnahme gegen Unkraut in Beeten ist Rindenmulch ein bewährtes Mittel. Dafür müssen Sie allerdings überprüfen, ob Ihre Pflanzen den Mulch vertragen. Falls ja, geben Sie Mulch direkt um die Pflanze herum. Unkraut hat nun Schwierigkeiten zu wachsen. 

Wenn Sie größere Mengen Rindenmulch für Ihren Garten benötigen, können Sie auch im Internet für Ihren Wohnort schauen. Insbesondere nach Baumfällarbeiten fällt meist Rindenmulch an, welches für Selbstabholer günstig abzugeben ist.

Essbare Unkräuter: Vitaminbomben und Heilmittel

Die wohl schönste Art der Unkrautvernichtung ist das Verarbeiten der oft sehr nützlichen Beikräuter! Informieren Sie sich, welche Pflanzen dort in Ihrem Garten wachsen. Viele sind essbar oder haben einen Nutzen in der Heilkunde oder Kosmetik. Oft sind Unkräuter gar keine nutzlosen Pflanzen, sondern leckere Wegbegleiter. Hier erfahren Sie alles über die wichtigsten Wildkräuter.