Im Interview Gaby Köster über Neuanfänge, Mut und den Blick nach vorn

Gaby Köster macht Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, Mut.
Gaby Köster ist eine starke Frau mit starker Botschaft: "Ich glaube, dass ich vielen Leuten Mut mache."

Vor neun Jahren erleidet Gaby Köster, 55, einen Schlaganfall. Doch sie jammert nicht, nimmt die Krankheit als Herausforderung. Ein Gespräch über Neuanfänge, Mut und den Blick nach vorn.

Wenn sie erzählt, dann blitzen ihre blauen Augen voller Fröhlichkeit, Witz und Wärme. Nein, Gaby Köster, 55, hat trotz des Schlaganfalls vor neun Jahren und seinen Folgen ihren berühmten Humor nie verloren. Nicht aufgeben, das Leben nehmen, wie es ist, das scheint das Motto der Comedy-Queen zu sein. Ja, sie ist eine Mutmacherin. Und genau dafür lieben und bewundern ihre Fans sie.

Frau Köster, Sie ein echtes Stehaufmännchen, oder?

Gaby Köster: Ja, Stehaufmännchen trifft es ganz gut. Ich glaube inzwischen, dass ich vielen Leuten Mut mache. Das ist auch mein Wunsch, aufgeben kann schließlich jeder. Ich bin jetzt 55 Jahre alt, und es gibt etliche Frauen in meinem Alter, die keinen Job mehr kriegen. Klugerweise war ich von Anfang an, entgegen sämtlicher Verwandtenmeinungen, selbstständige Freiberuflerin und bin damit im Endeffekt gut gefahren. Ich habe es selbst in der Hand, wie viel ich mache oder ob ich vielleicht auch mal etwas ganz anderes mache wie zum Beispiel vor Kurzem die Castingshow 'Die Puppenstars'.

Ist es eigentlich schwerer, wieder auf die Füße zu kommen, wenn man so bekannt ist wie Sie?

Gaby Köster: Das kann ich nicht beantworten, weil ich es ja gar nicht anders kenne. Aber sobald man in der Öffentlichkeit steht, bewegt man sich automatisch wie unter einem Brennglas.

Gut zu wissen: Wie Sie einen Schlaganfall vorbeugen

Frei nach dem Motto "Wenn das die Lösung ist, will ich mein Problem zurück"?

Gaby Köster: (Lacht.) Nein, überhaupt nicht. Aber ich habe neulich einen schönen Spruch von Marie Antoinette gefunden, der lautet: "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst."

 

Die Angst vor der Endlichkeit

Hat man nach allem, was Sie erlebt haben, größere Angst vor der Endlichkeit?

Gaby Köster: Ja, am Anfang hat man schon mehr Angst davor, aber das hört nach einer Weile auch wieder auf. Ich weiß nur, dass die Endlichkeit nichts Schlimmes ist, vor dem man Angst haben müsste. Selbst wenn man stirbt, ist das auch nicht schlimm.

Dann haben Sie also keine Angst vor dem Tod?

Gaby Köster: Nein, überhaupt nicht. Aber bis dahin ist es ja noch eine Weile hin.

Ist das eine Beruhigung für Sie?

Gaby Köster: Ja, auf jeden Fall.

Video: So erkennen Sie einen Schlaganfall

 
 

Die größte Hürde: sich helfen lassen

Wie schwer war es eigentlich für ein Energiebündel wie Sie, sich eine Zeit lang von anderen helfen lassen zu müssen?

Gaby Köster: Die Hilflosigkeit war für mich an dem ganzen Spektakel eigentlich das Allerschlimmste. Auch dass man für verschiedene Sachen immer noch Hilfe braucht. Und gerade ich bin ein Mensch, der immer alles allein gemacht hat. Darum trifft mich das Ganze auch besonders schwer. Wobei ich mir aber immer wieder sage, dass nichts umsonst passiert. Ich glaube ja, dass ich den Schlaganfall deshalb gekriegt habe, damit ich lerne, mir auch mal helfen zu lassen.

Konnten Sie von anderen früher nur schwer Hilfe annehmen?

Gaby Köster: Ja, ich konnte das früher überhaupt nicht ertragen, und habe immer alles allein gemacht. Ich habe zum Beispiel an einem tourfreien Wochenende meine Bude allein renoviert.

Da wird einem ja schon schwindelig vom Zuhören.

Gaby Köster: (Lacht.) Ja, aber es war tatsächlich so.

Heute lassen Sie das hoffentlich machen?

Gaby Köster: Ja, ich könnte auch gar nicht mehr auf die Leiter steigen und so weiter.

 

Irgendwann zieht einer die Reißleine

Und wie haben Sie das neben Ihren ganzen Berufstätigkeiten immer alles geschafft?

Gaby Köster: Indem ich es nachts gemacht habe.

Sie haben sich quasi permanent selbst überfordert?

Gaby Köster: Ja, das kann man so sagen.

Es war also kein Wunder, dass oben mal einer die Reißleine gezogen hat?

Gaby Köster: Das ist mir im Nachhinein auch klar, aber zu dem Zeitpunkt war mir das überhaupt nicht bewusst, ich habe im Leben nicht mit so was wie einem Schlaganfall gerechnet. Aber ich hatte noch mal Glück. Andere haben wesentlich größere Probleme mit der Reha als ich.

Haben Sie sich damals auch schon mal selbst über die Schulter geschaut und gedacht: "Gaby, was machst du hier eigentlich?"

Gaby Köster: Hin und wieder schon. Dann habe ich mir gesagt, das muss sich ändern. Beim nächsten Mal bist du eben nicht so schnell und lässt das ein oder andere besser mal ausfallen. Tja, und das habe ich dann ja auch zwangsläufig geschafft. Hinterher habe ich es dann ja hingekriegt (lacht).

 

Das Erlebte aufarbeiten

Es ist genau neun Jahre her, als sich Gaby Kösters Leben von einer Sekunde zur anderen radikal verändert. Denn im Januar 2008 erleidet sie ganz plötzlich einen Schlaganfall, liegt vier Wochen im künstlichen Koma. Sie überlebt, bis heute hat sie Lähmungserscheinungen.

Ihr Leben auf der Überholspur des Erfolgs wird von jetzt auf gleich abgebremst. Zunächst auf null.

Drei Jahre später verarbeitet sie in ihrem Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" – das gerade mit Anna Schudt in der Hauptrolle verfilmt wurde – ihre Krankheitsgeschichte, ihre Gedanken und Ängste, die sie in der Zeit danach bewegten. Ein Buch, das zu Herzen geht. Doch trotz aller Ernsthaftigkeit und Dramatik ist es auch ein Buch voller Lebensfreude, Optimismus und dem typischen ironischen Gaby-Köster-Humor, der uns immer wieder schmunzeln lässt. "Scheiße, jetzt habe ich mir sehr wehgetan", sei ihr erster Gedanke gewesen, als sie auf ihrer Gästetoilette umgefallen war. "Alles hatte dieser verfluchte Schlaganfall mir genommen. Die Macht über meinen Körper, meine Selbstständigkeit. Meinen Stolz. Mein bisheriges Leben. Und jetzt auch noch meine Würde. Ich sah aus wie ein Freak", schreibt sie über ihren ersten Blick in den Spiegel.

Ihr ist oft nach Losheulen zumute, doch weinen kann Gaby Köster nicht mehr, wie sie bei Markus Lanz gesteht: "Seit dem Schlaganfall kann ich nicht mehr weinen. Da ist etwas defekt, da hat der Schlag etwas erwischt, was für das Weinzentrum zuständig ist." Besonders große Hilfen sind und waren Gaby Köster ihr Sohn und ihre Mutter. "Ich bin sehr happy, dass ich meine Familie um mich habe. Dass ich Dinge wieder allein kann, die ich früher für selbstverständlich genommen habe." Ihr Fazit: "Es ist gut, neue Wege zu suchen und zu gehen. Ich muss auch einen neuen Weg finden, meine Straße des Lebens neu entdecken, gestalten und anlegen."

Buch-Tipp: "Ein Schnupfen hätte auch gereicht", Scherz Verlag, 9,99 Euro

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