Nach ihrer traumatischen Kindheit

Andrea Sawatzki: Erst als Erwachsene fand sie ihren Frieden

Viele Jahre versuchte die Schauspielerin vor ihrer traurigen Kindheit zu flüchten, jetzt erzählt sie ihre Geschichte.

Andrea Sawatzki in einem schwarzen Blazer mit leichtem Lächeln
Andrea Sawatzki hatte keine leichte Kindheit. Heute hat sie Frieden mit ihrer Vergangenheit geschlossen. Foto: Getty Images / Tristar Media / Kontributor

Als Kind sollte das Leben bunt, leicht und fröhlich sein. Andrea Sawatzkis Kindheit hingegen war dunkel, schwer und traurig. Denn schon mit acht Jahren musste sie ihren demenzkranken Vater pflegen. Eine traumatische Erfahrung, die die Schauspielerin viele Jahre verdrängen wollte. Zu schmerzvoll waren die Erinnerungen und die seelischen Verletzungen, die sie als kleines Mädchen erlitten hatte. Jetzt – über 50 Jahre später – hat die Künstlerin den Mut gefasst, ihr Schicksal mit der Welt zu teilen. Der autobiografische Roman 'Brunnenstraße' erzählt von ihrer Vergangenheit. Sich mit ihrer Kindheit auseinanderzusetzen, half ihr, die Dinge klarer zu sehen, und endlich konnte sie ihren Frieden finden.

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Ihr Vater war Andrea Sawatzki fremd

Andrea Sawatzki war die ersten Jahre ihres Lebens ein fröhliches Mädchen, rothaarig, mit vielen Sommersprossen. Sie war das Kind einer kurzen Affäre, weshalb sie und ihre Mutter allein lebten. Bis Andrea acht Jahre alt war. Von da an änderte sich ihr Leben schlagartig. Später erinnerte sie sich an diesen Moment: "Mein Vater war Mitte 60, seine Frau war verstorben. Meine Mutter bewunderte diesen klugen, gebildeten Mann noch immer. Also zogen wir zu ihm in seine Wohnung in der Brunnenstraße." Mit diesem Umzug endete Andreas Kindheit. Günther Sawatzki war mittlerweile hoch verschuldet und krank. So musste ihre Mutter als Krankenschwester viele Nachtschichten übernehmen. Währenddessen pflegte die kleine Andrea ihren Vater – einen für sie fremden Mann.

Ausführlich erzählt Andrea Sawatzki in ihrem neuen autobiografischen Roman von ihrer traumatischen Kindheit:

Die kleine Andrea Sawatzki sah keinen Ausweg aus ihrer Lage

Das kleine Mädchen badete und fütterte ihn. Mit den Jahren wurde er durch seine Demenz zornig, immer aggressiver. "Mir hat vor allem die Unruhe zu schaffen gemacht, die Stimmungsumbrüche, die Versuche abzuhauen." Andrea war verunsichert und total überfordert.

Ihre Mutter hatte ihr nie richtig erklärt, was mit ihrem Vater los ist, dass er krank ist. Viele Male wünschte sie sich seinen Tod, damit ihr Leiden endlich ein Ende hat. Doch gleichzeitig schämte sie sich für diese Gedanken.

Ehemann und Kinder waren Andrea Sawatzkis Rettung

Als ihr Vater einige Jahre später wirklich starb, brachte es der 15-Jährigen nicht die erhoffte Erleichterung. Die jugendliche Andrea fing an zu rebellieren, schwänzte die Schule und rutschte sogar in die Drogenszene ab. Sie wollte einfach nur vergessen. Später glaubte sie, die Schauspielerei könnte ein Weg sein, Frieden zu finden: "Ich habe versucht, mich zu therapieren, indem ich mich in andere Menschen verwandelt habe." Sie fand viele Jahre keine Erlösung – bis sie selbst Mutter wurde.

Das Wunder, das in ihr heranwuchs, löste plötzlich den starken Wunsch in der Schauspielerin aus, nicht länger vor ihrer Kindheit zu flüchten. Daraufhin suchte sie immer wieder das Gespräch mit ihrer Mama. Andrea hatte gehofft, dass Mutter und Tochter die Vergangenheit gemeinsam aufarbeiten könnten. Aber, "das fiel ihr schwer". Den nötigen Halt gab ihr dann Ehemann Christian Berkel (64). "Er steht mir immer zur Seite, und würde mich nie im Stich lassen." Auch das Muttersein half ihr: "Durch die Erziehung und das Zusammensein konnte ich meine eigene Kindheit wahrnehmen, das Muster meiner Erziehung durchbrechen und anders handeln als meine Eltern. Meine beiden Kinder sind meine größte Rettung."

Wie ihr Leben wohl ohne Ehemann Christian heute aussehen würde (der Artikel geht unter dem Video weiter)?

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Endlich kann Andrea Sawatzki Liebe für ihren Vater empfinden

Außerdem begann die Schauspielerin, Bücher über Demenz und Alzheimer zu lesen. "Dabei kamen Bilder hoch, die ich ausgeblendet hatte." Je mehr sie sich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer wurde ihr, dass ihr Vater selbst ein Opfer seiner Krankheit war. Endlich verstand sie, was damals passierte, und ihre alten Wunden begannen zu heilen. Sie fand einen Weg zurück ins Leben.

Vor zwei Jahren fielen ihr dann alte Briefe von ihrem Vater in die Hände. Beim Lesen erkannte sie zum ersten Mal in ihrem Leben den Mann, für den ihre Mutter all die Jahre schwärmte. Den klugen und gebildeten Journalisten. Plötzlich entwickelte sie so etwas wie eine Liebe zu ihrem Vater. Die Schauspielerin bekam so viele Jahre später endlich die Chance, sich mit ihrem Vater zu versöhnen und Frieden mit ihrer schweren Kindheit zu schließen.

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