Wie im Zeitraffer Warum die Zeit immer schneller vergeht, wenn wir älter werden

Im Alter ticken die Uhren nicht nur gefühlt schneller als in jungen Jahren. Woran das liegt und welche Rolle unsere Erinnerungen dabei spielen.

Manchmal scheint es, als hätte jemand an der Uhr gedreht – und zwar im Turbogang! Je älter wir werden, umso stärker wird auch das Gefühl, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Gerade war noch Ostern, jetzt liegen schon wieder die Lebkuchen im Supermarktregal. Das war doch früher anders! Als Kind dauerten allein die 24 Tage bis Weihnachten eine halbe Ewigkeit. Auch als Jugendlicher und junger Erwachsener erschien ein Jahr noch als richtig lange Zeit.

 

Darum vergeht die Zeit tatsächlich schneller

Die schlechte Nachricht vorab (es kommt auch noch eine gute): Unser Gefühl trügt nicht. Dr. Marc Wittmann ist Psychologe und der Experte für Zeitwahrnehmung in Deutschland. Er hat etliche Menschen zu dem Thema befragt und sagt: "Die Weisheit, dass die Zeit mit zunehmendem Alter schneller vergeht, ist heute eine bewiesene Tatsache." Es ist ein Phänomen, dass zumindest die Menschen in allen Industrienationen kennen.

Wittmann weiß auch, was dahintersteckt: "Es liegt an unserer Erinnerung." Alles, was wir zum ersten Mal machen, bleibt nachhaltig im Gedächtnis. "Und wenn wir jung sind, erleben wir viele Sachen zum ersten Mal", so Dr. Wittmann. Der erste Schultag, der erste große Streit mit den Eltern, der erste Kuss, der erste Job, die erste eigene Wohnung ... Am Anfang unseres Lebens passiert viel, was für immer im Kopf bleibt. Und je mehr intensive Erinnerungen wir an einen Zeitraum haben, desto länger kommt er uns vor.

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Doch irgendwann holt uns die Routine ein: Arbeit, Haushalt und dann das Abendprogramm auf dem Sofa. Prägnante Erlebnisse werden seltener – auch, weil Menschen in der Regel mit zunehmenden Alter weniger offen für Neues sind. Und schon läuft die Zeit gefühlt schneller.

Hinzu kommt, dass Erwachsene stärker ihr Leben in Kategorien ordnen. Das ist effektiv, führt aber dazu, dass mehrere Erlebnisse in der Erinnerung zu einem einzigen Erlebnis verschmelzen. Beispiel: Der Weinabend und der Grillnachmittag mit denselben Freunden kommt in die Kategorie 'Spaß mit meinen Freunden gehabt'.

 

Wege aus der Routine im Alter

Doch jetzt endlich zur guten Nachricht: Menschen können die Zeit zwar nicht anhalten, aber wenigstens etwas bremsen! Zum Beispiel, indem doch wieder ein paar erste Male erlebt werden. "Den Effekt kennen wir aus dem Urlaub", sagt Dr. Wittmann. Kaum ist der Reisende an einem neuen Ort mit neuen Gerüchen, neuen Speisen, neuer Umgebung und neuen Menschen, schon erscheinen sieben Tage viel länger als eine Woche in unserem nahezu uniformen Alltag.

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Natürlich kann man nicht ständig in den Urlaub fahren – aber mal ins Theater gehen statt ins Kino (oder andersherum). Oder in einem unbekannten Restaurant essen statt im Stammlokal. Oder man probiert ein neues Hobby aus oder besucht einen Kursus an der Volkshochschule. Auch neue Bekanntschaften lassen die Zeit langsamer vergehen. Hauptsache, es macht Spaß – denn ein Haufen schlechter Erinnerungen sind auch nicht besser als die immer schneller verfliegende Zeit ...

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