Depression im Alter Altersdepression: Wie Sie sie erkennen und behandeln können

Die von der Gerontopsychiatrie untersuchte Altersdepression ist eine Krankheit, die sich von Depression in jüngeren Jahren unterscheidet. Was kann ich dagegen tun?
Was soll ich eigentlich noch hier? Dunkle Gedanken wie diese treten häufig bei Depressiven auf. Was Sie dagegen tun können und was Sie vor allem bei Altersdepression beachten sollten.
Inhalt
  1. Woran erkenne ich Altersdepression?
  2. Altersdepression & Demenz: Was sind die Unterschiede?
  3. Was sind mögliche Ursachen für Altersdepression?
  4. Wie sieht die Behandlung von Altersdepression aus?

Psychische Erkrankungen beeinträchtigen die Lebensqualität und können im schlimmsten Fall zur völligen Aufgabe des Lebensmuts führen. Worauf Sie besonders bei Altersdepression achten sollten.

Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit: Diese und weitere Symptome quälen Depressive schon in jüngeren Jahren. Doch im höheren Alter gesellen sich noch andere Beeinträchtigungen hinzu, die eine Diagnose oftmals erschweren: "Die Depression im Alter geht häufig mit körperlichen Beschwerden ('Es drückt auf der Brust ...') oder mit Gedächtnisstörungen ('Ich kann nicht mehr denken ...') einher und wird oft als körperliche Erkrankung oder Demenz verkannt", erklärt Dr. med. Claus Wächtler aus Hamburg. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Experte im Bereich seelische Störungen im Alter.

"Jeder zehnte ältere Mensch ist von einer Depression betroffen, in stationären Pflegeeinrichtungen liegt sogar bei jedem Dritten eine Depression vor", weiß Dr. Wächtler und zeigt damit, wie ernst diese Krankheit genommen werden sollte. Nicht ohne Grund beschäftigt sich deshalb die Gerontopsychiatrie, ein Fachgebiet der Psychiatrie, speziell mit den seelischen Problemen älterer Menschen ab etwa 60 Jahren und hilft, Depression im Alter besser zu erkennen und zu behandeln.

 

Woran erkenne ich Altersdepression?

Wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe erklärt, "neigen an Depression Erkrankte dazu, bestehende Probleme stärker und als bedrohlicher wahrzunehmen. Während in jüngeren Lebensabschnitten zum Beispiel berufsbezogene Probleme im Vordergrund stehen, sind es bei älteren Menschen häufig gesundheitsbezogene Probleme."

Das können bereits bestehende Rückenschmerzen oder als unerträglich empfundene Ohrgeräusche sein, genauso wie Schlaf- und Verdauungsprobleme oder Konzentrationsschwächen. Um zusätzlich auftretende Symptome wie Interessenverlust und eine depressive Verstimmung richtig einzuordnen, kann es laut Dr. Wächtler helfen, einen Zwei-Fragen-Test anzuwenden und über Folgendes nachzudenken:

Fühlte ich mich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?

Hatte ich im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die ich sonst gerne tue?

"Wer beide Fragen mit 'Ja' beantwortet, könnte an einer Depression leiden und sollte einen Arzt oder einen Psychotherapeuten aufsuchen", rät der Experte aus Hamburg. Insbesondere da es gerade älteren Menschen oft schwer falle, Gefühle zu äußern und psychische Störungen als ernste Krankheit zu akzeptieren. 

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Die Diagnose einer Depression muss deshalb von einem Arzt vorgenommen werden, der auch einen speziell für ältere Menschen generierten Fragebogen nutzt. Zeigt der Betroffene zum ersten Mal Symptome einer Depression, wird der Mediziner außerdem besonders auf mögliche körperliche Erkrankungen (zum Beispiel Störungen der Schilddrüse) achten, die mit der seelischen Beeinträchtigung einhergehen können.

 

Altersdepression & Demenz: Was sind die Unterschiede?

Gerade, weil depressive Störungen häufig gemeinsam mit Sprech- oder Denkblockaden und Konzentrationsschwächen auftreten, fällt eine Abgrenzung zu Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer häufig nicht leicht. Die Deutsche Depressionshilfe weiß aber: "Depressive Patienten sind in der Regel nicht desorientiert, sie können auf Nachfragen beispielsweise das Datum und die Uhrzeit richtig angeben. Bei Demenzkranken ist dies häufig nicht mehr der Fall."

Außerdem sei bei Depressiven häufig der Leidensdruck zu spüren, während an Demenz Erkrankte ihre Beschwerden meist kleiner darstellen, als sie sind. Was hilft noch bei der Unterscheidung zwischen Demenz und Depression?

Das spricht eher für eine Depression:

  • Die Symptome beginnen innerhalb weniger Wochen.
  • Die Verstimmtheit ist konstant über einen längeren Zeitraum spürbar.
  • Morgens fühlt sich die Person besonders schlecht, abends wird es etwas besser.
  • Die betroffene Person klagt viel und deutlich über ihr Befinden.
  • Das Denken ist verlangsamt und gehemmt, aber die Person ist nicht verwirrt.

Das spricht eher für eine Demenz:

  • Das Krankheitsbild macht sich im Laufe mehrerer Monate bemerkbar.
  • Die Stimmungslage der Person ist instabil und leicht zu beeinflussen.
  • Die betroffene Person verleugnet ihre Beschwerden.
  • Die räumliche und zeitliche Orientierung fällt ihr immer schwerer.
  • Sie leidet unter Verwirrtheitszuständen in der Nacht.

Lassen Sie sich von einem Arzt beraten, kann er sich genauer mit Ihrem Alltag und Ihrer Krankheitsgeschichte befassen, um die richtige Diagnose zu stellen.

 

Was sind mögliche Ursachen für Altersdepression?

Wie bei jüngeren Menschen können traumatische Erfahrungen und andere seelische Krisen auch im Alter zu einer Depression führen. Bei Menschen über 60 treten allerdings besonders häufig familiäre Konflikte auf oder aber der Verlust einer engen Bezugsperson (zum Beispiel des Ehepartners) lässt sich nur schwer verkraften. Außerdem können fehlende Bestätigung, Einsamkeit, eingeschränkte Selbständigkeit oder die Aufgabe des Berufs mögliche Auslöser sein.

Darüber hinaus können sich auch körperliche Behinderungen und Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, negativ auf die Seele auswirken. Dr. Wächtler erklärt: "Menschen, denen ein schützendes und stützendes soziales Netz fehlen, sind auf im Alter neu einsetzende Belastungen schlecht vorbereitet. Manchmal bedarf es aber auch eines scheinbar geringfügigen Anlasses, um aus Angst und Trauer eine Depression entstehen zu lassen."

Entstehungsprozess einer Depression laut Dr. med. Claus Wächtler

  1. Der Betroffene fühlt sich lustlos und niedergeschlagen.
  2. Es besteht eine depressive Verstimmung.
  3. Die Aktivitäten werden eingeschränkt.
  4. Die eingeschränkten Aktivitäten haben weniger positive Erfahrungen zur Folge.
  5. Durch weniger positive Erfahrungen nimmt das Zutrauen zu sich selbst ab.
  6. Weniger Zutrauen zu sich selbst führt zu einem weiteren Rückzug.
  7. Es kommt beim Betroffenen zu (weiteren) negativen Grübeleien.
  8. Unruhe, Konzentrationsmangel, Schlafstörungen, Angst nehmen zu.
  9. Die Belastungen erscheinen unüberwindbar - das führt zu Resignation.
  10. Es gibt für den Betroffenen keinen Ausweg mehr.

Damit die betroffene Person nicht in Hoffnungslosigkeit versinkt, ist es zwingend nötig, sie ärztlich zu behandeln. Das dürfe gerade im Alter nicht vernachlässigt werden: "Ältere Betroffene reagieren auf Empathie, Interesse und Zuspruch, auf Pflege, medizinische Behandlung oder soziale Hilfen, auf Antidepressiva, aber auch auf eine Psychotherapie so gut wie jüngere", sagt Dr. Wächtler.

 

Wie sieht die Behandlung von Altersdepression aus?

Das wichtigste, was Betroffene und Angehörige von Depressiven tun können, ist, diese Erkrankung ernst zu nehmen. "Nicht erkannte oder unzureichend behandelte Depressionen sind gefährlich, weil sie die Lebensfreude mindern, die Selbständigkeit gefährden, körperliche Erkrankungen begünstigen beziehungsweise den Verlauf bei zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall verschlechtern und die Tendenz, sich das Leben zu nehmen, erhöhen", wie der Experte Dr. Wächtler klar macht. Wichtig sei es deshalb auch herauszufinden, ob die Person einen für das nahende Lebensende typischen Sterbewunsch hegt oder ob es sich um Selbstmordgedanken handelt, die durch depressionsbedingt sind.

Wurde die Depression von einem Arzt festgestellt, gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die teils ineinandergreifen. So sollen therapeutische Gespräche sowie eine bestmögliche Behandlung möglicher körperlicher Leiden und wenn nötig soziale Hilfen zusammenspielen.

Werden Antidepressiva eingesetzt, sollte der Arzt darauf achten, möglichst nebenwirkungsarme Mittel zu verschreiben, da ältere Menschen sensibler auf Medikamente reagieren als jüngere und häufig bereits mehrere Mittel gegen verschiedene Beschwerden einnehmen. Darüber hinaus sollten Antidepressiva laut Dr. Wächtler "niedrig, aber doch ausreichend hoch dosiert und lange genug verordnet werden. Um zu beurteilen, ob sie bei dem Patienten wirken, sollten sie zumindest 4 Wochen lang verabreicht werden. Ist eine positive Wirkung zu beobachten, sollten sie mindestens 6 Monate weiter verordnet werden."

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Begibt sich der Betroffene in psychotherapeutische Behandlung kann es manchmal zu Problemen kommen, weil der Therapeut meist jünger als sein Patient ist. Betroffene reagieren darauf vielfach mit großer Skepsis, die durch ein besonders hohes Einfühlungsvermögen des Experten beseitigt werden kann.

Bei besonders schweren Fällen von Depression kann eine Kombination aus medikamentöser Behandlung, Psychotherapie und weiteren Hilfsmitteln wie Entspannungsübungen, körperlicher Bewegung und Ergotherapie sowie Lichttherapie sinnvoll sein. Diese Angebote können in der Regel ambulant durchgeführt werden - nur bei einer besonders schweren Erkrankung sollte ein Aufenthalt in einer (Tages-)Klinik in Betracht gezogen werden. 

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