Liedermacher nimmt Abschied Hannes Wader: Die letzten Stationen seiner Tour

Mit seinen Songs begeistert er seit 50 Jahren seine Hörer. Bald nimmt Hannes Wader Abschied von der Bühne.

Hannes Wader: Die letzten Stationen seiner Tour
Hannes Wader verabschiedet sich mit seiner "Mach's gut"-Tour im Herbst 2017 von seinen Fans.

Seine Lieder gehören wie die seines Freundes Reinhard Mey zum deutschsprachigen Musikgut: Seit 50 Jahren steht Hannes Wader auf der Bühne, wie er im März bekannt gab, aber nicht mehr für lange Zeit. Eigentlich wollte der mittlerweile 75-Jährige auch noch 2018 seine Tournee spielen, doch der Auftritt in Berlin am 30. November 2017 wird sein letzter auf einer Tournee sein. Passenderweise laufen seine Auftritte unter dem Motto 'Macht’s gut!'.

 

Die Reserven werden weniger

"Deutlicher als zuvor spüre ich [...] das Älterwerden. Die gewohnte Bühnenperformance zu liefern, fordert mir zunehmend mehr Kraft ab, während ich gleichzeitig weniger Reserven zur Verfügung habe", gestand sich der Liedermacher nach seiner Tournee im Frühjahr ein. Für Fans heißt es deshalb, schnell sein: Viele seiner Konzerte sind bereits ausverkauft, nur noch bei wenigen Orten sind Tickets erhältlich. Mit seinen Songs hat Wader stets Sorgen, Ängste und Probleme der normalen Bevölkerung beschrieben und daher eine treue Fangemeinde aufgebaut.

Wader wurde 1942 in Bethel bei Bielefeld geboren und  erlebte als Kind das Ende des Zweiten Weltkriegs. Seinen Vater traf Wader erst im Alter von 3 Jahren. "Als er 1945 Uhr aus der Gefangenschaft zurückkehrte, entstand keine Beziehung zwischen uns", erzählte er einmal dem SZ-Magazin. Mit 13 wurde er Dekorateur in einem Schuhgeschäft, später beginnt er ein Studium, das er nie beendet. Wader zieht sein eigenes Ding durch, scheut sich nicht davor, streitbar zu sein. In den 70ern bezieht er eine Windmühle und tritt für einige Jahre in die DKP ein - einige Fans wenden sich ab.

 

Sein bewegtes Leben

"Das war lebensrettend für mich. Einerseits wurde ich verfolgt und boykottiert, andererseits verkauften sich meine Platten plötzlich wie wahnsinnig, und ich trat in der Berliner Philharmonie auf. Das hat mich innerlich zerrissen. Ich war berühmt, allein und hatte alle Freiheiten – und das bekam mir nicht", so Wader gegenüber dem SZ-Magazin. 1991 verlässt er die Partei. In diesem Zeitraum heiratet er zum zweiten Mal und wird Vater eines Sohnes.

Bei allem Auf und ab, ist es die Musik, die ihn stets begleitet. 2013 erhält er den Echo für sein Lebenswerk. "Singen hat für mich etwas Therapeutisches. Schreiben und Singen sind Autotherapie“, beschrieb er seine Arbeit im General Anzeiger Bonn. "Ich bin von Haus aus kein besonders heiterer Mensch, in meiner Grundstimmung war ich immer aggressiv-depressiv. Meine Lieblingsstimmung ist die Melancholie."

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet 'Heute hier, morgen dort' als das bekanntest Lied  des Liedermachers gilt. Dort singt er seit 1972: 'So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, dass nicht bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.' Mit dem Ende seiner Live-Konzerte läutet Hannes Wader einen neuen Lebensabschnitt ein.

Seine Abschiedstournee startet am 1. Oktober 2017. Alle Informationen zu seinen letzten Konzerten gibt es HIER.

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