Interview Schmerztherapie: Hilfe, wenn das Leiden nicht mehr nachlassen will

Schmerztherapie - Interview

In einer Schmerztherapie finden Patienten Hilfe, die teilweise seit Jahren mit permanentem Schmerz leben. Was dabei genau passiert, erklärt uns Dr. Ariane Burtscher, Chefärztin im Zentrum für Schmerztherapie in Bad Aibling.

Im Zentrum für Schmerztherapie in Bad Aibling treffen Menschen aufeinander, die eines verbindet: chronischer Schmerz. Dieser tritt allerdings so vielseitig auf, wie die Patienten verschieden sind: Da ist vielleicht die 52-Jährige, die seit Jahren vor Rückenschmerzen kaum gehen kann oder der 48-jährige Manager, der regelmäßig von heftigsten Kopfschmerzen außer Gefecht gesetzt wird. Sie eint die Hoffnung auf Linderung und mit der Hilfe von Chefärztin Dr. Ariane Burtscher und ihrem Team aus Physio- und Psychotherapeuten wieder einen normalen Alltag zu leben. Übrigens: Im ersten Teil unseres Interviews erklärt uns Frau Dr. Burtscher, welche Patienten bei ihr Hilfe suchen.

Frau Dr. Burtscher, das, was Sie machen, heißt multimodale Schmerztherapie. Was bedeutet das genau?

Wir arbeiten mit dem sogenannten bio-psycho-sozialen Modell, das heißt, wir schauen biologisch drauf: Was bringt der Patient mit? Was hat dieser Körper erlebt an Unfällen, Operationen, hat man Sport getrieben, gar keinen Sport oder übermäßig Sport getrieben? Hat der Patient einen Schreibtischjob oder vielleicht körperlich sehr schwer gearbeitet? Jeder Körper hat eine Geschichte.

Dann schauen wir ihn psychologisch an: Wie ist die Krankheitseinstellung? Bestehen Depressionen? Bestehen Ängste? Wie hat man gelernt, mit Schmerz umzugehen? Die Kindheit zum Beispiel ist ein ganz spannendes Thema: Wurde Schmerz ernst genommen oder gar nicht ernst genommen, also bagatellisiert? Wenn ich das sage, merke ich richtig, wie es bei einigen in den Köpfen anfängt zu rattern.

Und dann geht es noch um die soziale Situation: In welcher Situation steckt der Patient? Familiär, in Beziehungen, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis. Hat er sich schon isoliert wegen seines Schmerzes? Dieses Modell  betten wir in die Lebenseinstellung ein: Was ist für den Patienten Lebensqualität? Was sind Ziele im Leben? Was ist der Sinn dahinter?

Schmerztherapeutin Dr. Ariane Burtscher
"Wir betrachten jeden Patienten individuell und ganzheitlich."

Der Patient ist ja nur acht bis zehn Tage bei Ihnen in der Klinik. Ist das nicht sehr schwierig, Verhaltensmuster in dieser kurzen Zeit aufzubrechen?

Das ist richtig. Eine gewisse Motivation sollte da sein, wenn der Patient zu uns kommt. Dazu ermutigen wir ihn auch, wir brauchen ihn dabei, er steht im Mittelpunkt unseres Teams und es geht nicht ohne ihn. Und wir animieren auch immer dazu zu hinterfragen: Wieso bewege ich mich zu wenig? Wie hat sich das und das entwickelt?

Ich muss sagen, da sind die Patienten meist sehr offen und vertrauen uns relativ schnell ihre Sorgen und Nöte an - weil sie ja auch Zeit haben und sich die Zeit nehmen. Überlegen Sie mal: Wo haben Sie das denn, dass Sie in eine Klinik kommen und der Arzt eine Stunde Zeit für Sie hat, der Physiotherapeut mindestens eine Stunde der Psychologe, die Pflege nimmt sich Zeit. Da ist mal jemand da, wo ich mal alles loswerden kann und es wird sogar noch nachgefragt.

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Wie ist es denn nach dem Klinikaufenthalt, gibt es da noch irgendeine Betreuung?

Es gibt die Möglichkeit, sich in unserer Schmerzsprechstunde zu melden, die ist zweimal in der Woche. Und ich betone immer, es ist egal, ob die sich nach drei Wochen oder drei Monaten melden, ein Patient kann sich immer gerne melden, wenn er uns braucht.

Mein Traum ist es, eine Tagesklinik aufzubauen, um das Ganze realistischer zu gestalten, momentan bieten wir ja nur einen stationären Aufenthalt an - bei mir. Wenn ich aber eine ambulante Behandlung anbiete, dann haben die Patienten ihren Alltag, ihre Belastungen und dann kann ich das noch viel besser aufarbeiten. Das ist das Ziel und das kriege ich auch hoffentlich hin.

Ich habe auch ganz viele Patienten, die von weiter wegkommen, die das per Mail machen. Das ist aber auch eine Spezialität von mir, da sagen viele: Das ist ja verrückt! Aber ich freue mich, von den Patienten zu hören und die Anbindung ist wichtig und trägt zum Erfolg der Therapie bei.

Lesen Sie hier, welche Patienten im Schmerzzentrum Hilfe suchen:

Chronische Schmerzen Interview
Interview

Schmerztherapeutin im Gespräch

Schmerzen zeigen uns, dass etwas nicht stimmt. Aber was, wenn sie nicht mehr nachlassen? Ein Gespräch mit Schmerztherapeutin Dr. Ariane Burtscher.

Wie kann man, abgesehen von Unfällen, chronischem Schmerz vorbeugen?

Indem man bei einem Schmerz ein Wechselspiel aus Entspannung und Belastung eingeht. Ich erkenne den Schmerz und respektiere ihn, schone meinen Körper, akzeptiere meine Grenzen, weil ich vielleicht gerade einen Hexenschuss habe, lege mich aber auch nicht bewegungslos ins Bett und werde darüber möglicherweise sogar depressiv. Und Prophylaxe und ein gesunder Lebenswandel helfen natürlich auch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Erste Hilfe bei einem verspannten Rücken:

 

 

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