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"Schnell, nur nicht weinen"

Senta Berger über Abschiede: "Die Endgültigkeit belastet mich"

Im Interview erzählt 'Unter Verdacht'-Star Senta Berger (78) von Wehmut, einem traurigen Verlust und Erotik im Alter.

Schauspielerin Senta Berger fallen Abschiede alles andere als leicht.
Schauspielerin Senta Berger fallen Abschiede alles andere als leicht, wie sie im Interview verriet. Hannes Magerstaedt/Getty Images

Schauspielerin Senta Berger, die am morgigen Samstag, den 28. März 2020 in der ZDF-Reihe 'Unter Verdacht' ihren letzten Fall als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek löst, kann sich im Leben generell nur schwer verabschieden, wie sie im Interview mit Meins verriet. Ein Glück, dass ihre Liebe zu Ehemann Dr. Michael Verhoeven (81) so beständig ist: Seit 54 Jahren sind die beiden schon verheiratet!

Das Paar hat geschafft, was vielen Stars im Showbiz nicht gelingt - ein Leben lang zusammenzubleiben. "Glück, Niederlagen, Tränen, Freude, die Geburt unserer Kinder [Anmerkung der Redaktion: die beiden Söhne Simon und Luca], gemeinsame Projekte, Filme, wir haben wirklich alles zusammen erlebt", bestätigt Senta Berger. Im Interview verrät sie ihr Ehe-Geheimnis, spricht über Erotik im Alter und ihre Pläne für die Zukunft.

Meins: Es ist schön, Sie und Ihren Mann immer so glücklich zu sehen. Wie gelingt Ihnen das bis heute?

Senta Berger: Wir sind uns in den großen Dingen einig. Wir haben dieselbe Haltung dem Leben gegenüber, interessieren uns für Politik, für Literatur, daraus ergeben sich immer neue Themen. Ohne viel darüber zu reden, haben wir uns irgendwann darauf geeinigt, eine angenehme Sprache miteinander zu teilen. Ich kenne Paare, die in der Wut einfach mal "Du Arschloch!" sagen. Das finde ich schlimm. Wenn ich so etwas sage, tut das doch am meisten mir selbst weh.

Eine sensible Sprache ist das ganze Geheimnis?

Ein gewisser Sinn für Realität gehört auch dazu. Darum bemühe ich mich - bis zum heutigen Tag. Wissen Sie, ich bin mit einem Chaoten verheiratet. Wenn er hier wäre, würde er innerhalb von zehn Minuten alles in Beschlag nehmen. Er wäre ganz liebevoll und würde sagen: "Es tut mir leid, Senta, aber ich bin halt nicht so ordentlich wie du." Aber der Punkt ist: Er ist bequem ... Ja, in den kleinen Dingen sind wir wirklich verschieden. Aber damit leben wir. Aber: Das würde alles nichts nützen, wenn keine Erotik da wäre. Da braucht man nicht drum herumreden: Erotik ist wohl das Wichtigste in einer langen Liebe! Wenn du dich auf deinen Mann freust, wenn du dir die Haare wäschst, bevor du ihn vom Flughafen abholst, weil du hübsch sein willst für ihn - und das noch mit 70 oder älter - dann ist das Erotik. Wissen Sie, dass ich im nächsten Jahr 80 Jahre werde?

Das stimmt, aber glauben kann man es kaum ...

Ich erschrecke mich selbst über die Zahl. Mein Mann ist über 80, meine Freundin Elke Heidenreich ist gerade 77 geworden ... Ich spreche diese Zahlen aus, aber ich bringe sie nicht mit uns in Verbindung. Sie bleiben abstrakt, vielleicht, weil ich relativ gesund bin. Ich fühle mich kräftig, ich kann gut gehen, Rad fahren, Ski fahren, ich bin guten Mutes. Aber natürlich hab' ich morgens auch mal eine kleine Depression - gerade wenn es draußen sehr grau ist. Vor einem Jahr ist meine Katze gestorben, darüber komme ich wirklich schwer hinweg ... Dennoch denke ich kaum über mein Alter nach. Und Geburtstage feiern mag ich auch nicht. Warum feiern? Es ist doch kein Verdienst, ein Jahr älter zu werden. Es ist eher traurig, also zumindest in meinem Alter ...

„Ich werde mich langsam aus dem Beruf loslösen. Das ist ganz natürlich“
Senta Berger

Sie sind jetzt zum letzten Mal in der Rolle als Kriminalrätin Eva Prohacek zu sehen - Sie machen Schluss mit der ZDF-Serie 'Unter Verdacht'. Fällt Ihnen das schwer?

Die Serie war 18 Jahre lang Teil meines Lebens, da mischt sich schon Wehmut in die Entscheidung. Generell verabschiede ich mich wahnsinnig ungern, egal ob von Kollegen, Freunden, Städten, Ländern ... Meist habe ich mich schon Tage und Wochen vorher in Gedanken getrennt, sodass ich dann einfach gehen kann. Schnell, nur nicht weinen, später vielleicht ... Die Endgültigkeit belastet mich. Ich bin eher eine Flieherin. Wenn ich die Tür heimlich zumache, habe ich das Gefühl, dass es weitergehen kann. Ich entschuldige mich immer schon vorher und sage: "Kinder, ich bin gleich weg." Diejenigen, die mich kennen, sagen dann: "Wir wissen schon ..."

Müssen wir damit rechnen, dass Sie sich als Schauspielerin immer weiter zurückziehen?

Ich werde mich langsam aus dem Beruf loslösen. Das ist ganz natürlich. Ich habe allerdings einige Drehbücher zu Hause liegen, die mich interessieren. Es wird ein gutes Gleichgewicht geben zwischen Arbeit und anderen Dingen. Ende März stehe ich für einen spannenden Kinofilm von Florian David Fitz vor der Kamera. In 'Oskars Kleid' geht es um einen Jungen, der ein Mädchen sein möchte.

Was meinen Sie mit den anderen Dingen?

Reisen - ich bin eine gute Reisende. Vielleicht weil ich so neugierig bin und in jeden Hinterhof gehe und mit Menschen spreche. Aber auch Bücher lesen, im Garten werkeln, die Enkel beim Hallenturnier anfeuern und danach Pizza essen gehen ...

Ist das Glück für Sie?

Glück als Zustand, das gibt es wahrscheinlich nur als Kind. Aber ja, ich habe immer ganz stark Glücksmomente gespürt - bis heute, da gehört doch eigentlich gar nicht viel dazu!

Die letzte Folge von 'Unter Verdacht' läuft am Samstag, den 28. März um 20.15 Uhr im ZDF.

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