Im Interview Valerie Niehaus: "Ich war nie freier als in meinen Vierzigern!"

Valerie Niehaus: "Ich war nie freier als in meinen Vierzigern!"
Bei dem Strahlen gibt es keinen Zweifel: Valerie Niehaus fühlt sich in ihren Vierzigern Pudelwohl.

Gut gelaunt am Set, nachdenklich im Gespräch. Schauspielerin Valerie Niehaus, 42, eines der bekanntesten Gesichter im deutschen TV, verrät im Interview, was ihr wirklich wichtig ist.

Carmen Nebel spricht darüber, wie wichtig es ihr ist, eine eigene Persönlichkeit zu haben, zu sich zu stehen. Und dass sie damit oft aneckt: "Man soll immer irgendwo reinpassen, irgendeine Schublade bedienen – das wird eben leichter verstanden."

 

"Ich bin in einem sehr interessanten Alter, fühle mich jetzt am wohlsten"

Wie frei fühlen Sie sich?

Ich war nie freier. Ich bin in einem sehr interessanten Alter, fühle mich jetzt am wohlsten. Ich habe aufgehört, mich zu fragen: "Wer will ich sein?“ Ich frage mich jetzt vor allem: "Wer will ich nicht sein?" Frauen ab 40 sind eben "erwachsene" Frauen mit jeder Menge Lebenserfahrung und bestenfalls jeder Menge Lebensfreude.

Zu den Erfahrungen, die man im Leben macht, gehören auch die negativen. Wie gehen Sie mit Verletzungen um?

Ich vergesse Verletzungen und Enttäuschungen nicht – weil auch sie mich geprägt, zu der gemacht haben, die ich heute bin. Wenn man in den 40ern ist, gibt es jede Menge Kränkungen, auf die man zurückblickt. Und ich bin der Überzeugung: Was wir vor 15 Jahren erlebt haben, wirkt immer noch nach. Ich habe Liebeskummer erlebt, diffamierende Schlagzeilen, frustrierende Erfahrungen bei der Arbeit, wo ich mich nicht im besten Licht zeigen konnte usw. Aber ich erinnere mich nicht ständig daran – das wäre ja auch schrecklich. Gescheiterte Beziehungen können zum Gedankengefängnis werden. Wichtig ist es, immer offen zu bleiben für neue Erfahrungen.

Sie sprechen nicht so gern über Ihr Privatleben, aber zuletzt hieß es, Sie seien verliebt …

Ja, aber ich habe auch lange ohne einen Mann an meiner Seite sehr glücklich gelebt. Es ist etwas Wunderbares, jemanden zu treffen, der etwas Besonderes für einen ist. Und ich finde Männer toll – wenn sie wirklich welche sind. Aber ich kann sehr gut allein sein. Das brauche und lebe ich auch in einer Beziehung. Denn ich bin vollständig, wie ich bin. Ich sehe oft Frauen, die sich nur vollständig glauben, wenn sie in einer Beziehung oder gar verheiratet sind ...

Was macht Liebe für Sie aus?

Einander Freiraum zu lassen. Nicht das Bild zu lieben, das wir uns vom Partner gemacht haben, sondern akzeptieren, dass er ein Mensch im Prozess ist. Der Partner – und die Liebe – verändert sich im Laufe der Jahre. Und manchmal ist nach einer Zeit eben auch keine Liebe mehr da. Dann muss man sich – selbst wenn es schmerzhaft ist – sagen: Es war eine wunderbare Zeit, und jetzt ist sie vorbei. Eine Trennung ist doch nichts Schlimmes. Wir sind da so gierig, als wäre eine 50 Jahre währende Ehe das einzig Wahre.

 

"Man muss sich fragen: 'Möchtest du deinen Sohn allein aufstehen lassen?'"

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal einen schlechten Tag haben?

Ich habe nie Bock aufzugeben. Mein Wecker klingelt um sechs Uhr morgens. Natürlich denke ich da manchmal: "Oha, sechs Uhr, ist es schon wieder so weit?" Wenn ich am liebsten liegen bleiben würde, frage ich mich: Möchtest du deinen Sohn allein aufstehen lassen? Die 80 Leute am Set im Stich lassen? Nein, das möchte ich natürlich nicht. Schon ist es meine freie Entscheidung, aufzustehen … Whatever works, wie der Amerikaner sagt, Hauptsache, es nützt. So einfach ist es für die meisten Menschen, die in Westeuropa, in Deutschland leben – da bin ich ein bisschen ungnädig.

Es hilft doch sicherlich, das Wort "muss" aus seinem Wortschatz zu streichen …

Ja, Sie haben recht, wir sollten insgesamt mehr wollen und weniger müssen. Aber ich muss mich manchmal selbst bremsen, damit ich nicht über meine Belastungsgrenze hinausgehe, denn ich arbeite unheimlich gern.

Was müsste geschehen, damit die Menschen glücklicher sind?

Eine gewisse Tapferkeit den normalen Prozessen des Lebens gegenüber zu haben wäre sicher hilfreich. Und nicht so viel zu lamentieren. Alle reden dauernd von ihren Problemen. Auch wenn ich nicht darüber rede: Genau wie jeder andere erlebe auch ich Krankheit, Ängste, Verlust. Wenn wir aber das Werden und Vergehen als Konzept akzeptieren, hören wir auf zu leiden.

 

"Frauen konkurrieren viel zu oft miteinander"

Was wünschen Sie sich für sich und andere Frauen?

Ich sehe kaum Frauen, die zu ihrer Schönheit stehen, die selbstbewusst ihr Leben leben. Viel zu oft konkurrieren Frauen miteinander. Ich nenne manche Gespräche zwischen Frauen gern "Oberschenkel-Gespräche". Ich bekomme oft mit, dass jede der anderen erzählt, sie finde sich hässlich und dumm. Warum können wir einander nicht emporheben? Warum können wir das nicht aushalten? Wer glücklich ist, ist in unserer Gesellschaft offensichtlich suspekt.

Video: Welche Ikone versteckt sich hinter diesem Rätsel?

 

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