Cortisol-Spiegel

Was ist das Cushing-Syndrom beim Hund?

Morbus-Cushing beim Hund führt zu einem erhöhten Cortisol-Wert. Was hinter der Erkrankung steckt, erfahren Sie im Artikel.

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Ihr Hund verliert Fell und bekommt plötzlich einen dicken Bauch? Wenn er zusätzlich noch vermehrt trinkt, kann das Cushing-Syndrom der Auslöser dieser Symptome sein.

Morbus Cushing beim Hund ist eine Krankheit, die durch ein Hormonungleichgewicht entsteht. Der Körper Ihres Tieres produziert dabei zu viel des sogenannten Cortisol. Auf Dauer hat das schwerwiegende Folgen und führt sogar zum Tod. Umso wichtiger ist es daher, frühzeitig zu handeln. An welchen Symptomen Sie das Cushing erkennen und was die nächsten Schritte nach einer Diagnose sind, erfahren Sie im Artikel. Außerdem hat Liebenswert die Tierärztin Dr. Birgit Rüschoff zu der Krankheit und dem Umgang mit ihr befragt.

Unsere Expertin

Dr. Birgit Rüschoff ist Fachtierärztin für Reptilien und Amphibien und seit 1990  Jahren selbständig in der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Altona. Die Tierarztpraxis Altona ist seit Juni 2023 Teil eines Praxisverbundes und wird jetzt unter dem Namen Veternicum Altona GmbH geführt.

Behandlungsschwerpunkte: Internistik, Weichteiloperationen bei allen Kleintieren (Hunde, Katzen, Heimtiere, Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten).

Alle weiteren Informationen unter www.tierarzt-hh-altona.de

Was ist das Cushing-Syndrom?

Morbus Cushing ist tatsächlich eine der häufigsten hormonelle Störungen, die bei den Fellnasen festgestellt wird. Der Körper des Hundes produziert zu viel Cortisol, was auf Dauer sehr gefährlich wird. Der Grund für die Überproduktion kann unterschiedlich sein. Zum einen gibt es das exogene Cushing, hier ist die Erkrankung von "außen" gemacht. Dieses kann auftreten, wenn dem Tier über einen langen Zeitraum Cortison verabreicht wurde, zum Beispiel als Entzündungshemmer, oder während einer Krebsbehandlung.

Generell kann aber der Kontakt zu Cortison eine Gefahr darstellen, wie die Expertin erklärt: "Wenn der Halter oder die Halterin eine Cortisoncreme auf die Haut auftragen, zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden oder Neurodermitis, kann das gefährlich sein. Viele Hunde beginnen dann diese Creme und somit auch das enthaltene Cortison abzuschlecken und aufzunehmen. Das kann bei den Hunden ebenfalls zu Symptomen führen."

Viel häufiger ist allerdings das sogenannte endogene Cushing. Hier entsteht es durch 85 Prozent durch einen Tumor an der Hirnanhangsdrüse, der sogenannten Hypophyse. Das kleine Organ an der Basis des Hirns ist hier auch namensgebend, denn diese Form wird hypophysäres Cushing-Syndrom genannt. Eine Anomalie der Hypophyse führt zu einer erhöhten ACTH-Produktion. Dieses Hormon steuert für das Organ die Ausschüttung von Cortisol.

Aber nicht nur die Hirnanhangsdrüse kann der Auslöser für Cushing sein! Die anderen 15 Prozent sind auf einen Tumor an der Nebennierenrinde zurückzuführen. Diese Form wird adrenales Cushing-Syndrom genannt.

Unter diesen Formen vom Cushing-Syndrom, leiden besonders ältere Hunde, ab circa 8 Jahren. Auch hat sich gezeigt, dass eine Hündin einem höheren Risiko ausgesetzt ist, die Erkrankung zu entwickeln, als Rüden.  

Cushing Syndrom beim Hund
Das Cushing-Syndrom beim Hund entsteht durch einen zu hohen Cortisol-Wert. Foto: IMAGO / CHROMORANGE

Die Cortisol-Produktion der Nebennieren

Auslöser der Beschwerden ist ein zu hoher Spiegel an Cortisol im Blut, doch was genau bedeutet das? Das Hormon Cortisol gehört, wie auch Cortison, zu den sogenannten Glukokortikoiden. Diese werden in der Rinde der Nebenniere des Hundes produziert und sind in der Lage den Glukose-Spiegel im Körper zu erhöhen.

Das Hormon Cortisol ist für einen geregelten Schlafrhythmus und die Fettverbrennung zuständig. Ist der Wert zu niedrig, entsteht das lebensbedrohliche Krankheitsbild Morbus Addison, dessen Verlauf in der sogenannten Addison-Krise gipfelt. Hier sind die Nebennieren fast vollständig zerstört. 

Der Körper des Tieres reagiert aber auch massiv auf einen zu hohen Cortisol-Spiegel. Hier entsteht das sogenannte Cushing-Syndrom.

Welche Rassen betroffen sind

Bei manchen Rasen konnte ein vermehrtes Auftreten des Cushing-Syndroms festgestellt werden, was auf eine genetische Vorbelastung schließen lässt. Daneben ist ein weiterer Risikofaktor das Alter des Tieres.

 Zu den Rassen, die am häufigsten unter der hormonellen Störung leiden, gehören:

  • Dackel

  • Beagle

  • Pudel

  • Terrier

  • Boxer

Wie äußeren sich beim Hund Cushing-Symptome?

Morbus Cushing kann sich durch die unterschiedlichsten Symptome äußern, was ein Erkennen der Erkrankung oftmals kompliziert macht. Hinzu kommt, dass die wenigstens Hunde wirklich alle Auffälligkeiten zeigen. Meist können zwei oder drei der Symptome beobachtet werden.

Achtung: Sollten Sie vermuten, dass Ihr Tier krank ist, suchen Sie bitte umgehend einen Tierarzt auf!

Die typischen Anzeichen sind unter anderem:

Übermäßiges Trinken 

Die Tiere trinken plötzlich und ohne anderen ersichtlichen Grund mehr als früher.

Urin lassen

Auch muss das Tier häufiger die Blase entleeren, das kann auch unwissentlich im Schlaf geschehen.

Gesteigerter Appetit

Fellnasen mit Cushing haben meistens großen Heißhunger und nehmen an Gewicht zu.

Haarverlust ohne Nachwachsen

Morbus Cushing kann zu extrem dünnen Fell und vollständigem Haarverlust führen. Haarverlust tritt meistens entlang des Rückens, Schwanzes und den Hinterbeinen auf.  Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sich der Verlust auf den ganzen Körper ausbreiten.

Dünne Haut

Nicht nur das Fell wird durch die Erkrankung dünner, beim Cushing-Syndrom leidet auch die Haut. Durch den erhöhten Cortisol-Spiegel wird die Haut nicht nur dünner, sondern kann auch dunkel pigmentiert sein. Durch Kalzium-Einlagerungen können auch weiße Punkte entstehen.

Muskelschwäche und Muskelschwund

Das Cortisol greift nicht nur die Haut und Haare an. Auch die Muskeln leiden an einem zu hohen Wert. Eine Muskelschwäche erkennen Sie daran, dass Ihr Liebling nicht mehr so gut die Treppen hochkommt oder beim Gassigehen schneller erschöpft ist.

Stammfettsucht

Ein sehr klassisches klinisches Symptom ist die sogenannte Stammfettsucht. Hier lagert sich vermehrt Fett am Bauch an, während die Beine an Muskeln verlieren.

Organische Probleme

Als Begleiterscheinung kann der Hund die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus und Probleme mit der Leber entwickeln. Ein ständig erhöhter Cortisol-Wert führt auf Dauer auch zu einem erhöhten Blutdruck. Durch diesen kann es bei Morbus-Cushing zu Blutungen im Augen kommen.

Nun können noch geschlechterspezifische Symptome auftreten. Hündinnen werden womöglich nicht mehr läufig und die Hoden der Rüden verkleinern sich. 

Im Gespräch erklärt die Ärztin, dass der dicke Bauch und die dünne Haut die Hauptindizien sind, um auf das Cushing-Syndrom zu schließen. Erkennen Sie diese Symptome, sollte der Tierarzt diesem Verdacht dringend nachgehen.

Bilder von Morbus Cushing

Die typischen Cushing-Symptome finden Sie in unserem Slider dargestellt.

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Cushing Syndrom Bilder
Foto: Collage von Liebenswert.de (Lena Matrosova) 6 iStock (nadia_bormotova)

Ein klassisches Symptom von Cushing beim Hund ist der dicke Bauch.

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Foto: Collage von Liebenswert.de (Lena Matrosova) 6 iStock (nadia_bormotova)

Ihr Liebling verliert womöglich große Mengen an Haar, ohne dass es nachwächst.

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Foto: Collage von Liebenswert.de (Lena Matrosova) 6 iStock (nadia_bormotova)

Des Weiteren wird die Haut dünner und es kommt durch den hohen Cortisol-Spiegel zu dunklen Pigmentierungen.

So erfolgt die Diagnose vom Cushing-Syndrom

Die Symptome von Cushing beim Hund sind sehr divers, weshalb viele unterschiedlich Arten von Tests durchgeführt werden. Meistens aber werden für die Diagnose direkt Blut und Urin untersucht. Auch werden bildgebende Verfahren wie der Ultraschall eingesetzt.  Mit diesem können nicht nur mögliche Tumore, sondern auch vergrößerte Nebennieren dargestellt werden. In einigen Fällen wird auch der Brustraum und die Bauchhöhle geröntgt.

Verhärtet sich der Verdacht auf Cushing, werden danach Hormontests durchgeführt, so der Dexamethason-Screening-Test.

Dexamethason-Screening-Test

Dieser stellt den Cortisol-Wert im Körper des Tieres fest. Beim Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest wird dem Hund Dexamethason gespritzt. Einmal wird vor der Injektion, dann circa nach 4 und 8 Stunden Blut abgenommen. 

Bei gesunden Tieren wird dadurch die Ausschüttung von Cortisol unterdrückt, dementsprechend ist der Wert der letzten Blutprobe niedriger. Bei erkrankten Tieren ändert sich der Wert hingegen nicht. 

ACTH-Stimulationstest

Des Weiteren gibt es den sogenannten ACTH-Stimulationstest. Hier wird getestet, wie die Nebenniere auf die Gabe von ACTH reagiert. Auch hier wird einmal vor der Gabe und circa 1-2 Stunden danach Blut abgenommen.

Bei gesunden Tieren steigt der Cortisol-Wert nur gering, bei Cushing-Hunden schießt er hingegen in die Höhe. 

Behandlung und Therapiemöglichkeiten der Erkrankung

Die Therapie hängt vom Ergebnis der Tests ab. Die gängigste Art der Behandlung ist die lebenslange Gabe von Medikamenten. Hierzulande ist tatsächlich nur ein Medikament zugelassen, das den Wirkstoff Trilostan enthält. Dadurch soll die Cortisol-Produktion der Nebennieren gehemmt werden. Ist der Hund in Behandlung, sind trotzdem regelmäßige Kontrollen wichtig, um den Cortisol-Spiegel zu überprüfen und eine Überdosis des Medikamentes zu verhindern.  Wichtig ist auch, dass die Behandlung lebenslänglich erfolgt und das Medikament regelmäßig eingenommen wird.

Bei einem Tumor der Nebennieren kann durchaus auch eine OP eine Option sein. Die ist aber anspruchsvoll und auch nicht immer möglich. So darf der Tumor nicht streuen und die Nebenniere gut zu entfernen sein. Hat der Ultraschall zum Beispiel einen beidseitigen Tumor ergeben, ist die OP riskant, wie die Ärztin erklärt. "Müssten beide Nebennieren entfernt werden, wird auch gesundes Gewebe entfernt. Da die Nebenniere auch andere Zuständigkeiten hat, so zum Beispiel die Testosteron-Produktion, kann es bei einer vollständigen Entfernung zu weiteren Komplikationen kommen." Gelingt die OP, ist eine Heilung möglich, da die krankhafte Nebenniere nun nicht mehr das Signal zur Cortisol-Produktion sendet. 

Liegt der Tumor an der Hirnanhangsdrüse gestaltet sich eine OP sehr schwer, oft ist hier auch eine medikamentöse Behandlung der Weg. 

Cushing beim Hund: Lebenserwartung und Prognose

Das hängt ganz von der Ursache ab. Generell ist die Lebenserwartung, wenn das Cushing-Syndrom entdeckt und behandelt wurde, dennoch sehr gut. Die Tierärztin kann Haltern hier die Angst um Ihre Lieblinge nehmen: "Auf das Medikament, das heute genutzt wird, kann man die Tiere sehr gut einstellen. Um die richtige Dosis zu finden, muss regelmäßig der Cortisol-Spiegel im Blut gemessen werden. Aber dann ist Cushing längst kein Todesurteil mehr. " Ganz im Gegenteil! Wenn das Tier gut auf das Medikament eingestellt ist, kann er ein normales Leben führen und gleicht einem gesunden Hund.

Auch das exogene Cushing ist gut zu behandeln, wie Dr. Rüschoff im Interview erklärt. "Wurde das Cushing durch eine Cortison-Behandlung ausgelöst, wird das Medikament langsam und vorsichtig abgesetzt, bis der Körpers des Tieres wieder selbständig Cortisol produziert."

Wird Cushing allerdings nicht behandelt, führt das zum Tod des Tieres!

Was gibt man einem Cushing-Hund zu fressen?

Neben der Gabe des Medikaments ist eine Ernährungsumstellung wichtig. Die Fellnasen sollten mehrmals täglich gefüttert werden. Um das Immunsystem Ihres Lieblings zu schonen, sollte das Essen vorgekocht und auf Rohmahlzeiten verzichtet werden. Um die Leber zu entlasten und Übergewicht abzubauen, muss auf den Fettgehalt geachtet werden. Auch die Kohlenhydrate müssen geprüft werden, um den Insulin-Spiegel im Rahmen zu halten. Allgemein wird Getreide, wie zum Beispiel Reis, nicht mehr so gut vertragen. Für den Vierbeiner heißt es daher meistens Schonkost, also leicht verdauliches Futter.

Magerer Fisch und Geflügel eignen sich sehr gut für die Fütterung. Auch ein kleiner "Schuss" hochwertiges Öl kann das Fressen des Tieres aufwerten. Leckerlis sind für die Tiere ebenfalls nicht tabu! Allerdings sollten man hier auf fettarme und getreidefrei Produkte zurückgreifen, am besten auf Obst- und Gemüsebasis. Als Snack eignet sich außerdem proteinreiches Muskelfleisch.

Wie kann vorgebeugt werden?

Bedauerlicherweise kann Cushing nicht vorgebeugt werden. Sollte Ihr Hund länger mit Cortison behandelt werden, muss der Patient regelmäßig beim Tierarzt vorgestellt werden.

Quellen

  • Tierärzteverlag

  • Tiermedizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität

  • AniCura Schweiz