Offene Worte Jenny Jürgens: So bekam sie die Panik-Attacken in den Griff

Jenny Jürgens: Wie sie ihre Panik-Attacken behandeln lies
Jenny Jürgens musste 2014 den plötzlichen Tod ihres Vaters Udo Jürgens verkraften.

Heute fühlt sich Jenny Jürgens angekommen und glücklich wie nie. Der Weg dorthin aber war nicht leicht. Im Interview sprach die Schauspielerin offen über ihre Panik-Attacken – und was ihr dagegen half.

Sie hat doppelt Grund zur Freude: Jenny Jürgens bekam vor einigen Monaten den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen für ihr soziales Engagement und feierte im Januar ihren 50. Geburtstag.

Das Neue Blatt: Ich gratuliere Ihnen zur Auszeichnung! Mit Ihrem Projekt 'Herzwerk' helfen Sie bedürftigen Senioren. Wie kamen Sie dazu?

Ich habe mir mit Anfang 40 überlegt, dass ich etwas tun möchte, das außerhalb meines Berufs liegt, etwas Karitatives, Sinnstiftendes. Immer wieder bekam ich Angebote, aber da wäre ich nur Namens- oder Gesichtsgeberin gewesen. Das ist alles sehr ehrenwert, aber man ist nicht sonderlich aktiv. Ich wollte eine echte Tätigkeit. Ich habe schon lange gefühlt, dass die Schauspielerei nicht für den Rest meines Lebens die allerfüllende Aufgabe sein kann.

Gab Ihnen Ihr Beruf nichts mehr?

Doch, ich liebe meinen Beruf. Aber er ist auch von einer unheimlichen Egomanie und Entbehrung geprägt. Das empfand ich als große Verluste. Der ständige Blick nach innen: "Wie geht es mir? Werde ich krank?" Das war besonders in Theater-Spielphasen schlimm. Dazu kam mein furchtbares Lampenfieber, gegen das ich immer zu kämpfen hatte. Dann sagte mir mein Körper, dass ich nachmittags schlafen müsse, damit ich abends gut spielen kann. Ich konnte dann natürlich nicht schlafen. Ich will nicht von zwanghaften Sachen sprechen, aber es wurde schon psychologisch. Ich hatte eine längere Phase mit Panik-Attacken, weil ich immer perfekt funktionieren wollte. Das überrollte mich in unmöglichen Situationen, und ich wusste nicht warum.

Was hat Ihnen geholfen?

Ich habe eine Therapie gemacht, weil mich diese Attacken von Mitte 30 bis Mitte 40 begleitet haben. So richtig hat es erst aufgehört, als ich komplett mein Leben geändert habe.

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Inwiefern änderten Sie Ihr Leben?

Als ich David [Carreras, Anmerkung d. Redaktion] kennenlernte und mein neues Leben auf Mallorca anfing, hat sich vieles relativiert. Ich musste nicht mehr ganz so perfekt funktionieren, stand nicht mehr so unter Beobachtung. Ich sehe heute, dass öffentliches Leben und Berühmtsein nicht erstrebenswert sind. Das werde ich nur für „Herzwerk“ nutzen. Es ist eine Aufgabe, die ich auch im Alter oder wenn es im Beruf nicht läuft, weitermachen kann. Das war nach 'Rote Rosen' der Fall: Fast zwei Jahre kamen keine Angebote.

Und Sie wollten gerne Senioren unterstützen …

Genau. Alte Menschen, die unter der Armutsgrenze in Einsamkeit und Krankheit leben, kommen an allerletzter Stelle der sozialen Hierarchie. Das ist traurig.

Haben Sie durch Ihre Arbeit wirklich Kontakt zu den Menschen?

Auf jeden Fall. Bei 'Herzwerk' gibt es die Möglichkeit, Geld und/oder Zeit zu spenden. Auch werden Patenschaften vermittelt. Ich kümmerte mich drei Jahre lang um Herrn Peters. Er hatte niemanden mehr und war sehr krank. Ich habe ihn besucht, für ihn gekocht, Besorgungen gemacht und bezahlt. Mindestens alle zwei Wochen war ich bei ihm – bis zu seinem Tod. Auch die Patientenverfügung habe ich mit ihm gemacht. Er fragte: "Wenn ich sterbe, bist du dann an meiner Seite?“ Da sagte ich: "Natürlich!" Er wollte keine lebensverlängernden Maßnahmen. Herr Peters starb im Krankenhaus. Ich war vier Stunden an seiner Seite, da war er schon irgendwie weg, dann fuhr ich kurz nach Hause – und bekam den Anruf.

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Können Sie mit Ihrer Mutter offen über Tod und Testament sprechen?

Wir haben alles durch – bis ins Detail. Ich habe die Papiere bei mir und weiß, wo alles ist. Die Mama ist da total offen. Für uns Kinder ist das ein großes Geschenk, mit meinem Vater war das viel schwieriger. Für den einen ist es eben einfacher, darüber zu sprechen. Mir fällt es leicht, obwohl ich den Gedanken an den Tod nicht berauschend finde. Ich habe mit meinem Mann alles geregelt, Testament und Patientenverfügung.

VIdeo: Wenn ich einmal nicht mehr da bin ... (Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

 

Wie ist das Älterwerden für Sie?

Das Alter ist eigentlich etwas Schönes, weil es mich gelassener macht. Es ist mir nicht mehr so wichtig, was andere denken. Ich bin ruhiger geworden, akzeptiere meinen Körper und mein Äußeres mehr. Früher habe ich nicht mal einen Liter Milch gekauft, ohne mich komplett zu schminken! Das ist nicht nur anstrengend, sondern ein Zeichen für hochgradige Unsicherheit.

Wie sehen Sie Ihr Leben?

Ich bin sehr zufrieden und vor allem dankbar. Die letzten zwei Jahre waren kein Spaziergang. Trotzdem ist das Jammern auf hohem Niveau. Wenn man es runterbricht auf das Reale, wie es zwei Drittel der Menschheit geht, habe ich das fantastischste Leben! Mich haben nur Schicksalsschläge getroffen, die von Natur aus kommen – wie der Tod meines Vaters.

Steckbrief: 

Am 22. Januar 1967 in München geboren. 

Karriere: Mit 15 spielte sie mit Tommi Ohrner (51) im Kinofilm 'Im Dschungel ist der Teufel los'. 1984 sang sie mit ihrem Vater Udo Jürgens († 80) 'Liebe ohne Leiden'. Nach ihrer Schauspiel-Ausbildung folgten diverse Theaterund TV-Rollen, unter anderen in 'Hallo Robbie! und 'Lena – Liebe meines Lebens'.

Quelle: Das Neue Blatt

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