Schatz, wo bist du gerade? Eifersucht in der Beziehung als Liebesretter

Eifersucht in der Beziehung als Liebesretter
Eifersucht kann unter Umständen ein Liebes-Kick für Ihre Beziehung sein.
Inhalt
  1. Die positiven Seiten der Eifersucht in der Beziehung
  2. Liebe mit Eifersucht
  3. Konkurrenz belebt die Liebe
  4. Der Probleme-Radar
  5. Wahn und Wirklichkeit

Eifersucht in einer Beziehung kann dramatische Bilder malen. Wer es aber schafft, souverän mit ihr umzugehen, wird belohnt – mit einem Liebes-Kick für die Beziehung.

Vor zwei Stunden war noch alles gut, dann schlägt die Eifersucht in der Beziehung zu. Klar, kann er mit seiner Kollegin etwas trinken gehen! Doch dann springt das Kopfkino an: ihre Hand auf seinem Arm, zu viel Whiskey im Bauch und das Angebot eines neuen Lebens in der Luft. Die Eifersuchtsmaschine ist nicht aufzuhalten, sie erspinnt die wildesten Horror-Szenarien. Bis man rast, sich sicher ist: alles aus. Und tatsächlich? Ist natürlich nichts vorbei, das Schlimmste ist sein kleiner Schwips. Oft schämt man sich dann eher für seinen Wahn.

 

Die positiven Seiten der Eifersucht in der Beziehung

Dass man bei Eifersuchtsattacken tatsächlich nicht Herrin seiner Sinne ist, zeigt eine Studie der Universität Delaware: Frauen, die künstlich eifersüchtig gemacht wurden, fühlten sich so unwohl, dass sich bei visuellen Tests ihre Reaktionsfähigkeit verschlechterte. Eifersucht gilt wohl auch wegen des Kontrollverlusts als ungeliebtes Gefühl, bei dem auch ein wenig Peinlichkeit und Verbitterung mitschwingt. Und das auf ein Ungleichgewicht in der Beziehung hindeuten kann. Nicht muss, denn Eifersucht hat auch positive Seiten, weiß Dr. Wolfgang Krüger, Autor des Ratgebers „Aus Eifersucht kann Liebe werden“ und Psychotherapeut: „Vorausgesetzt man vertraut seinem Partner grundsätzlich, befeuert ein wenig Unsicherheit die Liebe sogar noch.“

Eifersucht in der Beziehung bewirkt unter anderem einen Perspektivenwechsel. Sie lässt einen den Mann, der über Jahre zur Gewohnheit geworden ist, wieder mit anderen Augen sehen. Zu Hause ist man vielleicht ständig von seinen Ordnungshaufen in der Wohnung genervt, doch sobald er von Frau Supersexy auf einer Party angehimmelt wird, ist er wieder der heiße Mann, in den man sich verliebt hat. „Wenn ich die Angst spüre, meinen Partner zu verlieren, erscheint er mir begehrenswerter“, erklärt Wolfgang Krüger. „Ich fange innerlich an zu glühen, merke plötzlich wieder, dass er eine existenzielle Bedeutung für mich hat. Und dass seine Zuneigung keine Selbstverständlichkeit ist.“ Das intensiviere, laut dem Experten, die Beziehung. Mit einem großartigen Nebeneffekt: „Handelt es sich um eine normale Form der Eifersucht, heizt die Verlustangst auch das Sexleben an“, sagt er. „Weil ich mir in einer eigentlich intakten Beziehung sicher bin, dass ich durch Nähe, Anerkennung und Berührung meinen Partner wieder fester an mich binden kann.“ Harald Oberbauer, Leiter der Eifersuchtsambulanz an der Universitäts-Klinik Innsbruck kennt noch einen weiteren Aspekt: „Viele Menschen sind stolz, wenn sie merken, dass ihr Partner beliebt ist, weil es sie selbst aufwertet. Und ein besseres Selbstwertgefühl führt wiederum zu mehr Lust. Meiner Praxiserfahrung nach einer der Hauptgründe dafür, dass Paare in Swingerclubs gehen.“

 

Liebe mit Eifersucht

Es gibt Therapeuten, die behaupten, mit Liebe habe Eifersucht nichts zu tun. Sie sei vielmehr Ausdruck von Selbstzweifeln. Aber: Wie kann das sein, wo sie doch das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist und Gleichgültigkeit das Gegenteil von Liebe? „Wer jemanden liebt, dem kann nicht egal sein, wo sich sein Partner nachts um drei rumtreibt“, sagt auch Harald Oberbauer: „98 Prozent aller Menschen kennen das Gefühl. Auffällig ist für mich eher jemand, der angibt, Eifersucht nie gespürt zu haben – der ist vermutlich beziehungsunfähig.“ Eifersucht ist somit ein indirekter Liebesbeweis und dadurch viel ehrlicher als Ich-liebe-Dichs überdas Handy oder Blumen zum Valentinstag. Man hatte gar nicht vor, seinem Partner ein Kompliment zu machen, aber indem Eifersucht aus einem herausbricht, gesteht man: „Du bist mir wichtig, ich möchte unsere Liebe bewahren.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Partnervermittlung parship.de: 72 % der Mitglieder gaben an, etwas Eifersucht charmant zu finden.

Video: Was man gegen die eigene Eifersucht tun kann

 
 

Konkurrenz belebt die Liebe

Außerdem lässt sich ein Prinzip aus dem Arbeits-Leben auf Privates übertragen: Wettbewerb macht Unternehmen (also die Liebe) stärker. Er regt dazu an, sein Produkt (sich selbst) zu verbessern und „wettbewerbsfähig“ zu bleiben. Wer sich komplett in Sicherheit wähnt, wird in Beziehungen – das gibt man genauso ungern zu wie Eifersuchtsattacken – ja gern mal ein bisschen „Heute mal wieder Serien gucken“-faul. Während man sich anfangs noch von seiner besten Seite zeigt, lässt man nach drei Jahren sogar raus, was einen an sich selbst nervt. Und hinterher hat der Partner die Macken genauso zu akzeptieren, stimmt’s? „Sich keine Mühe mehr zu geben, ist einer der größten Fehler in Beziehungen“, sagt der Psychotherapeut. Eifersucht wirke dagegen, bringe einen plötzlich auf 100 Ideen, sich wieder für sich selbst und den Partner einzusetzen, erklärt er weiter. Gemeinsam zu kochen, gebannt zuzuhören, wenn der andere von seinem Tag erzählt, für den Abend zu zweit High Heels zu tragen: sich eben zu verhalten, wie es eine andere Frau beim Date täte. Schon der Schriftsteller Max Frisch beschrieb Eifersucht als „die Angst vor dem Vergleich“. Für Cosmo-Frauen ist sie jedoch weniger furchteinflößend als vielmehr eine willkommene Herausforderung.

 

Der Probleme-Radar

„Eifersucht in Maßen hat zwei wichtige Funktionen“, stellt Wolfgang Krüger fest. „Zum einen zeigt sie dem Partner Grenzen auf: bis hierhin und nicht weiter. Zum anderen ist sie ein Frühwarnsystem. Sie weist darauf hin, dass etwas in der Beziehung nicht stimmen könnte.“ Um das herauszufinden, helfen Fragen wie: War unsere Beziehung in letzter Zeit nicht unsere Priorität? Gab es Streit? Waren wir zu sehr auf den Alltag oder die Arbeit fokussiert? Wolfgang Krüger spricht von fehlenden „Liebesinseln“: Momenten, die einem als Paar gehören. Da reichen oft kleine Gesten: Hand in Hand durch die Stadt gehen, ein anerkennender Satz oder ein gemeinsamer Morgen im Bett. Genau diese Dinge lassen spüren: Wir gehören zusammen – und das ist wichtig für eine enge Bindung, die nicht so einfach von außen bedroht werden kann.

Natürlich kann Eifersucht auch schädlich werden. Für einen selbst und für die Liebe. „Wenn die eigene Lebensqualität oder die des Partners leidet“, sagt Harald Oberbauer. „Wenn ich gedanklich nicht mehr frei bin, ständig an der Liebe des Partners zweifle, das Gefühl habe, den anderen kontrollieren zu müssen und ihm Lügen unterstelle.“ Wer sich jetzt ertappt fühlt, der sollte sich fragen: Was macht mich besonders? Denn in so einem Fall fehlt es tatsächlich an Selbstsicherheit. Laut Wolfgang Krüger helfe hierbei ein eigener Freundeskreis und eigene Lebensprojekte. „Ich muss in meinen Hobbys so aufgehen, dass ich manchmal richtig froh bin, wenn ich Zeit für mich allein habe“, meint er. Ist es der Partner, der klammert, sollte man ihm deutlich zeigen, dass er nicht austauschbar ist. Dennoch: Rechtzeitig klar sagen, dass Liebe auch Freiräume braucht.

 

Wahn und Wirklichkeit

Will man sich selbst mal allein mit einem seiner Kumpels treffen, muss man solche Freiräume natürlich auch dem anderen gewähren. Bei dessen langjähriger Kumpel-Freundin, die man auch gemeinsam trifft, sollte man sich locker machen – wenn sich da etwas hätte entwickeln können, wäre es wohl längst passiert. Genauso unproblematisch: ein kleiner Party-Flirt. Wolfgang Krügers Tipp: „Kommen Sie bei so einer Szene einfach dazu und nehmen Sie Ihren Partner sanft am Arm.“

Klar, Eifersucht ist auch mal berechtigt. Gefährlich wird’s etwa mit der Ex-Liebe, wenn er häufig von ihr redet – egal ob gut oder schlecht. Wolfgang Krüger meint: „Wirkt sie noch nach Monaten omnipräsent, ist er vermutlich nicht über sie hinweg. Dann muss man ihn darauf hinweisen, dass er noch etwas zu verarbeiten hat und zur Not einen Schlussstrich ziehen.“ Rein statistisch gesehen, ist eine Frau im Arbeitsumfeld ebenfalls suspekt: Einer Umfrage der Website seitensprung.fibel.de zufolge, entstehen noch mehr Affären im Job (jede dritte) als im Internet (hier gibt es übrigens keinen Zweifel: mit Fremden zu chatten geht gar nicht). Hat der Partner viel Kontakt zu dieser Kollegin, oder einer anderen Fremden, empfiehlt Wolfgang Krüger, sie auf jeden Fall kennenzulernen. Um nicht nur einem Phantom hinterherzujagen, sondern sich ein echtes Bild zu machen. Verhält er sich ihr gegenüber klar kumpelhaft, ist alles gut. Alarmierende Anzeichen können, laut dem Experten, hingegen sein, wenn diese Frau eher nervös und ablehnend einem selbst gegenüber wirkt. Oder sie bei ihm besitzergreifende Gesten macht, etwa die Hand auf seinen Arm zu legen. Und wenn die beiden einander ständig berühren, sich etwas zu lang in die Augen schauen, er also quasi vergisst, dass seine Partnerin in der Nähe ist, gar existiert.

Es gib ein paar Fragen, die man sich auch ohne potenzielle Bedrohungs-Kandidatin bei Eifersuchtsattacken stellen kann: Wirkt mein Partner oft geistig abwesend? Küsst er einen flüchtiger als zuvor? Hängt er ständig am Smartphone und kann bei neuen Nachrichten ein Flirt-Lächeln nicht verbergen? Wer solche Verhaltensweisen beobachtet, ist wohl zu Recht misstrauisch, sollte aber nicht vorwurfsvoll reagieren, sondern den Partner gezielt fragen, was in der Beziehung gerade schiefläuft.

Die Horrorversion des Fremdverliebens muss nicht zwangsläufig eintreten. „Solange die Beziehung auf einer guten Bindung basiert, kann man sich mit etwas Mühe wieder annähern“, beruhigt Wolfgang Krüger. Sprich: Ist man im Prinzip glücklich und scheint es dem Partner genauso zu gehen, braucht man ihn nachts nicht anzurufen und in den Hörer zu heulen. Dann geht man am nächsten Abend einfach selbst mit ihm einen trinken. Und erklärt ihm, wie man sich fühlt – als Warnung und Kompliment zugleich.

Artikel: Magazin Cosmopolitan

Kategorien:
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