Im Interview Anja Schüte: Die Krise hat sie stark gemacht

Anja Schüte: Die Krise hat sie stark gemacht

Sie ist ein gefragter Serienstar – bis die Rollenangebote ausbleiben. Das stürzt Anja Schüte, 52, in eine tiefe Krise. Aber sie startet durch und baut sich eine neue Existenz auf.

Anja Schüte erzählt in einem exklusiven Interview offen und sehr ehrlich über ihr Leben auf der Insel Sylt, ihren Lebenspartner Jörg Brunkhorst, ihre Job-Krise, als plötzlich mit über 40 keine Rollenangebote mehr kamen, wie sie es geschafft hat, sich wieder eine neue Existenz aufzubauen, und wie sie "ihre Brötchen verdient", wie sie selbst sagt.

Ist das schön hier auf der Insel Sylt, Sie leben hier ja im Paradies …

Anja Schüte: Ja, ich genieße mein Leben hier sehr, an der See, mitten in der Natur. Wir haben hier nicht die Hektik und Probleme wie in den Großstädten. Es ist schon wie in einer anderen Welt, ein kleines Paradies. Wir sagen hier immer, Sylt ist nicht Deutschland (lacht).

Aber Sie wohnen doch auf dem Festland …

Anja Schüte: Ich bin tageweise auf Sylt und jobbe hier. Dann genieße ich aber auch das Landleben in unserem Reetdachhaus in Nordfriesland.

Haben Sie sich Ihr Leben eigentlich so vorgestellt?

Anja Schüte: Tatsächlich habe ich mir ganz viel vorgestellt, was dann auch so eingetroffen ist. Mir wurde erzählt, als Kind habe ich davon geträumt, über einen roten Teppich zu laufen und Autogramme zu geben. Viele Visionen, die ich in meinem Kopf hatte, sind dann auch so eingetroffen. Ob es mein Sohn war, den ich mir bildlich vorgestellt hatte und mit dem ich am Wasser leben wollte, oder mein Treffen mit meinem ersten Mann (Roland Kaiser, Anmerkung der Redaktion). Ich glaube einfach an das Gesetz des Universums.

Wir haben Sie lange nicht im Fernsehen gesehen, können Sie sich das erklären?

Anja Schüte: Mit den Rollenangeboten wird es immer schwieriger. Das ging bei mir so mit über 40 los. Vor einigen Jahren habe ich noch mal bei allen Casting-Agenturen Deutschlands angeklopft, um mich wieder ins Gespräch für Rollen zu bringen, aber es hat nicht gefruchtet. Ich habe eine tiefe Phase der Traurigkeit hinter mir, wo ich verstehen und akzeptieren lernen musste, dass ich mich umorientieren muss. Wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben darf, entsteht eine große Leere im Inneren. Man ist verzweifelt und wütend, weil man es nicht ändern kann. Die ganze Fernsehlandschaft hat sich so verändert, es wurde ja auch lange Zeit viel weniger produziert. Und es gibt so viele Kollegen, die auch über zu wenig Anfragen und Angebote klagen, da frage ich mich, womit die ihre Brötchen verdienen.

 

"Es ist schwer, sich einzugestehen, dass eine Ehe zerbricht"

Vor der beruflichen Krise zerbrach auch Ihre Ehe mit Roland Kaiser. Wie haben Sie das erlebt?

Anja Schüte: Ja, das waren schlimme Zeiten für mich. Ich komme aus einer heilen Familie, da ist es besonders schlimm, wenn die eigene zerbricht. Und es ist schwer, sich einzugestehen, dass man es nicht geschafft hat, die Ehe aufrechtzuerhalten, und mit einem Kind allein bleibt.

Wie ist denn das Verhältnis heute zu Ihrem Ex-Mann?

Anja Schüte: Wir verstehen uns gut und ziehen an einem Strang. Wir haben ein Thema, das ist unser Sohn. Es gab schlechte Zeiten, und jetzt haben wir gute Zeiten.

Sie haben sich ein zweites Standbein aufgebaut und arbeiten in einem Mode-Geschäft …

Anja Schüte: Ja, und ich weiß gar nicht, was daran so verwerflich sein soll, in einem Geschäft zu arbeiten. Das, was ich tue, macht mir schließlich auch viel Spaß. Ich habe viel mit Menschen zu tun und sitze nicht zu Hause und warte, dass das Telefon klingelt. Ich nehme am Leben weiter teil.

 

"Ich musste mich neu platzieren im Leben"

Dann haben Sie ja einen kompletten Neuanfang hingelegt …

Anja Schüte: Ich musste mich neu platzieren im Leben, mein altes Leben ad acta legen und mich neu finden in der Gesellschaft, mich neu orientieren. Ich bin heute froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Natürlich freue ich mich über gute Rollenangebote. Aber ich warte eben nicht mehr darauf.

Wie haben Sie den neuen Job gefunden?

Anja Schüte: Ich bin einfach auf Sylt in ein Geschäft reingegangen – man kennt sich hier – und habe direkt gefragt, ob ich dort arbeiten kann. Das hat geklappt. Heute arbeite ich für ein Luxuslabel. Und ich weiß heute, dass ich gern Veränderung habe. Stillstand ist für mich Horror.

Werden Sie von den Kunden im Geschäft erkannt?

Anja Schüte: Sehr oft, die Kunden fragen mich auch immer: "Wann sehen wir Sie denn wieder im Fernsehen, Frau Schüte?" Das finde ich ganz rührend. Mein Leben in dem Geschäft ist ein Teil meines Lebens geworden. Ich habe mit meiner neuen Aufgabe Freundschaft geschlossen.

 

"Man kann sich auch bei einem Tier mal ausweinen"

Haben Sie ein Rezept, wie man Krisen bewältigen kann?

Anja Schüte: Was mir viel Kraft gegeben hat, war meine Hündin, die erst kürzlich gestorben ist. Ich bin froh, dass der Hund in schweren Zeiten an meiner Seite war. Dann kann man sich bei dem Tier auch mal ausweinen. Und was immer ablenkt, ist Arbeit. Und wenn man nichts zu tun hat, dann ist das natürlich schwerer. Aber letztendlich ist es dann doch der Partner, der einen durch schwere Zeiten trägt.

Aber heute geht es Ihnen wieder gut …

Anja Schüte: (Lacht.) Ja, ich bin wieder an Deck, bin eine reine Optimistin. Natürlich bin ich nicht ganz frei von Ängsten, vor allem was den Verlust von geliebten Menschen angeht.

Wie würden Sie Ihr Lebensgefühl beschreiben?

Anja Schüte: Voller Energie und ganz bei mir.

 

"Ich scheue Konflikte nicht mehr"

Was ist heute besser als früher?

Anja Schüte: Ich bin heute eine viel bessere Partnerin in einer Beziehung als mit Mitte 20. Rückblickend sieht man, welche Fehler man gemacht hat. Und ich weiß heute, was ich nicht mehr möchte. Ich scheue Konflikte nicht mehr, früher bin ich abgehauen, wenn es eng wurde. Heute bleibe ich und trage den Konflikt aus. All das gibt einem Selbstvertrauen.

Gibt’s noch mehr, das sich mit dem Älterwerden geändert hat?

Anja Schüte: Ich stelle immer mehr fest, dass ich nicht mehr ein solcher Konsument bin wie früher, ich kaufe viel weniger. Es ist mir nicht mehr so wichtig. Es passt auch nicht mehr in die Zeit, wir haben doch alles im Schrank. Wir leben in einer Zeit, wo weniger mehr ist. Wir müssen uns klarmachen, was uns wirklich glücklich macht.

 

"Das ganze Leben ist eine ständige Prüfung"

Was haben Sie vom Leben gelernt?

Anja Schüte: Ich weiß heute, dass man im Leben viele Prüfungen zu bestehen hat, das ganze Leben ist eine ständige Prüfung, finde ich. Man wird immer wieder gefordert, immer wieder müssen wir über uns hinauswachsen. Aber das bereichert dich auch später und macht dich stark. Es lässt einen zu einem erwachsenen Menschen reifen.

Würden Sie noch mal heiraten?

Anja Schüte: (Lacht.) Ja, na klar!

 

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