Das rät der Facharzt Osteoporose: Symptome und Therapien des Knochenschwunds

Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, sorgt dafür, dass die Knochen an Festigkeit verlieren. Im Interview beantwortet Facharzt Dr. Baum die wichtigsten Fragen.

Osteoporose - Wenn die Knochen an Festigkeit verlieren
Wenn die Knochendichte abnimmt, spricht man ab einem Messwert von -2,6 von Osteoporose. Was das bedeutet, erklärt Dr. Baum im Interview.
Inhalt
  1. Wie entsteht Osteoporose?
  2. Ist Osteoporose erblich?
  3. Warum tritt Osteoporose häufiger bei Frauen auf?
  4. Ab welchem Alter und wie häufig sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden?
  5. Ab welchem T-Score spricht man beim Ergebnis der Knochendichtemessung von Osteoporose?
  6. Wie sollte ich mich ernähren, wenn ich an Osteoporose leide?
  7. Und wie kann man mit Ernährung vorbeugen?
  8. Welche Lebensmittel sollte man meiden, wenn man unter Osteoporose leidet?
  9. Welche Sportarten sind bei Osteoporose empfehlenswert?
  10. Warum fördert Rauchen Osteoporose?

Besonders häufig von Osteoporose betroffen sind Frauen ab der Lebensmitte, was unter anderem auf die Hormonumstellung in den Wechseljahren zurückgeführt werden kann. Warum das so ist und wie Sie der Knochenkrankheit entgegenwirken können, erzählt Dr. Peter Baum, Facharzt für Sportmedizin und Orthopädie und ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen.

 

Wie entsteht Osteoporose?

Ungefähr bis zum 30. Lebensjahr nehmen die Knochendichte und damit die Knochenmasse des Menschen zu. Danach beginnt der Körper, den Knochen langsam wieder abzubauen. Die Knochenstruktur verändert sich und die Tragfähigkeit des Knochens reduziert sich, was zu einer Instabilität des Skeletts führt. Dadurch sind Brüche schon bei kleinsten Fehltritten möglich. Bereits ein Stolpern kann da zur Katastrophe, sprich einem Wirbelbruch führen. Betroffen sind meist Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

 

Ist Osteoporose erblich?

Die Mediziner unterscheiden zwei Formen der Erkrankung: Für die primäre Osteoporose ist keine direkte Ursache bekannt. Es wird aber ein enger Zusammenhang mit dem Hormonhaushalt, dem Alter, dem Kalziumstoffwechsel sowie genetischer Vorbelastung angenommen. Die sekundäre Osteoporose entsteht in Folge einer Krankheit, etwa Kalziumstoffwechselstörungen, Neben-Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder Rheuma.

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Warum tritt Osteoporose häufiger bei Frauen auf?

Schuld daran ist der weibliche Hormonhaushalt. Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und die Knochen bauen sich dadurch schneller ab.

 

Ab welchem Alter und wie häufig sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden?

Männer sollten diese Vorsorgeuntersuchung ab 60 vornehmen lassen. Frauen hingegen bereits ab 50. Denn bei ihnen beschleunigt sich der natürliche Abbau durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren dramatisch. Fast 30 Prozent sind nach der Menopause betroffen. Empfehlenswert sind in der Regel weitere Messungen nach zwei bis fünf Jahren, je nach Lebensumständen des Patienten. Durch ein Röntgenbild lässt sich bei Verdacht auf eine Erkrankung erst bei stark fortgeschrittener Osteoporose eine vermehrte Knochentransparenz im Vergleich zu gesunden Knochen feststellen. 

 

Ab welchem T-Score spricht man beim Ergebnis der Knochendichtemessung von Osteoporose?

Weicht der Messwert um mehr als - 2,6 vom Standardwert ab, so spricht man von einer Osteoporose. Davor ist das eine Osteopenie, also eine verminderte Knochendichte. Zum Vergleich wird der Durchschnittswert eines 3-jährigen Menschen gleichen Geschlechts genommen. In diesem Alter ist die Knochendichte am höchsten.

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Wie sollte ich mich ernähren, wenn ich an Osteoporose leide?

Grundsätzlich empfiehlt sich eine ausgewogene, vitaminreiche Kost. Diese sollte möglichst sparsam mit Fleisch und Fett umgehen, dafür aber reichlich Obst und Gemüse bieten. Vor allem die Phosphate in der Wurst sind Kalziumräuber. Joghurt, Käse und Milch versorgen den Körper mit dem äußerst wichtigen Kalzium.

Im Video sehen Sie sechs Lebensmittel, die besonders viel Kalzium enthalten (Artikel wird darunter fortgesetzt):

 

Wichtig für die Gesundheit der Knochen sind zudem Spurenelemente wie etwa Magnesium (enthalten unter anderem in Fisch und Hülsenfrüchten), Zink (enthalten unter anderem in Geflügel und Vollkornprodukten) sowie Carotinoide (enthalten zum Beispiel in Karotten und roter Paprika).

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Und wie kann man mit Ernährung vorbeugen?

Um den Knochenstoffwechsel zu beeinflussen, ist kalziumreiche Ernährung außerordentlich wichtig. Denn so lässt sich das Risiko von Knochenbrüchen senken. Als wahre Kalziumspender gelten neben Milchprodukten grünes Gemüse (Broccoli), Nüsse, Kräuter und Hülsenfrüchte. Bei Kalziummangel helfen gegebenenfalls spezielle Präparate zur Nahrungsergänzung.

Basis einer effizienten Osteoporose-Prävention ist darüber hinaus eine ausreichende Vitamin D-Versorgung. Deshalb möglichst viele Spaziergänge bei Sonnenlicht unternehmen. Durch das Licht im Freien bildet sich Vitamin D in der Haut, was die Einlagerung von Kalzium im Knochen fördert.  

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Welche Lebensmittel sollte man meiden, wenn man unter Osteoporose leidet?

Phosphatreiche Lebensmittel wie Wurst sollten vom Speiseplan weitgehend verbannt werden. Denn das sind wahre Kalziumräuber. Zurückhaltung ist auch beim Konsum von Alkohol und Tabak ratsam.

 

Welche Sportarten sind bei Osteoporose empfehlenswert?

Grundsätzlich wirkt sich körperliche Bewegung positiv auf den Knochenbau aus. So hat eine Studie in den USA mit über 10.000 Seniorinnen gezeigt, dass Muskelaufbau durch moderates Krafttraining einer medikamentösen Osteoporose-Behandlung deutlich überlegen ist. Um Knochenbrüche wie Oberschenkelhalsfrakturen zu verhindern, können vorbeugend Hüftprotektoren eingesetzt werden. Diese schützen – ähnlich wie ein Sturzhelm -  den Oberschenkel im Falle eines Sturzes vor Brüchen. Empfehlenswert sind Sportarten wie Wandern, Schwimmen oder Skilanglauf. Nicht geeignet sind beispielsweise Tennis, Fußball (Sturzgefahr) oder Kampfsportarten.

 

Warum fördert Rauchen Osteoporose?

Bei Rauchern ist die Knochendichte im Durchschnitt in der Tat geringer. Die Ursachen dafür sind wissenschaftlich noch nicht exakt geklärt. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Nikotin die Gefäße verengt und somit die Durchblutung verschlechtert. Der Stoffwechsel der in den Knochen lebenden Zellen (Osteophyten) wird durch Genussgifte reduziert, und damit auch die knochenbildende Aktivität. Außerdem senkt Nikotin den für gesunde Knochen so wichtigen Östrogenspiegel.  

Dr. Baum ist Facharzt unter anderem für Osteoporose-Patienten
Dr. Peter Baum ist Facharzt für Sportmedizin und Orthopäde und ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen.

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