Honigfrauen-Star Dominic Raacke: "Wir waren so ignorant der DDR gegenüber"

Dominic Raacke spielt in Honigfrauen einen Vater, der seine Tochter endlich kennenlernen möchte.
Der erste Teil von 'Honigfrauen' mit Dominic Raacke (ganz links) läuft am 23. April im ZDF.

Am Sonntag, 23. April 2017, lief der erste Teil des neuen ZDF-Dreiteiler 'Honigfrauen' an. Wir haben Darsteller Dominic Raacke zum Interview getroffen. Ein Gespräch über Familie, die Liebe und die DDR. Lesen Sie hier den ersten Teil.

In Honigfrauen wird die Geschichte der beiden Schwestern Maja (Sonja Gerhardt) und Catrin (Cornelia Gröschel) erzählt. Die DDR-Bürgerinnen fahren im Sommer 1986 in den Urlaub an den Balaton. Dort machen Sie Bekanntschaften mit der Liebe, der Stasi und unausgesprochenen Familien-Konflikten.

 

"Wir wussten sehr wenig über die DDR"

Herr Raacke, Sie spielen in 'Honigfrauen' einen Mann, der in der Vorgeschichte seine schwangere Freundin sitzen lässt, aber später Kontakt zu seiner Tochter aufbauen möchte. Sie sind selbst Vater einer Tochter. Sprechen Sie mit Ihr über Rollen, in denen es um die Vater-Tochter-Beziehung geht?

Ich mache das mit mir alleine aus und überlege, wie ich mich fühle oder was der nächste Schritt ist. Als Schauspieler habe ich die Aufgabe zu überprüfen, wie ich zu dem Punkt komme, den das Drehbuch mir vorgibt. Eine Tochter zu haben hilft aber, weil ich weiß, um welche Gefühle es geht. Wenn ich mir vorstelle, meine Tochter wäre so aufgewachsen, da hätte ich anders reagiert. Auf Erik prassen aber all diese Stimmen von außen ein, das ist sein Problem und das macht diese Figur so interessant.   

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Die Dreharbeiten fanden in Ungarn statt. War es Ihr erstes Mal in Ungarn? Wie haben Sie Land und Leute empfunden?

Ich war dort zum ersten Mal und es war toll. Budapest ist eine wunderschöne Stadt. Die meiste Zeit haben wir uns allerdings direkt am Plattensee aufgehalten. Dort hat sich in den Wochen eine Schullandheim-Atmosphäre entwickelt. Wir haben an den Wochenenden Tennis-Turniere gemacht oder Karten und Charade gespielt. Es war eine wirklich schöne gemeinsame Zeit. 

Cornelia Gröschel und Sonja Gerhardt spielen in 'Honigfrauen' zwei Schwestern.
Cornelia Gröschel (l.) und Sonja Gerhardt spielen in 'Honigfrauen' zwei Schwestern, die aus der DDR zum Balaton reisen.

Am Balaton treffen sich Ost-Deutsche und West-Deutsche. Sie sind im Westen aufgewachsen. Welche Berührungspunkte oder Beziehungen hatten Sie zur DDR?

Leider gar keine. Wir waren so ignorant der DDR gegenüber. Wir wussten sehr wenig über sie. Es hat uns nicht interessiert und es hat uns auch niemand darauf hingewiesen. Ich war persönlich nicht von dieser Teilung betroffen. Klar, die Schießanlagen, Erich Honecker und Co. sind nicht an uns vorbeigegangen, aber das war alles sehr weit weg. Länder wie England oder Frankreich waren uns viel näher. Es war schon erstaunlich wie ignorant und uninteressiert wir an diesem anderen Teil Deutschland waren. Ich bin aber froh, dass es dann anders gekommen ist und ich Ostdeutschland schließlich kennenlernen konnte. Meine Kollegen Anja Kling und Götz Schubert haben den Osten aber miterlebt.

Gab es da Gespräche untereinander über die Zeit?

Ja, auf jeden Fall. Das war für mich sehr spannend - aus erster Hand diese Erfahrungsberichte zu hören. Da wurde dann auch diskutiert, ob das wirklich so war oder nicht. Im Endeffekt muss man bei einem Film natürlich darauf achten, dass er unterhaltend ist. Das ist dann manchmal nicht so einfach alles historisch korrekt abzulichten, weil man versucht beides unter einen Hut zu kriegen.

 

"In New York bin ich ausgeraubt worden"

Für Catrin und Maja geht mit dem Campingurlaub am Balaton ein großer Traum in Erfüllung. Wovon träumten Sie in Ihrer Jugend?

Ich war sehr amerikaorientiert. Die Kultur in Westdeutschland war durch Filme und Musik sehr amerikanisiert. Ich glaube, das ist es auch kein Wunder, dass der persönliche Blick in die Richtung geht, aus der diese Popkultur herkommt. Für mich war Amerika ein Land der Träume und das Land der sogenannten unbegrenzten Möglichkeiten.

Sie sind dann als junger Erwachsener tatsächlich nach New York gegangen, um Schauspiel zu studieren. Hat die Realität mit Ihrem Traum standhalten können?

Es war genau wie im Film: Die gelben Taxis, die jaulenden Sirenen, die Häuserschluchten. Es fühlte sich vertraut an, weil ich das ja alles schon kannte aus den grandiosen Filmen der 70er Jahre, Mean Streets, Taxi Driver, French Connection. Aber schon bald wurde dem Jungen aus der Provinz klar, dass so ein Moloch von einer Stadt auch hart sein kann. New York City war 1979 noch ein ziemlich hartes Pflaster.

Mit welchen Problemen hatten Sie zu kämpfen?

Die Wohnungssuche gestaltete sich schwierig, weil viele Wohnungen unbezahlbar waren. Auch mit der amerikanischen Mentalität klarzukommen war nicht einfach. Allein die Dating-Kultur. Wenn man sich mit einer Frau verabredet hat, war das nicht so wie hier, oder um es anders auszudrücken, es hat alles ziemlich lange gedauert.

Und man musste natürlich auch überleben. Nach drei Monaten bin ich in meiner ersten Wohnung auf der Upper West Side ausgeraubt worden. Da hauste ich in einer Bude, die nicht abschließbar war – heute natürlich ein absolutes Unding. Damals eigentlich auch schon, aber das zeigt nur, mit welcher Naivität ich da eingezogen bin. Das war eine abenteuerliche aber auch sehr prägende Zeit. Es war die klassische Situation: Ein junger Mann will die Welt erobern. Das hat mir sehr gut getan.

Im zweiten Teil des Interviews plauderte Dominic Raacke mit uns über die Liebe: Klicken Sie hier!

Dominic Raacke im ZDF-Dreiteiler 'Honigfrauen'.

Der erste Teil von Honigfrauen lief am Sonntag, 23. April 2017, um 20:15 Uhr im ZDF. Der zweite und dritte Teil folgen am 30. April und 7. Mai ebenfalls um 20:15 Uhr.

Video: Kennen Sie schon die echten Namen der Stars?

 

 

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