Wir müssen reden Sexuelle Belästigung: Es geht nicht ums Gefallen lassen oder nicht

Sexismus in der Filmbranche. Von starken und schwachen Frauen und warum es darum überhaupt nicht geht.

"Ich lasse mir nichts gefallen": Frau Hoger, wir müssen reden
Eine Frau steht gedankenverloren am Fenster. (Symbolbild)

Ein Kommentar von Kerstin Ammermann

Vor einigen Wochen wurden Vorwürfe mehrerer Frauen, die teilweise 20 Jahre zurück liegen, gegen den deutschen Regisseur Dieter Wedel laut. Der 75-Jährige weist alle Anschuldigungen zurück. Nach der Berichterstattung der Vorwürfe trat er als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. NDR und ZDF prüften intern, ob es Hinweise auf mögliche sexuelle Übergriffe durch den Regisseur gegeben habe. In einer Stellungnahme gaben beide Sendeanstalten an, dass es keiner Belege für sexuelle Übergriffe bei ihren Produktionen gegeben habe.

In einer Vorabmeldung der Gala äußert sich nun die Schauspielerin Hannelore Hoger zu Dieter Wedel. "An mich hat er sich nicht rangepirscht, ich war auch gar nicht sein Typ", wird sie dort zitiert. Dem Theaterverlag erzählte sie außerdem, dass sie nur einmal mit ihm am Hamburger Thalia-Theater- gearbeitet hat:"[…] Jedenfalls war er freundlich und hat sich viel Mühe gegeben." Die Diskussionen um Wedel, sie sind nur ein Teilstück der Debatte um Sexismus in der Filmbranche. Dass dort Männer ihre Positionen gegenüber Schauspielerinnen und anderen Filmschaffenden ausnutzen, ist offenbar auch Hannelore Hoger nicht entgangen.

 

"Ich lasse mir nichts gefallen"

"Wenn mir mal einer auf den Po gehauen hat, habe ich sehr deutlich gesagt: "Lass es!'", so die 'Bella Block'-Darstellerin in der Gala. "Ich lasse mir nichts gefallen. Und das merken die Männer schnell." Sie räumt ein, dass das auch Nachteile habe: "Die Kehrseite ist, dass man auch mal benachteiligt wurde und plötzlich die Freundin des Regisseurs die Rolle übernommen hat, die man selbst gern gespielt hätte."

Dass Hannelore Hoger nicht nur in ihren Rollen eine starke Frau ist, ist wohl unumstritten. "Ich lasse mir nichts gefallen. Und das merken die Männer schnell", sagt sie. Mit so einer Aussage in Zusammenhang mit sexueller Belästigung, ist den Opfern allerdings nicht geholfen. Impliziert es doch, dass man es selbst in der Hand hat, ob man belästigt wird oder nicht. Hey, vielleicht bist du einfach nicht stark genug. Hier dürfte man gerade von einer Frau von Welt, wie es Frau Hoger ist, mehr Fingerspitzengefühl erwarten. Es muss doch darum gehen, dass das Handeln des Täters falsch ist – und nicht des Opfers.

Das Gefährliche an Äußerungen dieser Art ist, dass sie den Opfern die Schuld geben. Im Verlauf der #MeToo-Debatte, in der weltweit Frauen Erlebnisse sexueller Belästigung öffentlich machten, gab es immer wieder Beiträge, die die Opfer angegriffen haben. Da kamen dann Fragen wie: Wieso wurde erst so spät etwas gesagt? Warum melden sich erst nach und nach Frauen zu Wort? Hätte man nicht viel früher etwas sagen müssen? Solche Fragen verlieren den Fokus. Muss es nicht darum gehen, warum so viele Frauen erst jetzt den Mut fanden, diese schrecklichen Erlebnisse öffentlich zu machen? Opfer sollten ermutigt werden ihre Geschichte zu erzählen, auch wenn es Jahre her ist.

 

Wir reden hier nicht von Flirts

Besonders bitter stieß mir ein Schreiben von Catherine Deneuve und 99 anderen französischen Promi-Damen auf : Dort sprechen sie sich gegen #MeToo aus. Deneuve und ihre Mitstreiterinnen sorgen sich um das Ende des Flirtens und verlangen, dass Männern die Aufdringlichkeit doch erlaubt sein müsste. Dass Flirten und sexuelle Nötigung nicht das Gleiche ist, scheint sich noch nicht bei allen herumgesprochen zu haben.

Auch, ob ich selbstbewusst oder verschüchtert auf einen Klaps auf den Po reagiere, darf keine Rolle spielen. Ob aus Scham, Angst oder Schock: Warum man in so einer Extremsituation wie reagiert, ist so individuell wie jede Situation. Es gibt schlagfertige Damen und welche, die zurückhaltender sind. Das bedeutet nicht, dass diese Frauen nicht stark genug sind und sie sich nicht "richtig gewehrt" hätten. Vielleicht wird eine laute Frau kein zweites Mal ungewollt angefasst. Doch das erste Mal ist schon einmal zu viel. Bei der Debatte müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass die Tat das Verbrechen ist. 

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