Die Bewegung macht‘s Richtig heben – So wird die Pflege einfacher

Angehörige richtig heben und pflegen.
Das richtige Heben bei der Pflege von Angehörigen können Sie lernen.

Wenn Sie Ihre Lieben bewegen oder stützen müssen, müssen Sie richtig heben. Da Sie keine Muskelmänner sind, wird es sonst sehr mühselig. Aber mit der richtigen Technik klappt's.

Können sich Ihre Lieben nicht mehr allein von A nach B bewegen, ist richtiges Heben gefragt. Pflegewissenschaftlerin Dr. Daniela Hayder-Beichel erklärt, wie Sie ihnen die beste Unterstützung geben und richtig heben.

Schon Kleinigkeiten machen die Pflege für alle angenehmer: Beim Bewegen oder Umlagern sollten Sie keinen Schmuck tragen, denn er kann unangenehm im Gesicht baumeln, eventuell verletzen oder zum Ziehen animieren, wozu besonders Demenzkranke neigen. Kurze Fingernägel brechen nicht so schnell ab wie längere, und vor allem kratzen wir damit niemanden. Lange Haare sollten Sie zusammenbinden oder hochstecken, sodass Sie Ihre Sicht nicht einschränken oder Ihr Gegenüber sich an ihnen festhält.

Nicht immer alles allein stemmen! Sobald sich Pflegebedürftige gar nicht mehr ohne fremde Hilfe bewegen können und ihr Körpergewicht Ihres übersteigt, holen Sie sich eine zweite Person (oder einen ambulanten Pflegedienst) dazu. Weil einfach die Gefahr zu groß ist, dass Sie sich verletzen – aber auch der Pflegebedürftige aus dem Bett fallen kann. Praktische Übung: Wenn Sie nicht genau wissen, wie Sie unseren Patienten bewegen sollen, können Sie es auch (zusammen mit einer zweiten Person) an sich selbst mal ausprobieren.

 

Tolle Tipps und Infos zum richtigen Heben

Spezielle Kurse für richtiges Heben, Tragen und Bewegen werden von Pflegekassen, Wohlfahrtsverbänden und ambulanten Pflegediensten angeboten. Kosten: Je nach Anbieter beträgt die Teilnahmegebühr zwischen 25 und 40 Euro.

Pflege- und Wohnraumberatung: Die bieten viele Städte und Gemeinden kostenlos an. Dabei wird Ihnen bei der Planung von Wohnraumanpassungsmaßnahmen oder zum Einsatz von Hilfsmitteln beim Heben und Bewegen geholfen. Toll: Auch Hausbesuche sind möglich.

Unabhängige Patientenberatung: Was ist, wenn Ihre Lieben krank sind und sich nicht mehr selbst helfen können? Richtig, Sie springen ein. Wissen auch Sie nicht weiter, hilft Ihnen die Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD (www.patientenberatung.de). Dort klären Sie unabhängige Experten über die Rechte Ihrer Lieben als Patienten (natürlich auch über Ihre) auf und geben leicht verständliche Patienteninfos zu den häufigsten Erkrankungen. Die Beratung ist kostenlos. Telefon: 0800/011 77 22 (gebührenfrei aus allen Netzen), Mo.–Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 18 Uhr.

 

Erst mit der richtigen Technik kommt Bewegung ins Spiel

Heben- und Umlegen lernen

Wichtig ist für Sie, dass Sie Ihren Rücken entlasten. Dazu schaffen Sie eine große Standfläche: Beine grätschen, sodass Sie sicher und kraftvoll stehen können, den Rücken gerade halten und bei Hebevorgängen darauf achten, dass Sie sich nah am Körper des Pflegebedürftigen finden. Wichtig: Bauch- und Beckenmuskulatur anspannen, Atem nicht anhalten, sondern ausatmen. Tipp: Ein höhenverstellbares Bett erleichtert Ihnen die Arbeit zusätzlich.

Komplette Körperpflege und Hygiene

Klappt am besten, wenn der Pflegebedürftige liegt – so kann er sich entspannen, und auch Sie schonen Kräfte und Rücken. Nicht zu vergessen ist hierbei die Hygiene. Für Sie gilt: Pflege- oder Einmalhandschuhe tragen sowie vor und nach dem Waschen Desinfektionsmittel verwenden. Leiden Pflegebedürftige an Harn- und/oder Stuhlinkontinenz, sind sie für Hautirritationen anfällig. Deshalb tragen Sie eine feuchtigkeitsspende Lotion auf, wenn Sie die Haut gereinigt und abgetrocknet haben. Bei außergewöhnlichen Belastungen, zum Beispiel einer Stuhlinkontinenz mit Magen-Darm-Effekt, können Sie zusätzlich eine Barrierecreme auftragen (Informationen dazu gibt es in der Apotheke). Übrigens: Ihnen stehen Pflegehilfsmittel zu, wenn Sie sich um einen Angehörigen kümmern. HIER erhalten Sie alle wichtigen Informationen.

Die besten Hilfsmittel

Bei der Auswahl kommt es darauf an, ob sich der Pflegebedürftige noch selbst behelfen kann. Ein Instrument, das etwa die Selbstständigkeit fördert, ist eine Aufrichthilfe, eine Art Strickleiter (schon ab 20 Euro), an der sich der Pflegebedürftige hochzieht. Um vom Bett in den Rollstuhl und dann ins Auto zu kommen, kann ein Rutschbrett (schon ab 40 Euro) helfen. Ideal ist auch eine Drehscheibe (schon ab ca. 25 Euro). So muss eine Drehbewegung von 90 oder 180 Grad (zum Beispiel vom Toilettenstuhl in den Stuhl und dann ins Bett) nicht mehr selbst gemacht werden, sondern Sie drehen in die richtige Position. Aufrichthilfe, Rutschbrett und Drehscheibe bekommen Sie unter anderem im Sanitätshaus.

Was tun bei Osteoporose und Demenz?

Bei Osteoporose ist Vorsicht geboten, weil die Knochen brüchig sind. Spezielle Kurse – zum Beispiel zur Kinästhetik – helfen Ihnen, sichere Techniken zu erlernen. Hat der Pflegebedürftige Demenz, animieren Sie ihn zur Selbstständigkeit und teilen die Bewegung in Abschnitte. Die Muster führen Sie immer in der gleichen Reihenfolge durch. Das erhöht die Chance, dass Ihr Angehöriger weiß, was als Nächstes kommt, sich sicherer fühlt und eigenständig mitmachen kann.

Anlegen bei Inkontinenz

1. Jedes Produkt ist anders

Beim Anlegen passieren oft Fehler, die die Aufsaugekapazität einschränken können. Jedes Produkt hat sein eigenes System. Solche in Höschenform (Pants) werden zum Beispiel wie Unterwäsche über die Beine gezogen. Zum Ausziehen lassen sich die Seitennähte aufreißen. Wie es genau geht, lesen Sie jeweils in den individuellen Broschüren der Hersteller.

2. Hautirritationen vermeiden

Mehrere Inkontinenz-Produkte ineinanderzulegen bringt nichts. Das erhöht die Saugkraft nicht, im Gegenteil: Das Produkt läuft schneller aus – und die Haut wird durch Rücknässung strapaziert. Weitere Gefahr: ein Hitzestau, der Hautirritationen zur Folge hat. Tipp: die Vorlage erst wechseln, wenn sie ausgelastet ist. Besonders Bettlägerige sind dankbar, wenn sie seltener erneuert wird. Bei Stuhlinkontinz wechseln Sie sofort, da der längere Kontakt schnell zu schmerzhaften Irritationen führt.

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