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ARD-Reihe

Klara Deutschmann äußert sich zur Kritik an 'Reiterhof Wildenstein'

Auch wenn sich die ARD-Reihe 'Reiterhof Wildenstein' bislang großer Beliebtheit erfreut, werden immer wieder kritische Stimmen laut. Im Interview hat Hauptdarstellerin Klara Deutschmann sich dazu geäußert und erklärt, wie sie damit umgeht.

Rike Wildenstein ohne Sattel auf ihrem Hengst Jacomo.
Viel kritisierte Szene: Rike Wildenstein (Klara Deutschmann) reitet ohne Sattel und nur mit Knotenhalfter auf ihrem Hengst Jacomo. Foto: © ARD Degeto / Marc Reimann

Am vergangenen Freitag zeigte die ARD endlich die lang ersehnte Fortsetzung der Reihe 'Reiterhof Wildenstein'. Auf den dritten Teil 'Neuanfang' warteten die Fans bereits seit Ausstrahlung der ersten beiden Teile im Mai 2019. Mit 'Reiterhof Wildenstein – Der Junge und das Pferd' folgt am kommenden Freitag nun auch der vierte Teil der Serie.

Auch wenn die beiden ersten Filme bei den Zuschauern großen Anklang fanden, ließen es sich vor allem passionierte Reiter nicht nehmen, die mangelnde Vorbildfunktion von Rike, die in den meisten Szenen ohne Helm ritt, zu kritisieren. Und natürlich blieben auch die kleineren Ungereimtheiten zu Jacomos Zäumung auf dem Turnier in Teil 1 (Die Pferdeflüsterin) einem geschulten Reiterauge nicht verborgen.

Auch Hauptdarstellerin Klara Deutschmann (31), die in der Reiterhof-Reihe die zentrale Figur Rike Wildenstein verkörpert, weiß, dass Kritiker überall lauern. Im Interview hat sie uns erklärt, wie die Arbeit mit Filmpferden am Set abläuft, warum Rike bei nächtlichen Ausritten ohne Sattel keinen Helm trägt und wie sie mit der Kritik zu kleineren Ungereimtheiten in den Filmen umgeht.

Lesen Sie auch, wie es mit 'Reiterhof Wildenstein' weitergeht:

Klara Deutschmann über Pferdeerfahrung und den Wandel in der Reiterwelt

Liebenswert: Wie der Name schon verrät, spielen Pferde in der Serie eine große Rolle. Welche Vorerfahrungen bringen Sie persönlich mit?

Klara Deutschmann: Mit sechs habe ich angefangen zu voltigieren, das ist turnen auf dem Pferd, und im Anschluss hatte ich eigentlich immer Reitbeteiligungen und bin so wie andere Hockey oder Fußball gespielt haben in den Stall gefahren. Bis 16 oder 17, war ich also sehr regelmäßig reiten.

Würden Sie sagen Reiten ist wie Fahrrad fahren, man verlernt es nicht?

Ich fand es wirklich sehr interessant, dass dieses Selbstverständnis mit den Tieren eigentlich sofort wieder da war. Ich bin zu den Pferden gekommen und mein Körper und mein Geist haben sich sofort erinnert, auch wenn dazwischen zehn Jahre lagen. Das Reiten an sich habe ich aber so ca. drei Monate vor jedem der Filme noch mal trainiert. Bestimmte Abläufe und auch Muskelgruppen müssen einfach wieder trainiert werden, aber viel von damals ist noch da.

Würden Sie sagen, dass es in der Reiterwelt einen Wandel gegeben hat?

Auf jeden Fall! Sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Bewusstsein vieler Menschen ist mittlerweile angekommen, dass es auch alternative Wege gibt, wie Mensch und Pferd zusammenarbeiten können. Damals musste ich lange suchen, um einen Stall zu finden, der sich nicht nur an der klassischen alten Schule, der sogenannten englischen Reitlehre, orientiert hat. Mittlerweile scheinen mir alternative Wege in der Pferdearbeit sehr viel verbreiteter, auch wenn ich mich jetzt durch die Filme natürlich auch mehr damit befasse.

Allerdings sehe ich auch heute noch Methoden, die ich sehr zweifelhaft finde. In dem Moment, wo es mit Geld und Ehrgeiz zu tun hat, zeigt sich vielerorts die harte Schule.

Die Arbeit mit Filmpferden am Set von 'Reiterhof Wildenstein'

Wie müssen sich Zuschauer die Arbeit mit Filmpferden am Set vorstellen?

Schön, aber auch anstrengend (lacht). Vielleicht ist es ein bisschen schade, das zu erzählen, aber es gibt tatsächlich mehrere Jacomos. Die Pferde, die bei uns in den Filmen mitspielen, sind mehrfach besetzt. Zum einen, weil so ein Drehtag natürlich ziemlich lang ist und zum anderen, weil die Pferde unterschiedliche Dinge unterschiedlich gut können, auch wenn sie natürlich wahnsinnig fein ausgebildet sind und sich von Kameras und Tonpuscheln nicht verunsichern oder nervös machen lassen.

In der Vorbereitung erarbeite ich dann zusammen mit dem Horsemaster vor Ort die Szene. Dann gehen wir Stück für Stück durch, was die Pferde können müssen und was ich können muss. Ein Pferd ist natürlich ein deutlich weniger verlässlicher Spielpartner als ein Mensch, weil es ja nie gleich handelt. Unser Spiel verändert sich also ständig, da wir immer wieder spontan darauf reagieren müssen.

Also kann es durchaus passieren, dass Sie eine richtig gute Szene gespielt haben, aber das Pferd vielleicht nicht mehr ganz so motiviert war und diese dann neu gedreht werden muss?

Das passiert wirklich sehr, sehr regelmäßig (lacht). Einmal haben wir eine richtig gute Szene gespielt und am Ende hat das Pferd dann entschieden, dass es ein paar Schritte nach links geht und war dann leider nicht mehr im Bild.

Wie viele von den gerittenen Szenen reiten Sie selbst?

Ich würde sagen mindestens 90 Prozent. Ich reite alles, was nicht zu herausfordernd ist, muss aber auch gestehen, dass mir Springreiten nicht ganz so liegt. Ich habe aber ein fantastisches Double für solche Szenen.

Mehr über die Arbeit mit Filmpferden am Set der ZDF-Reihe 'Frühling': (Das Interview geht unter dem Video weiter)

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„Die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch beruht auf Bestimmtheit und gegenseitigem Vertrauen. (…) Das ist auch auf das Leben übertragbar. Wenn ich mir nicht vertraue, gerät vieles in ein Ungleichgewicht. “
Klara Deutschmann

Die Filme behandeln die sanfte Arbeit mit Pferden auf Vertrauensbasis. Eine gewaltfreie Kommunikation steht im Fokus. Rike gelingt es, die Pferde zu verstehen, indem sie ihnen zuhört und kann damit auch so manches menschliche Problem besser erkennen. Was können Menschen Ihrer Meinung nach von Pferden und ihrer Art zu kommunizieren lernen?

Ich glaube, ein ganz großer Bestandteil ist Vertrauen und Ruhe. In dem Moment, wo man 300 Sachen im Kopf hat, funktioniert die Kommunikation nicht mehr, das merke ich auch, wenn ich privat mit Pferden zu tun habe. Wenn ich aber anfange, mich auf den Moment einzulassen und darauf zu vertrauen, dass ich mit dem Tier in eine Kommunikation treten kann, funktioniert es auf eine Art, die schwer in Worte zu fassen ist. Die Kommunikation beruht auf Bestimmtheit und gegenseitigem Vertrauen. Wenn ich nicht meinen eigenen Impulsen vertraue, wird es das Pferd auch nicht tun und das ist etwas, was auch auf das Leben übertragbar ist. Wenn ich mir nicht vertraue, gerät vieles in ein Ungleichgewicht.

Klara Deutschmann räumt kleinere Ungereimtheiten ein: "Es wurde sich zurecht beschwert"

Auch wenn die ersten beiden Teile sehr positiv angenommen wurden, haben vor allem passionierte Reiter immer einen sehr kritischen Blick. Da werden kleinere Ungereimtheiten wie Jacomos Zäumung auf dem Turnier natürlich gerne kritisiert und in den sozialen Netzwerken diskutiert. Auch die fehlende Vorbildfunktion kommt hier immer wieder auf, weil Rike die meiste Zeit ohne Helm reitet. Wie gehen Sie persönlich und auch im Team mit dieser Kritik um?

Das sind für mich zwei unterschiedliche Sachen und ich muss gestehen, dass ich mir die Kritik auf den sozialen Netzwerken gar nicht so sehr anschaue. Natürlich besprechen Regie und Horsemaster immer vor jeder Szene gründlich, wie diese gelöst werden soll. Damals war es eine klare Entscheidung, dass Rike das Turnier mit dem Knotenhalfter reitet. Leider gab es im Film dann Einstellungen, bei denen das Pferd eine Kandare trug. Darüber wurde sich dann zurecht beschwert und das ist auch wirklich ärgerlich, kann aber passieren, wenn eine Einstellung zum Beispiel besonders schön geworden ist.

„Ich mag an den Filmen, dass man Dinge erzählen darf, die nicht nur zum kompletten Einverständnis aller sind.“
Klara Deutschmann

Was die anderen Dinge betrifft, zum Beispiel das Reiten ohne Helm, ohne Sattel oder nur mit Knotenhalfter, gehören diese nun mal einfach zum Film. Wir erzählen eine Geschichte und wir haben auch hierbei im Vorfeld viel darüber diskutiert und uns dann schlussendlich für diesen Weg entschieden. Ich mag an den Filmen, dass man auch Dinge erzählen darf, die nicht nur zum kompletten Einverständnis aller sind. Dass Rike ohne Helm reitet und dass man das nicht unbedingt tun sollte, war natürlich ein Thema bei uns. In den neueren Filmen haben wir das jetzt auch so gelöst, dass Rike immer einen Helm trägt, wenn sie ihre Kursteilnehmer unterrichtet. Das war mir auch sehr wichtig, einfach damit klar wird, dass es sich dabei um ihren Job handelt, indem sie eine gewisse Vorbildfunktion hat.

Der vierte Teil 'Reiterhof Wildenstein - Der Junge und das Pferd' läuft am 23.10.2020 um 20:15 Uhr im Ersten und ist auch in der Mediathek abrufbar.