Experte im Interview Weltherztag 2019: Diese neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt es

Im Interview hat Prof. Dr. Rassaf mit uns über schonende Verfahren in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesprochen. 

Prof. Dr. Rassaf im Liebenswert-Interview.
Mithilfe minimal-invasiver Verfahren lassen sich mittlerweile viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandeln.
Inhalt
  1. Weltherztag am 29. September 2019
  2. TAVI-Verfahren zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen 
  3. Interventionelle Verfahren sind vor allem für ältere Patienten von Vorteil
  4. Prof. Dr. Rassaf: "Check-up-Untersuchungen sollte jeder wahrnehmen"
 

Weltherztag am 29. September 2019

Zum Weltherztag am 29. September 2019 hat Liebenswert mit Professor Tienush Rassaf, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Essen gesprochen. Im Interview hat der erfahrene Mediziner uns verraten, welche schonenden Behandlungsmöglichkeiten mittlerweile bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einsetzbar sind und wie man sein Herz-Kreislauf-System bestmöglich schützen kann. 

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Liebenswert: Welche neuen, schonenden Behandlungsmöglichkeiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es und was unterscheidet sie von den konventionellen Methoden?

Prof. Dr. Tienush Rassaf: Die Kardiologie hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Einführung neuer, minimalinvasiver und schonender Verfahren hat dazu geführt, dass sehr erfolgreich immer mehr Patienten einer Therapie zugeführt werden können. Das betrifft insbesondere auch die älteren, kränkeren Patienten, die bis vor einigen Jahren beispielsweise aufgrund eines erhöhten Operationsrisikos nicht hätten behandelt werden können. Das betrifft alle Bereiche der Herzmedizin: die Behandlung der koronaren Herzerkrankung mittels schonender Kathetertechniken, die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mittels neuartiger sogenannter Ablationsverfahren, die Behandlung der Herzinsuffizienz mit Einsatz neuartiger diagnostischer und therapeutischer Ansätze und nicht zuletzt die interventionelle Behandlung von Herzklappenerkrankungen. Bei dem sogenannten TAVI-Verfahren für die Behandlung der Aortenklappenstenose wird eine biologische Herzklappenprothese in der Regel über einen kleinen Zugang an der Leistenarterie mittels Katheter implantiert.

 

TAVI-Verfahren zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen 

TAVI ist ein minimal-invasives Verfahren. Das heißt, im Gegensatz zur klassischen Operation sind hierbei weder die Öffnung des Brustkorbs noch der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Die Punktionsstelle im Bereich der Leiste ist in etwa nur so dick wie ein Kugelschreiber. Der Eingriff dauert etwa 25 Minuten. Nach wenigen Tagen können die Patienten in der Regel das Krankenhaus wieder verlassen. Die Eingriffe werden von einem hochspezialisierten Experten-Team aus Kardiologen in Zusammenarbeit mit Anästhesisten und Herzchirurgen vorgenommen. In Essen wenden wir das TAVI-Verfahren mittlerweile rund 300 Mal pro Jahr an.

Ein anderes Beispiel ist die interventionelle Behandlung der Undichtigkeit der Mitralklappe. Hier gibt es verschiedene Ansätze. Durch diese Verfahren können Patienten behandelt werden, die der Herzchirurg klassischerweise aufgrund des erhöhten Alters oder der Komorbiditäten des Patienten nicht hätte operieren können.

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Für welche Patienten kommt die sogenannte TAVI infrage?

Entwickelt wurde das Verfahren speziell für Patienten, die einen Herzklappenersatz benötigen, aber nicht operiert werden können oder bei denen das Risiko für eine klassische Operation zu hoch wäre. Das sind in der Regel ältere Patienten über 75 Jahren. Aber auch Patienten mit Begleiterkrankungen, wie Erkrankungen der Nieren, der Lungen oder Krebs, können von diesem Verfahren profitieren. Neueste Studien weisen darauf hin, dass das Verfahren aufgrund der Entwicklung in den letzten Jahren sogar bei Patienten mit niedrigem Risiko bessere Resultate liefert als die klassische Operation. Hier ist nach wie vor die richtige Patientenselektion von großer Bedeutung.

Man muss immer ganz individuell entscheiden, welches Verfahren das bessere für den Betroffenen ist. Dabei beraten wir uns im Team von mehreren Experten aus der Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie über jeden einzelnen Patienten. 

Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz, die zu krank für eine heilende Herz-Operation sind, können mithilfe der Mitra-Clip-Implantation behandelt werden. Was passiert bei diesem Eingriff und welche Vorteile hat er?

Bei dieser Erkrankung ist die Mitralklappe undicht, also die Klappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer, die den Rückfluss von Blut aus der Kammer in den Vorhof verhindern soll. Über eine Leistenvene wird ein Katheter bis ins Herz geführt. Dort wird ein Clip – das ist wie eine Wäscheklammer – an der Mitralklappe platziert, der beide Segel der Klappe zusammenklammert. Dadurch kann die ungewollte Durchtrittstelle verkleinert oder sogar beseitigt werden. 

Diese Symptome deuten auf einen Herzinfarkt bei Frauen hin: (Das Interview geht unter dem Video weiter)

 
 

Interventionelle Verfahren sind vor allem für ältere Patienten von Vorteil

Auch dieses interventionelle Verfahren wurde für Patienten entwickelt, die zu alt oder zu krank sind für einen operativen Eingriff. Das gilt für etwa ein Drittel der Betroffenen. Der Vorteil ist auch hier, dass der Eingriff minimal-invasiv ist. Patienten sind direkt nach der Implantation wieder wach und können sich am Tag danach normal bewegen.

In Essen arbeiten wir mit einer schonenden Kurznarkose, wie sie zum Beispiel von Darmspiegelungen bekannt ist. Zudem wenden wir ein neues bildgebendes Verfahren an, an dessen Entwicklung unsere Klinik maßgeblich beteiligt war. Durch die Kombination von Ultraschall- und Röntgenaufnahmen in einem Hybrid-Verfahren können wir die Clips schneller, sicherer und präziser implantieren. Während der Eingriff früher fünf bis sechs Stunden gedauert hat, brauchen wir heute nur noch etwa eine Stunde.

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Was kann ich tun, um den Risiken einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eines Schlaganfalles vorzubeugen?

Die bekannten Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, schlechte Cholesterinwerte, Rauchen, Krebserkrankungen und natürlich die genetische Prädisposition, auf die wir allerdings nur bedingt direkten Einfluss haben. Zudem erhöhen Übergewicht und mangelnde Bewegung das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und einen Schlaganfall. Gerade diese letztgenannten Faktoren können wir alle selbst gut beeinflussen. 

Deshalb rate ich immer wieder dazu, auf Nikotin zu verzichten, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, auf sein Gewicht zu achten und sich regelmäßig zu bewegen. Das wirkt sich schließlich auch positiv auf die anderen Risikofaktoren aus.

 

Prof. Dr. Rassaf: "Check-up-Untersuchungen sollte jeder wahrnehmen"

In welchen Abständen sollte ich mein Herz untersuchen lassen?

Die regelmäßigen Check-up-Untersuchungen sollte jeder wahrnehmen. Zwar denken junge Menschen im Allgemeinen weniger über gesundheitliche Risiken nach als ältere, doch Prävention kann gar nicht früh genug starten. Spätestens ab dem 40. Geburtstag sollte sich jeder einmal jährlich von seinem Hausarzt untersuchen lassen. Das gilt insbesondere, wenn einer der Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine familiäre Vorbelastung vorliegen. 

(Essen, 29. August 2019)

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Unser Experte: 

Univ.-Prof. Dr. Tienush Rassaf ist seit 2015 Direktor der Klinik für Kardiologie und Angeologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ) des Universitätsklinikums Essen, das sich auf den Weg zu Deutschlands erstem Smart Hospital gemacht hat.

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