Puls, Blutdruck & Co. Vitalzeichen-Check: Das sollten Sie bei der Pflege Angehöriger wissen

Vitalzeichen-Check: Das sollten Sie bei der Pflege Angehöriger wissen
Inhalt
  1. Zeichen des Lebens täglich messen
  2. Blutdruck – nicht zu hoch und nicht zu niedrig
  3. Puls – mal schneller, mal langsamer
  4. Atmung – regelmäßig, ruhig und tief
  5. Sinnvoll für die Zusammenarbeit mit dem Arzt

Pulsschlag, Blutdruck und Atmung geben wichtige Hinweise auf Erkrankungen und den Verlauf ihrer Behandlung. Pflegende Angehörige sollten sich mit der Messung auskennen.

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, muss neben der allgemeinen Versorgung wie Waschen, Anziehen, Verpflegen und Zuwendungschenken immer auch den Gesundheitszustand seines Schützlings gut im Auge behalten. Denn viele Pflegebedürftige sind von mehreren Erkrankungen gleichzeitig betroffen (medizinisch: multimorbid) und außerdem besonders anfällig für weitere. Dazu können sie sich gerade bei Demenz oft selbst nicht mehr ausreichend über ihr Befinden äußern, sodass der Pflegende beurteilen muss, wann alles im normalen Rahmen ist und wann es kritisch wird. Die regelmäßige Kontrolle der sogenannten Vitalzeichen ist deshalb eine sinnvolle Hilfe.

 

Zeichen des Lebens täglich messen

Der Begriff Vitalzeichen leitet sich vom lateinischen "vitalis" („zum Leben gehörend“) ab und steht für verschiedene Merkmale der Lebendigkeit. Zu den wichtigsten und auch am leichtesten zu bestimmenden Vitalzeichen gehören Puls, Blutdruck und Atmung. Pflegende Angehörige sollten deshalb darüber Bescheid wissen, wie man diese Parameter bestimmt, welche Werte normal sind und wann man einen Arzt hinzuziehen sollte. "Das dient zum einen der Patientensicherheit, da man mit einer Kontrolle der Vitalzeichen bei den meist multimorbid erkrankten älteren Menschen den Gesundheitszustand besser erfassen kann", erläutert Dr. Stephan Papageorgiou. "Zum anderen hilft es bei der direkten Kommunikation mit den Ärzten, die so besser eingebunden werden und gezielter Hilfe leisten können."

 Video: An diesen Anzeichen erkennen Sie einen Schlaganfall (Artikel wird unter dem Video fortgesetzt):

 
 

Blutdruck – nicht zu hoch und nicht zu niedrig

Blutdruck und Puls sind wichtige Anzeichen für das Funktionieren des Blutkreislaufs, der die Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, Abwehr- und Botenstoffe an ihren Zielort transportiert und bei der Erhaltung der Körpertemperatur hilft. Der Kreislauf wird vom Herzen angetrieben, das in Ruhe pro Minute ungefähr fünf Liter Blut durch den Körper pumpt. Dieses Blut übt einen Druck auf die Gefäßwände aus, der Rückschlüsse auf die Herz-Kreislauf-Funktion erlaubt. Zieht das Herz sich zusammen (Systole), ist er höher, entspannt es sich (Diastole), ist er niedriger. Deshalb werden als Messergebnis immer zwei Werte angegeben, etwa 120/80 mmHG.

Bei Pflegebedürftigen sollte der Blutdruck täglich gemessen werden. "Wenn blutdruckwirksame Medikamente verabreicht werden, ist eine Kontrolle zwingend", so Dr. Papageorgiou. "Klagt der Patient zum Beispiel über Schwindel und ist der Blutdruck zu niedrig, sollte – natürlich in Absprache mit dem Arzt – das blutdrucksenkende Medikament angepasst werden. So können beispielsweise Stürze verhindert werden." Häufig besteht aber auch ein zu hoher Blutdruck. Dieser steigert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich und kann außerdem bei einer Herzschwäche zu Wassereinlagerungen in Armen, Beinen oder in der Lunge führen. "Der Blutdruck sollte im Mittel um 130/85 mmHG liegen. Dauerhafte Werte über 140/90 mmHG sind schädlich, aber er sollte auch nicht langfristig zu niedrig (etwa unter 100/70) liegen, da dies Schwindel auslösen und außerdem auch das Schlaganfallrisiko erhöhen kann", erklärt der Hausarzt. Die täglich gemessenen Werte werden am besten dokumentiert und bei Arztbesuchen vorgelegt. Starke Abweichungen sowie ein plötzlicher Blutdruckabfall oder -anstieg können auf eine Krise hinweisen.

 

Puls – mal schneller, mal langsamer

Der zweite wichtige Parameter für eine gesunde Kreislauffunktion ist der Pulsschlag. Der Puls ist die Druckwelle, die bei jedem Schlag des Herzens durch die Adern läuft. Er ist in den großen Arterien spürbar und zeigt normalerweise an, wie oft und wie kräftig das Herz schlägt. Körperliche Belastung, Aufregung oder auch Fieber sorgen dafür, dass der Pulsschlag sich beschleunigt. Das ist ganz normal, denn bei Anstrengungen braucht der Körper mehr Sauerstoff und das Herz muss schneller schlagen. Dauerhaft erhöht sollte die Frequenz aber nicht sein. Umgekehrt können bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Betablocker die Pulsfrequenz verlangsamen. "Einmal am Tag sollte der Puls sinnvollerweise gemessen werden", meint Papageorgiou. "Als normal gilt eine Herzfrequenz von 60 – 90 Schlägen pro Minute. Ist der Puls mehrfach gemessen zu hoch oder zu niedrig, sollte der Arzt informiert werden." Bei mehr als 100 Schlägen pro Minute spricht man von einer Tachykardie, bei weniger als 60 Schlägen von einer Bradykardie.

Ist der Puls nicht gleichmäßig, sondern "unrund, mit Aussetzern oder unterschiedlichen Abständen, handelt es sich um eine Arrhythmie. Dabei können zum Beispiel Extrasystolen auftreten, also zusätzliche Schläge zwischen dem Grundrhythmus. Auch ein "sogenannter „Zwillingspuls“ tritt gelegentlich auf, der nur aus Doppelschlägen besteht. Er kann etwa eine Überdosierung mit dem Herzmedikament Digitalis anzeigen. Der Herzschlag kann aber auch völlig unregelmäßig sein, sodass sich gar kein Muster mehr erkennen lässt – oft ein Hinweis auf schwere Herzprobleme. Eine Arrhythmie ist immer ein Fall für den Arzt. Weil Betroffene oft große Angst bekommen, ist es sehr wichtig, dass der Pflegende die Nerven behält, eigene Sorgen hinunterschluckt und stattdessen tröstet und beruhigt.

 

Atmung – regelmäßig, ruhig und tief

Neben Blutdruck und Puls ist die Atmung ein wichtiges Lebenszeichen. Denn sie versorgt das Blut mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff, den es dann in den ganzen Körper transportiert, und ermöglicht die Abgabe des "Stoffwechselabfalls" Kohlendioxid. Ein normaler Atemvorgang besteht aus Einund Ausatmen sowie einer kurzen Atempause. Beim Einatmen hebt sich der Brustkorb, das Zwerchfell bewegt sich nach unten. Dadurch wird die Luft – im Normalfall durch die Nase – in die Lungen gesaugt, wo der Gasaustausch mit dem Blut stattfindet. Im Idealfall ist der Atem ausreichend tief, gleichmäßig, geruch- und geräuschlos. Natürlich ist – gerade bei alten und kranken Menschen – nicht jeder Mundgeruch oder jedes kleine Schnarchen gefährlich, aber Pflegende sollten aufmerksam beobachten, ob es Veränderungen zum Negativen gibt.

Krankhafte Abweichungen vom Atemrhythmus können zum Beispiel fehlende oder zu lange Pausen und wechselnde Geschwindigkeiten sein. So schwillt etwa bei der Cheyne-Stokes-Atmung die Tiefe der Atemzüge periodisch an und ab, unterbrochen von längeren Pausen. Sie tritt etwa bei Hirnentzündungen und Schlaganfall auf. Die Kussmaul-Atmung ist durch unnatürlich tiefe Atemzüge ohne Pausen dazwischen gekennzeichnet und kann beispielsweise ein diabetisches Koma anzeigen. Bei der Schnappatmung, die den nahenden Tod anzeigt, erfolgen nur noch seltene Atemzüge.

Eindeutig zählbar ist die Atemfrequenz: "12 bis 14 Atmungsmanöver pro Minute sind in Ordnung", sagt Dr. Papageorgiou. "Hyperventiliert der Patient, kann dieses auf bedrohliche Krankheiten des Herzens wie zum Beispiel akute Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen mit der Folge von Sauerstoffmangel im Gewebe hindeuten", so der Hausarzt weiter. "Eine zu niedrige Atemfrequenz kann dagegen eine Störung des Atemzentrums durch die Überdosierung von Opiaten oder Schlafmitteln anzeigen. In jedem Fall ist dann sofort ein Arzt anzufordern, eine Krankenhausbehandlung meist unumgänglich." Das gilt auch, wenn akute Atemprobleme mit Erstickungsgefahr auftreten.

 

Sinnvoll für die Zusammenarbeit mit dem Arzt

Zwar mag die Kontrolle der Vitalfunktionen zunächst etwas kompliziert klingen. Aber Pflegende Angehörige, die sich damit beschäftigen und die Messungen täglich durchführen, gewinnen mit der Zeit Übung und werden sicherer – sowohl was das Messen als auch was die Einschätzung des Gesundheitszustands betrifft. So können sie dem behandelnden Arzt wertvolle Hilfe leisten – indem sie Informationen liefern und rechtzeitig Hilfe rufen, wenn etwas nicht stimmt.

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Quelle: Pflege und Familie

Kategorien:
Plan International

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