Unterwegs Tessin: Ein unvergesslicher Ausflug in die Berge

Im Tessin das Staunen lernen
Die Gemeinde Bellinzona hat ungefähr 40.000 Einwohner und liegt am Fuß des Gotthardmassivs.

Der kleine Schweizer Kanton Tessin hat mehr als Seen und Palmen zu bieten – im nordöstlichsten Zipfel wartet eine wunderschöne und einsame Berglandschaft darauf, von Touristen entdeckt zu werden.

Die Sonne hat es noch lange nicht über die Spitzen der Schweizer Alpen geschafft, als ich mit meiner Reisegruppe aus unserem gemütlichen Hotel in Olivone und in den Postbus stolpere. Wir wollen den Tag in den Bergen verbringen – und der öffentliche Bus bringt uns schnell und günstig hoch auf den Lukmanierpass, der die Schweizer Kantone Graubünden und Tessin voneinander trennt. Während wir uns Serpentine für Serpentine den schneebedeckten Bergspitzen entgegenschlängeln, legen wir knapp tausend Höhenmeter zurück. Und die spürt man: Die Luft oben auf dem Pass ist eiskalt und wunderbar klar. Wir genießen den Blick auf die postkartentaugliche Landschaft ein paar tiefe Atemzüge lang und staunen – dann brechen wir auf und wandern auf weiten Wiesen-Terrassen die Käse-Straße entlang Richtung Tal.

 

Unser erstes Ziel: eine Alm mit kleiner Käserei

Obwohl der Name des Lukmanierpasses anderes vermuten lässt – lucus ist das lateinische Wort für Wald –, sind Bäume hier oben rar. Der Wald wurde vor rund 1000 Jahren gerodet, um Platz für Weiden zu machen, auf denen sich Almen ansiedeln konnten. Wie die Pertusio-Alm, die wir nach gut einer Stunde erreichen und auf der uns fünf Schweine begrüßen. Sie grunzen so fröhlich und sind so rosa, dass sie einem Bilderbuch entsprungen sein könnten. Sie gehören Matthias Vitali, der hier den Sommer über auch seine Kühe weiden lässt.

Ihre Milch verarbeitet er direkt auf der Alm zu Käse – und zwar noch genauso wie früher: in einem großen Kupferkessel über dem Feuer. Für vorbeikommende Wanderer wie uns öffnet er gern seinen Vorratskeller und schneidet Käse und Brot zum Probieren und Verkaufen auf.

Mit jedem Höhenmeter, den wir hinabwandern, verändert sich die Landschaft: War es oben noch karg, wird es jetzt grüner, die Luft würziger, und ich entdecke immer wieder blauen Enzian auf den Wiesen. Andere Touristen sind uns bisher noch nicht begegnet – die Natur ist wunderbar still und friedlich.

 

Nur ein röhrender Hirsch durchbricht die Ruhe

Jetzt im Herbst hat das Rotwild Brunftzeit, und mit etwas Glück kommt man den Tieren ganz nah. Immerhin entdecke ich einen Hirsch im Fichtenwäldchen am gegenüberliegenden Hang – es hat sich also doch gelohnt, das Fernglas einzupacken! Und später, als wir auf einer Alm ausruhen und unsere Wasserflaschen am Brunnen füllen, recken nur wenige Meter von uns entfernt drei Murmeltiere ihre Köpfe in die Höhe.

 

Auf den nächsten Berg lasse ich mich tragen

Attila erfüllt das Klischee eines Esels voll und ganz: grau, mit großen Ohren und einem ganz schönen Sturkopf. Zusammen mit acht weiteren Eseln, vier Maultieren, einem Pony, zwei Hunden und einer Handvoll Alpakas lebt er auf dem Hof Somarelli in Corzoneso.

Susanne Bigler führt den Betrieb seit zehn Jahren, erst als Hobby, inzwischen hauptberuflich. Sie bietet mit den Tieren Führungs-Coachings für Geschäftsleute und Trekkingtouren für Familien und Erwachsene an. "Einfach mit den Hüften wiegen, wie ein Lambada-Tänzer", rät sie, als ich mich in den Sattel schwinge – und nach einer Weile klappt das sogar ganz gut. Der Ausblick aufs Bleniotal ist von Attilas Rücken aus noch besser. Vor allem, weil ich richtig Zeit habe, ihn zu genießen. Denn wenn der Sturkopf saftiges Gras entdeckt, hält ihn nichts und niemand von einer Pause ab …

Quelle: Bella

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