Honigfrauen-Star Anja Kling: "Meine Eltern haben mir ein tolles Lebensgefühl vermittelt"

Honigfrauen-Star Anja Kling hat ein enges Verhältnis zu ihren Eltern.
Anja Kling (Star aus 'Honigfrauen') genießt ein enges Verhältnis zu ihren Eltern.

Der TV-Dreiteiler 'Honigfrauen' lässt das Lebensgefühl der 80er-Jahre aufleben. Woran sich Anja Kling erinnert und wie stark ihre Verbindung zu ihren Eltern ist. 

Sommer 1986. Die Schwestern Maja und Catrin aus Erfurt dürfen das erste Mal allein in die Ferien fahren und trampen an den ungarischen Plattensee, auch Balaton genannt. Erste Liebe, Stasi-Gefahr und viele Geheimnisse sind die Zutaten des TV-Dreiteilers 'Honigfrauen'. Die geborene DDR-Bürgerin Anja Kling (47) spielt in dieser Ost-West-Geschichte mit.

Redaktion tina: War der Balaton früher für DDR-Bürger ein Sehnsuchtsort wie Mallorca für Westler?

Anja Kling: Wir sind mit meinen Eltern jeden Sommer an die Ostsee gefahren – und im Winter zum Skifahren in die Hohe Tatra. Mehr war finanziell nicht drin. Aber natürlich kannte ich viele, die heiß darauf waren, nach Ungarn an den Balaton zu fahren. Kann also sein, dass es für meine Bekannten so etwas wie ein Sehnsuchtsort war.

Waren Sie selbst mal am Plattensee?

Erstmalig im letzten Jahr zu den Dreharbeiten. Es ist wirklich schön, besonders für Familien mit Kindern. Zum einen, weil der See ganz flach ist. Zum anderen, weil man hier kein Vermögen für Ferien zahlen muss.

Damals konnten Sie nicht weit reisen. Wie sehen Ihre Sehnsuchtsorte heute aus?

Oh, da gibt es viele. Auf jedem Kontinent liegen so viele Länder, die ich besuchen möchte. Mit Reisen werde ich noch mein ganzes Leben beschäftigt sein. Italien liebe ich besonders. Weil ich nicht nur schon häufiger dort Urlaub gemacht habe, sondern auch ein halbes Jahr in Italien am Set war. Diese Zeit in Rom und Sizilien war die bisher schönste meines Lebens.

Honigfrauen: Kirsten (Anja Kling, r.) und Karl (Götz Schubert, l.) Stresemann sehen der kirchlichen Trauung ihrer Tochter Maja mit gemischten Gefühlen zu.

Kirsten (Anja Kling, r.) und Karl (Götz Schubert, l.) Stresemann sehen der kirchlichen Trauung ihrer Tochter Maja im dritten Teil von 'Honigfrauen' mit gemischten Gefühlen zu.

Wohin sind Sie nach Grenzöffnung das erste Mal in Urlaub gefahren?

Ganz weit weg. Im Februar 1990 sind mein Freund und ich nach Sri Lanka geflogen. Da wir nur die Ostsee kannten, haben wir natürlich alles falsch gemacht. Wir sind ohne Sonnenschutz sofort an den Strand gerannt. Die Rechnung kam prompt. Von den zehn Tagen Urlaub lag ich neun mit Fieber im Bett, meine Haut warf Blasen. Ich sah aus wie eine gekochte Krabbe. Das war eigentlich traurig, aber: Ich war auf Sri Lanka.

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Wenn Sie an die DDR denken, welche Gerüche, Gefühle, Farben verbinden Sie damit?

Andersherum. Wenn wir Besuch aus der BRD hatten, rochen die nach Westpaket und Intershop. Diesen Geruch gibt es heute nicht mehr. Vermutlich eine Mischung aus Waschmittel, Kaffee und Kaugummi. Ich fand das immer toll, dass alle nach Westpaket rochen. Aber den Ostgeruch, den es offenbar auch gab, habe ich nie wahrgenommen. Erst als ich lange nach der Wende in Minsk gedreht habe, war dieser bestimmte Geruch des Ostens wieder in meiner Nase.

'Honigfrauen' spielt 1986. Wissen Sie noch, was Sie damals gemacht haben?

Ja, da habe ich die 10. Klasse abgeschlossen und bin vom Land ins große Ostberlin gezogen, wollte Balletttänzerin werden und habe im dazugehörigen Internat gelebt. Für mich war das die große weite Welt. Dass es noch was anderes da draußen gab, habe ich gar nicht gespürt. Das war Aufbruch und jugendliche Leichtigkeit – ein Gefühl, das man leider nur in diesem Alter hat.

Sie sind fünf Tage vor dem Mauerfall in den Westen geflüchtet – und Ihre Eltern waren sogar eingeweiht …

Das rechne ich meinen Eltern sehr hoch an, es war ein Zeichen größter Liebe. Denn beide Kinder auf einen Schlag zu verlieren, tut weh. Ich bin mit meiner Schwester und unseren beiden Freunden geflüchtet – und wir konnten nicht davon ausgehen, unsere Eltern so bald wiederzusehen, wenn überhaupt. Gott sei Dank fiel dann die Mauer, denn ich hätte mit meinen 19 Jahren vermutlich schlimmer unter der Trennung gelitten, als ich vorher gedacht hatte. Bis heute haben meine Schwester und ich ein ganz enges Verhältnis zu meinen Eltern.

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Warum sind Ihre Eltern Vorbilder für Sie?

Sie haben uns ein tolles Lebensgefühl vermittelt. Oft sagt man als Jugendlicher, dass man später alles anders machen wird als die Eltern. Das kann ich für mich nicht behaupten. Wenn ich das so hinkriege wie sie, habe ich alles richtig gemacht. Sie haben uns alle Freiheiten gegeben und zu mutigen, selbstbewussten Menschen erzogen. Von ihnen haben wir gelernt, positiv ins Leben zu gehen, das gebe ich hoffentlich an meine Kinder weiter.

Sie leben in einer Großfamilie mit Ihren Eltern und den Kindern zusammen.

Es ist ein schönes Miteinander in angrenzenden Häusern. Meine Schwester wohnt nur ein paar Kilometer entfernt. Man lernt in der Gemeinschaft Toleranz und auch, dass man bei so vielen Menschen Rücksicht aufeinander nehmen muss. Das sind Werte wie Respekt, die ich in der heutigen Gesellschaft nicht immer sehe. Für mich besitzen sie aber einen hohen Stellenwert. Schön finde ich, dass meine Eltern im Alltag eingebunden sind, sodass sie gar keine Zeit haben zu altern. Das ist das alte Modell der Großfamilie, wo jeder für jeden da ist – und das wir so nur noch selten finden.

Der dritte und letzte Teil von Honigfrauen läuft am Sonntag,  7. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: Tina

Video: Die besondere Verbindung zwischen Mutter und Tochter

 
Kategorien:
Kinderarbeit

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