Therapiemöglichkeiten Wundermittel Botox? Was das Nervengift alles kann

Wundermittel Botox: Was das Nervengift alles kann
Der Wirkstoff Botulinumtoxin (im Volksmund auch Botox genannt) muss extrem verdünnt verabreicht werden.
Inhalt
  1. Glücklich-Macher
  2. Schiefhals-Geraderücker
  3. Fersensporn-Heiler
  4. Kopfschmerz-Killer
  5. Blasen-Freund
  6. Kiefer-Entspanner

Das Nervengift Botox macht Karriere. Wir kennen es von den roten Teppichen, als dezenten Verbündeten der Stars gegen Stirnfalten und peinliche Schwitzflecken – doch es kann noch viel mehr!

"793 Beschwerden, ein Mittel dagegen" titelte kürzlich das amerikanische Time-Magazine. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Dennoch: Botulinumtoxin (Botox ist nur einer von vielen Markennamen) gelingt gerade der Durchbruch vom Lifestyle-Mittelchen zum ernst zu nehmenden Medikament. Psychiater, Neurologen, Orthopäden und Zahnärzte behandeln damit bereits erfolgreich hartnäckige Beschwerden. Noch ist es selten das erste Mittel der Wahl, bietet oft aber eine weitere Therapiemöglichkeit, wenn die klassischen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Wann es uns weiterhelfen kann:

 

Glücklich-Macher

Hoffnung für alle, die im Seelentief feststecken: Botox kann Depressionen lindern. Der Glücks-Effekt fiel zuerst bei Patienten auf, die sich die Sorgenfalten hatten glätten lassen. Wir erleben negative Gefühle mit gelähmter Gesichtsmuskulatur offenbar nur noch abgeschwächt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass unsere Mimik Emotionen nicht nur ausdrückt, sondern über eine Feedback-Schleife auch verstärkt.

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Schiefhals-Geraderücker

Morgens völlig verdreht aufgewacht? Achtung! Ein schiefer Hals kann auf eine ernste neurologische Erkrankung hinweisen. Meistens entsteht er aber aus banaleren Gründen – etwa durch Wirbelblockaden oder Zugluft. Trotzdem trifft es uns manchmal so hart, dass wir den Kopf über Wochen nicht gerade halten können. Dann schlägt die Stunde des Botox: Gezielt Muskelpartien zu entspannen bringt deutliche Besserung, oft verschwinden die Symptome sogar ganz.

 

Fersensporn-Heiler

Bei Fersensporn und Tennisarm handelt es sich um Entzündungen am Sehnenansatz und am zuständigen Muskel, die meistens durch Überlastung entstehen. Botox unterbricht den Zug des Muskels auf die entzündete Sehne – die Schmerzen lassen nach und die Entzündung klingt ab. Schonung muss natürlich trotzdem für einige Wochen sein.

 

Kopfschmerz-Killer

Dass Botox gegen Migräne hilft, fiel ebenfalls als Zusatzeffekt bei Anti-Falten-Behandlungen auf. Wenn zahlreiche Muskeln im Stirn- und Schläfenbereich entkrampft werden, fällt das Gewitter im Kopf schwächer aus. Legt man zusätzlich noch Muskeln im Hals- und Nackenbereich lahm, verstärkt sich die Wirkung. Krankenkassen zahlen die Giftspritzen sogar, allerdings nur bei chronischer Migräne. Die attestiert uns der Arzt, wenn wir mindestens drei Monate lang an 15 Tagen oder mehr im Monat Schmerzen haben.

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Blasen-Freund

Manchmal fragen wir uns ja wirklich, wer nun eigentlich zuerst nervös war: wir oder unsere Blase? Nach ein paar Botox-Injektionen nehmen wir ihre Launenhaftigkeit jedenfalls gleich viel gelassener. Das Nervengift dämpft die Hyperaktivität des Blasenmuskels. Allerdings sollte sich der Arzt vorsichtig an die richtige Dosierung herantasten – sonst spüren wir den Muskel und den Füllstand unserer Blase vielleicht zeitweise gar nicht mehr. Also: Unbedingt einen erfahrenen Spezialisten aufsuchen – den zahlt übrigens auch die Krankenkasse!

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Kiefer-Entspanner

Wir tun es unbewusst im Schlaf – und erwachen am nächsten Morgen mit Zahn-, Kopf- oder Kieferschmerzen: Nächtliches Zähneknirschen hilft uns, Stress abzubauen. Doch wir reiben uns dabei die Kauflächen ab und schädigen unsere Kiefergelenke. Der Kaumuskel ist zudem der stärkste Muskel unseres Körpers, durch regelmäßiges nächtliches Training kräftigen wir ihn zusätzlich. Schlimmstenfalls wirkt unser Gesicht dadurch härter und maskuliner. Zahnärzte verschreiben üblicherweise eine Aufbiss-Schiene, die unsere Zähne schützt. Doch die ändert nichts an der Überaktivität der Kaumuskeln. Anders Botox: Gezielt gespritzt, entspannt es unseren Kauapparat so sehr, dass das Knirschen und die Schmerzen innerhalb von ein bis zwei Wochen nachlassen.

Gut zu wissen!

  • Botox zählt zu den stärksten Giften
  • Die Menge eines Sandkorns kann 500.000 Menschen töten. Es wird darum nur extrem verdünnt gespritzt.
  • Entdeckt wurde es in Wurst
  • Botox kam früher vor allem in verdorbenen Fleischprodukten vor und führte zu tödlichen Lebensmittelvergiftungen (Botulismus).
  • Seine erste Zulassung erhielt es gegen Schielen
  • US-Behörden erlaubten erst 1989 die medizinische Anwendung des Gifts – gegen Schielen und Lidzucken.
  • Der Anti-Falten-Effekt war eine Nebenwirkung
  • Bei der Anwendung an den Augen fiel er zufällig auf.
  • Nur Ärzte dürfen es anwenden
  • Botulinumtoxin gilt als Medizinprodukt. Arzthelferinnen, Heilpraktiker oder Kosmetikerinnen dürfen damit nicht behandeln

 

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