Unterschätztes Organ So wichtig ist der Darm für die Gesundheit

So wichtig ist der Darm für unsere Gesundheit
Die Darmflora beeinflusst unseren gesamten Körper.
Inhalt
  1. Chronische Darmerkrankungen nehmen zu
  2. Diese Rolle spielt die Ernährung
  3. Was hilft bei Darmproblemen?

Unser Verdauungstrakt kann weit mehr als nur Nahrung verwerten. Der Darm hat Einfluss auf unsere Gesundheit und womöglich sogar auf unsere Gefühle. Grund genug, sich gut um ihn zu kümmern.

Der Darm war der blasse Nebendarsteller unter unseren Organen – kaum beachtet, wenig beliebt. Jetzt ist der Verdauungstrakt auf dem besten Weg, zum Superstar unserer Gesundheit zu werden. Bisher stand er im Ruf, lediglich für die Nahrungsverwertung zuständig zu sein. Diesen unglamourösen Job verrichtet er zwar mit Bravour, doch erst jetzt rückt er ins Rampenlicht der Wissenschaft – dank seiner Untermieter, der Bakterien.

Zahlreiche aktuelle Studien bescheinigen ihnen bis heute ungeahnte Fähigkeiten – diese Mikroorganismen können viel mehr als nur unsere Nahrungsmittel mithilfe von Enzymen in ihre Bestandteile aufspalten. Diese sogenannte Darmflora beeinflusst neuen Erkenntnissen zufolge unseren gesamten Körper – von unserer Gesundheit bis hin zu unserer Stimmung.

 

Chronische Darmerkrankungen nehmen zu

Ohne diese Darmflora wären wir nicht lebensfähig, denn sie verhindert das Eindringen krank machender Keime in den Körper und schützt uns so vor gefährlichen Infektionen. "Die Darmflora entscheidet offenbar mit darüber, ob wir gesund bleiben oder krank werden", sagt Prof. Julia Seiderer-Nack, Ärztin für innere Medizin und Buchautorin. Unfassbare 100 Billionen Bakterien aus Tausenden verschiedenen Bakterienstämmen befinden sich in unserem Verdauungstrakt. Würde man sie alle zusammen auf die Waage stellen, käme man auf mindestens eineinhalb Kilogramm.

Je mehr unterschiedliche Bakterien vorkommen, desto wirksamer scheint der Gesundheitsschutz zu sein. Die Zusammensetzung der Darmflora kann jedoch empfindlich gestört werden, etwa durch die Einnahme von Antibiotika, durch Stress oder einseitige Ernährung. Verdauungsprobleme wie Reizdarm oder chronisch entzündliche Erkrankungen des Dünndarms (Morbus Crohn) beziehungsweise des Dickdarms (Colitis ulcerosa) können die Folge sein.

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Und es trifft immer mehr Menschen: "Vor allem die Zahl der chronischen Darmerkrankungen hat in den vergangenen Jahren in den Industrieländern deutlich zugenommen", so Seiderer-Nack. Allein in Deutschland sind rund 320.000 Frauen und Männer betroffen. Über die genauen Ursachen für die Erkrankungen rätseln die Experten noch: Gene, Ernährung und Darmbakterien spielen vermutlich aber eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide Krankheiten machen sich oft bereits in der frühen Jugend bemerkbar. Colitis ulcerosa ist genau wie Morbus Crohn nicht heilbar.

Die Darmflora reagiert extrem sensibel – ein typischer Superstar eben. Haben wir Stress, schlägt das vielen auf den Darm, mit den bekannten lästigen Folgen. Innere Anspannung verändert die Darmflora sogar. Das haben australische Forscher bei Tests an Studenten nachgewiesen: Unter Prüfungsstress hatten diese eine deutlich anders zusammengesetzte Darmflora als zu Beginn des Semesters. Vor allem mangelte es an Laktobazillen – sogenannten Probiotika, die für unser Wohlbefinden besonders wertvoll sind. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum wir in anstrengenden Zeiten anfälliger für Infekte sind.

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Diese Rolle spielt die Ernährung

Die positive Wirkung von Probiotika auf unsere Gesundheit belegen zahlreiche Studien. So sinkt das Erkältungsrisiko um ein Drittel, wenn ausreichende Mengen davon in der Darmflora vorkommen. Auch die Dauer und Schwere von Atemwegserkrankungen reduziert sich durch Probiotika deutlich.Die Mikroorganismen können offensichtlich auch die Zuversicht steigern – jedenfalls die von Mäusen: Wissenschaftler setzten für einen Test eine Maus in ein Wasserbecken, in dem sie nicht stehen konnte. Hatten sie das Tier vorab mit Probiotika gefüttert, gelang es ihr deutlich schneller, an Land zu schwimmen – und: Sie wies weniger Stresshormone im Blut auf. Eine US-Studie zeigt, dass Probiotika auch das menschliche Gehirn beeinflussen: Bei Versuchspersonen, die vier Wochen lang regelmäßig probiotischen Joghurt gegessen hatten, reagierten bei einem anschließenden Test bestimmte Hirnregionen schwächer auf negative Reize als bei Versuchspersonen, die keine Probiotika zu sich genommen hatten.

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Die gute Nachricht: Jeder kann seine Darmflora positiv beeinflussen. "Eine gesunde Ernährung fördert eine gesunde Darmflora", bringt es Expertin Seiderer-Nack auf den Punkt. Jemand, der seine Mahlzeiten frisch zubereitet, viele Ballaststoffe zu sich nimmt und häufig zu Obst und Gemüse greift, hat eine deutlich vielfältigere Bakterienzusammensetzung im Darm als einer, der vorwiegend zu stark verarbeiteten Produkten wie Fertiggerichten oder Fast Food greift. Problematisch ist vor allem der hohe Anteil an Fett und Zucker. Schon innerhalb von 24 Stunden reagiert die Darmflora auf eine Umstellung der Ernährung. Neben einer gesunden Kost ist es sehr sinnvoll, Stress zu reduzieren und für regelmäßige Entspannung zu sorgen.  Probiotika müssen dem Körper allerdings regelmäßig zugeführt werden, denn sie siedeln sich nicht dauerhaft im Darm an. Das geht aber relativ einfach, indem man Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Dickmilch, Rote Bete und saure Gurken auf den Speiseplan setzt. "Diese Lebensmittel enthalten durch die milchsaure Vergärung Laktobazillen in relativ hoher Zahl", erklärt Seiderer-Nack.

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Das Beste: Wenn wir uns gesund und ballaststoffreich ernähren, tun wir nicht nur etwas für unsere Gesundheit, wir verbessern auch unsere Stimmung. Denn die Darmbakterien bilden aus Ballaststoffen die Aminosäure Tryptophan. Daraus stellt unser Körper das Wohlfühlhormon Serotonin her. Und schon fühlen wir uns selbst wie ein Superstar.

 

Was hilft bei Darmproblemen?

Wenn’s im Magen grummelt

  • Manchmal liegt es an kohlensäurehaltigen Getränken, auch Light- oder Diätprodukte mit Sorbit oder Fruktose-Zusatz können Ursache für unangenehme Luftansammlungen im Bauch sein. Wer die vom Speiseplan streicht, hat das Problem damit oft schon im Griff.
  • Bei akuten Beschwerden bringen Tees aus Fenchel, Anis, Kümmel und Gelbwurz rasche Linderung.
  • Auch eine sanfte Bauchmassage – kreisend im Uhrzeigersinn – hilft dem Darm. Genau wie eine Wärmflasche.
  • Erfolgversprechend ist eine Kur mit Kijimeakapseln, die ein darmberuhigendes Probiotikum enthalten.

 

Wenn die Verdauung streikt

  • Jetzt sind Ballaststoffe ganz wichtig, mindestens 25 Gramm pro Tag sollten es sein. Gute Quellen: Gemüse und Obst, vor allem Trockenfrüchte und Vollkornprodukte. Auch Floh- und Leinsamen sowie Weizenkleie sind Toplieferanten – einfach aufs Essen streuen. Pro Esslöffel aber unbedingt mindestens ein Glas Wasser trinken, sonst quellen die Ballaststoffe nicht auf. Auch Kefir zu trinken hilft, den Darm anzukurbeln.
  • Wann immer es geht, unbedingt für Bewegung sorgen, schon ein Spaziergang in der Mittagspause ist hilfreich.

 

Wenn’s zu flott geht

  • Durchfall ist zwar unangenehm, aber sinnvoll, denn der Körper wird auf diesem Weg Schadstoffe, Gifte und Bakterien schnell los. Daher sollte man diese Reinigung nicht komplett mit Medikamenten stoppen.
  • Um den Flüssigkeits- und Mineralienverlust auszugleichen, ist es wichtig, jetzt viel zu trinken.
  • Auch ein geriebener Apfel tut gut: Das darin enthaltene Pektin bindet Bakteriengifte und sorgt für Linderung. Pürierte Möhrensuppe hat den gleichen Effekt, mit etwas Salz abgeschmeckt gleicht sie zudem den Natriumverlust aus. Zerdrückte Banane hilft, den Kaliumspeicher aufzufüllen.

 

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